Die Inſtitute für Vererbungswiſſenſchaft bemühen ſich, ſtatt zahlreicher Raſſen nur wenige, aber um ſo hervorragendere und wirtſchaftlich wertvollere Pflanzen⸗ und Tiertypen zu züchten. In dieſer Beziehung haben die Amerikaner viel erreicht, die die Ver⸗ erbungswiſſenſchaft als eine außerordentlich praktiſche Angelegen⸗ heit betreiben und nicht nur rein wiſſenſchaftliche Inſtitute unter⸗ halten, ſondern vor allem ihre ſogen.„Departments of Geneties“ als Unterabteilungen den Colleges of Agriculture eingegliedert haben. Inſtitute für Erbkunde beſtehen in den Vereinigten Staaten an faſt allen landwirtſchaftlichen Hochſchulen; es gibt in U. S. A. etwa 30 ſolcher Lehranſtalten, während in Deutſchland bisher nur ein einziges Inſtitut, das in Dahlem, an eine Land⸗ wirtſchaftliche Hochſchule angeſchloſſen iſt. Die Amerikaner haben alſo die praktiſche Seite der Erbforſchung voll erfaßt; es iſt be⸗
zeichnend, daß einer der erſten Direktoren der großen Schlacht⸗ häuſer von Armour und Swift in Chicago ſelbſt Erbforſcher iſt,
und daß auch im amerikaniſchen Landwirtſchaftsminiſterium eine Abteilung für genetiſche Forſchung beſteht, während in den deut⸗ ſchen Landwirtſchaftsminiſterien keine derartige Stelle vorhanden iſt. Auch die Ruſſen haben auf dem Gebiete der angewandten Naturwiſſenſchaften viel geleiſtet, wie das große Inſtitut von Vaviloff in Leningrad beweiſt. Wie unſere Landwirte durch ihre Studienreiſen in Amerika neue Anregungen erhielten, ſo werden auf dem kommenden Kongreß für Vererbungswiſſenſchaften zahl⸗ reiche Amerikaner über ihre Erfahrungen auf dem Gebiet der praktiſchen Genetik vieles berichten, was für unſere Wirtſchaft von Nutzen ſein kann.
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Der Glaswaloͤſee Von J. Kalisch Orte, die den Schein des Geheimnisvollen birgen, üben ſtets
eine gewiſſe Anziehungskraft auf die Menſchen aus. Von Wohn⸗
ſtätten der Bevölkerung entfernt, liegt im Herzen des Schwarz⸗ waldes ein Bergſee, der Glaswaldſee genannt. Verſchiedene Wege führen dorthin. Wir nehmen den Aufſtieg von Peterstal aus. An ſonnigen Wieſen vorüber, führt uns der Weg allmählich höher. Ein liebliches Bild bietet der Anblick des Stahlbades Peterstal, das ganz im Talkeſſel eingeſchloſſen, ſich vor uns lagert. Auch Griesbach bietet ſich unſeren Blicken dar. Dunkle Tannenwälder nehmen uns auf. Ruhe und Frieden ringsum.
Der Wald lichtet ſich. Höhen und Täler breiten ſich vor unſerem
Auge aus. Kegelförmige Gebirge mit Tannen bewachſen, Ein⸗ ſchnitte in trauliche Täler, in denen das hellere Grün der Wieſen
dem Auge eine Abwechſlung bietet, liegen vor uns. Schmetter⸗
linge tummeln ſich über dem ſaftigen Gras, fliegen auf und ab, laſſen ſich auf einer Blume nieder, ſie leiſe küſſend, um dann wieder der Sonne entgegen zu fliegen. Schwarzwaldhäuſer mit
ihren tief herabhängenden Strohdächern liegen zerſtreut umher.
Nirgends eine Menſchenſeele, nur das Anſchlagen eines Hundes als Wächter, gemahnt an Wohnſtätten von Menſchen. Doch auch hier hat die Neuzeit das Althergebrachte verdrängt und zwiſchen dem Grün der dunklen Tannen leuchtet zuweilen ein helles Ziegeldach durch.
Immer ſteigend führt unſer Weg vormärts. Dichter wird der Wald. Die Tierwelt nimmt immer mehr ab. Bis faſt zum Himmel aufragende Bäume ſtehen kerzengerade im Forſte. Wurzeln, vom Erdreich entblößt, deren weitverzweigte Wurzeläſte die Formen von Drachen oder Schlangen aufweiſen, liegen am Waldesrand. Bemooſte Steinblöcke lagern ſich im Walde. Wie ein grüner ſamtener Teppich breitet ſich das Moos aus, nirgends von Menſchentritten zerſtört. Uppig gedeiht am Waldesrand das zarte Frauenhaar, Farnkräuter ſchießen auf. Heidelbeerſträucher be⸗ decken den Boden und das beſcheidene Kleeblatt wuchert dort im überfluß. Die Vogelwelt ſcheint ausgeſtorben. Hie und da krabbelt ein Käfer oder eine Schnecke geht gemächlich ihren Weg. Fleißige Ameiſen eilen ihre Laſten tragend hurtig dahin. In der Ferne hört man das Dröhnen der Axt. Krachend fallen die Baumſtämme. Rieſenſtämme liegen umher. Sie wandern durch Fuhrwerke hinab ins Tal, um den Menſchen zu nützen. Vielleicht dienen ſie als Maſtbäume für die Schiffe des Meeres, vielleicht dienen ſie zu Telegraphenſtangen, vielleicht auch liefern ſie das Holz zur Wiege oder zum Sarg.
Wildromantiſch ſtauen ſich Steinblöcke auf Steinblöcke dem Abpgrund zu. Sachte höherſteigend, erreichen wir den überskopf bis zur Höhe von 943 Meter. Nachdem wir den Höhenweg Baſel⸗ Pforzheim gekreuzt haben, gelangen wir in eine See⸗Ebene, die teils durch Moorboden führt. Abwärts führt nun unſer Weg. Baumſtämme und immer wieder Baumſtämme von der fleißigen Hand des Holzfällers geſchlagen, lagern ſich zu beiden Seiten des Weges. Der Wind fegt durch die Baumkronen. Durch die Bäume ſchimmert Waſſer. Wir haben nach zweiundeinhalbſtündiger Wan⸗ derung den Glaswaldſee erreicht. Ringsum von Felſen einge⸗ ſchloſſen ruht der See. Mächtige, kerzengrade Tannen erheben ſich auf dem Felſengrund und ſpiegeln ſich im Waſſer wieder. Tief⸗ ſchwarzes Waſſer, unergründlich der See. Durch die Kronen der Bäume geht ein leiſes Rauſchen und Flüſtern. Altehrwürdige Tannen,. wie lange möget ihr da wurzeln? Ein Sonnenſtrahl huſcht über das Waſſer und heller ſcheint der Seeſpiegel. Weder Menſchen⸗ noch Tierlaut unterbricht die Stille. Libellen tummeln ſich über dem See und jagen ſich auf⸗ und abſchwebend im Sonnen⸗
Wein Sanfter Wind erhebt ſich und kräuſelt die Wellen. Was Gunder, daß die Phantaſie des Volkes Spukgeſtalten an ſolch einſamen Orten aufleben läßt.
Der Glaswaldſee hat eine Tiefe von ungefähr 80 Meter. Lebende Weſen können durch die Beſchaffenheit des Waſſers nicht darin leben. Urſprünglich diente der See zur Flözung des Holzes. Als die Wege noch unwirtbar waren, beförderte man mittels Stauung des Waſſers das Holz vom Glaswald durch den Seebach ins Wolfachtal, um es von da dem Weltmarkt zuzuführen.
An ſchönen Sommertagen wandern Kurgäſte des Schwarz⸗ waldes von nah und fern nach den Ufern des Glaswaldſees, um die eigenartigen Naturſchönheiten zu genießen.
Schach⸗Ecke Die Schachecke wird bearbeitet von J. Bruchhäuſer, Frankfurt a. M., Waldſchmidtſtraße 29, wohin auch alle Zuſchriften und Löſungen zu ſenden ſind.
Wie löſe ich einen Dreizüger? (5. Fortsetzung und Schluß)
Wie ich schon in der letzten Fortsetzung betonte, fallen in das weite Gebiet der Kombinationsaufgaben verschiedene, allen Lesern schon bekannte Schach- motive(Ablenkung, Schachprovokation, Bauernumwandlung, römische Hin- lenkung u. a. m.). In dieser Artikelserie will ich wahllos einzelne solcher Gruppen herausgreifen. Erschöpfend zu sein, ist in diesem Rahmen unmöglich. Die Pante gebrachte Aufgabe gehörte in das Gebiet der Ablenkungen. Heute wollen wir eine Aufgabe behandeln, die die Schachgefahr, verbunden mit einem anderen Motive, der Fesselung, zeigt.
Aufgabe Nr. 112. W. Roscher, Dresden. Arbeiter-Schach-Zeitung Juli 1924. Nr. 1055.
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nEE Matt in 3 Zügen.
Stellung: Weiß: Khö; Db7; Lfl, hs; Sa6; Bcꝰ, es, f2. Schwarz: Kfö; Ta5, Td5; Bb6, d6, f3, g4.(8:7).
Schon beim ersten Betrachten der Stellung sehen wir, daß Weiß in einer verflixten Zwickmühle steckt. Der schwarze König droht mit einem kräftigen „Schach“ abzuziehen und dem schwarzen Turm stände dann der Weg zu weiteren Schachgeboten offen. Man braucht kein Kenner zu sein, um zu sehen, daß dies auf jeden Fall vermieden werden muß. Was ist zu tun? Das einfachste ist natürlich, man zieht den weißen König aus der Gefahr. Also 1. Kh6! Damit ist aber absolut nichts für die Forderung getan, die da lautet:„Matt in 3 Zügen!“ Jetzt zieht nämlich Schwarz Kfö— eé und es gibt keine Fortsetzung. Jetzt haben auch die Türme wieder recht viel Bewegungsfreiheit. Also leuchtet, es wohl ein, daß mit Königszügen nichts geschaffen werden kann, denn auf 1. Kh4 würde dasselbe folgen.
Wie ist aber diese Gefahr zu parieren? Jetzt gibt es nur noch einen Weg: die Türme müssen unschädlich gemacht werden. In dieser Aufgabe ist das nur auf eine Art möglich, durch Fesselung, oder richtiger: durch Fesselung auf Vorschuß. Der Schlüsselzug ist 1. Lfl— c4. Geht jetzt der schwarze König nach e6 mit„Schach“, so besteht keine Gefahr mehr, denn der weiße König rückt ab, und zwar nach gé. Das Matt im nächsten Zuge ist undenkbar(Dfr matt), denn der Td5 ist jetzt gefesselt. Folgt das Abzugsschach durch Kfö— e4, 80 schlägt Weiß im zweiten Zuge den Bg4. Wieder ist der Turm d gefesselt und es kann 3. Ld matt folgen.
Wie schon angedeutet, spricht man hier von Fesselung auf Vorschuß. Die genaue Definition des dieser Aufgabe zugrunde liegenden Gedankens würde lauten: Eine doppelte Schachgefahr wird durch Doppelfesselung pariert.— Die Aufgabe stellt diese Gedanken sehr schön dar; wenn die Lösung nicht dabei-
stände, würde sie wohl auch für manchen eine harte Nuß bedeuten.
Spielabende des Arbeiter⸗Schachklubs Frankfurt a. M.
Abt. 1 Cnnenstadt): Montag, Hotel„König von England“, Battonnstr. 683 Abt. 2(Riederwald): Donnerstag bei Blank.
Abt. 3(Bockenheim): Mittwoch,„Zum Freischütz“, Leipziger Straße 64. Abt. 4(Bahnhofsviertel): Donnerstag,„Regenbogen“, Gutleutstraße,
Abt. 5(Nordend): Freitag bei Walter, Weberstraße 84.
Abt. 6(Rödelheim): Dienstag bei Geyer, Eschborner Landstraße.
Abt. 7(Bornheim): Mittwoch bei Pauly, Germaniastraße 49.
Abt. 8(Niederrad): Samstag, Sportplatz der Ereien Turner, Hahnstraße.
Abt. 9(Sachsenhausen): Dienstag bei Adrian, Affentorplatz. Abt. 10(Gallusviertel): Mittwoch bei Israei, Franken-Allee 234.
Für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint.


