aber die Berechnungen ergeben, daß dieſe bei weitem nicht den Wärmeausfall decken kann..
Dennoch verſichern uns die Phyſiker, daß die Sonne noch Millionen von Jahren auf ihrer jegigen Temperatur, die an ihrer Oberfläche 6000 Grad Celſius beträgt, beharren könne; denn die Zuſamm Enre ungsarbeit, die der Sonnen⸗ körper unter dem Zwang der Schwerkraft verrichtes, genüge allein, den ganzen Wärmeausfall zu erſetzen durch die dabei in Wärme umgeſetzte Energie.
Aber wir müſſen bei Berechnungen der Lebensdauer von Weltkörpern lernen, mit ſehr langen Zeitläufen zu operieren. Und ſo müſſen wir denn nun weiter fragen: Was wird aber dann
eſchehen, wenn nach jenen uns verſprochenen Millionen von Fahren gleichmäßiger Sonnenausſtrahlung die Zuſammen⸗ ſiehjungzorbeit der Sonne langſamer wird, da ihr Rieſenkörper ann auf eine Dichte zuſammengepreßt iſt, die ruhigere Verhält⸗ niſſe bedingt; und da ſie zugleich inzwiſchen an Umfang ſoviel verloren hat, daß ſie dem Einfluß der Weltraumkälte mehr unter⸗ liegt, ſo daß ſich unter dieſem Einfluß die Fleckenmaſſen auf ihrer Oberfläche vergrößern, die ſchon jetzt bei ihrem Maximum die Erdtemperatur um 1 Grad im Mittel herunterdrücken— ja, was wird dann auf unſerer Erde eintreten?
Wenn nicht ſchon vorher aus anderen Gründen eine Wieder⸗ kehr der Eiszeit erſchien, ſo kommt ſie dann ſicher: die Gletſcher ſteigen wie einſt von den hohen Gebirgen, die jetzt ihre Heimat ſind, herab ins Tal, von den Fjelden Skandinaviens, den hohen Schneekuppen ſeiner Berge, ſchieben ſie ſich weſtwärts in die früher ſchon ausgekarrten Päſſe der Fjorde hinein in den Atlan⸗ tiſchen Ozean, ſüdwärts über die Oſtſee, über die Nordſee und Norddeutſchland herüber— bis dahin, wo ihnen in Süddeutſch⸗ land die Alpengletſcher entgegenkommen und die beiden Eisrieſen
ch brüderlich die Hände reichen werden. Auf dieſe Eiszeit wird ann keine„Zwiſchenzeit“ mehr folgen, ſondern der Kältetod wird auf der Erde fortſchreiten, bis er von den beiden Polen her auch über die jetzige heiße Zone ſeinen vernichtenden Atem ge⸗ blaſen hat. Der Luftmantel wird ſeine ſchützende Fähigkeit ver⸗ lieren, denn ſeine Beſtandteile werden ſich teils in den Raum verflüchtigen, teils auf die Erde niederſchlagen— und doppelt ſchnell wird dann die furchtbare Kälte des Weltraums die ver⸗ eiſte Erde anfallen wie ein wütendes Raubtier und das letzte organiſche Leben auf ihr töten.
Das iſt das natürliche Schickſal der Erde.
Aber es kann ſein, daß dieſe natürliche Entwicklung vorzeitig abgebrochen wird. Und wir wollen nun noch die Möglichkeiten ſolchen„unnatürlichen“ Endes unterſuchen und alſo fragen: In welcher Form können wir uns einen Untergang der Erde durch den Zuſammenſtoß mit einem anderen Weltkörper, alſo einen Untergang in Glut, denken?
und ſie endlich als zweiten, dritten, v
ſammengepreßte Luft wirkt als Puffer und mindert ſchon in be⸗ trächtlicher Höhe über dem Erdboden die Wucht des Falles. Daher brauchen wir auch ein etwaiges Zuſammentreffen mit einem Kometen nicht zu fürchten: er beſteht aus dieſen ſelben leichten Maſſeteilchen des Weltenbauſtoffs und kann der Erde keinen Untergang bringen. Von den anderen Weltkörpern des weiten Alls aber, den Fixſternen, ſamt ihren dunklen Be⸗ gleitern, wiſſen wir, daß unendliche Räume uns von ihnen trennen; von Sternen, die Hunderte und Tauſende von Licht⸗ jahren entfernt ſind, kann uns die Gefahr eines Zuſammenſtoßes nicht drohen.
Aber ſind nicht in unſerm eigenen Sonnenſyſtem ſolche Ge⸗ fahren da? Bietet uns nicht der ſogenannte rote Fleck auf der Oberfläche des großen Jupiter das drohende Zeichen einer ſolchen Kataſtrophenmöglichkeit?
Im Jahre 1878 entſtand plötzlich dieſe große blutige Wunde am Körper des Jupiter, unſeres Bruderplaneten; und ſie hat ſich in den faſt 50 Jahren ſeither noch nicht wieder Heichlohen. Sie iſt ſo groß, daß 2—3 Kugeln von der Größe unſerer Erde nebenein⸗ ander hineintauchen könnten. Die Forſcher ſind der Anſicht, daß ſie nur durch den Auſſturz eines kleineren Weltkörpers entſtanden ſein könne; und ſie ſind auch nicht in Verlegenheit, woher dieſer Weltkörper gekommen ſein mag: wandern nicht zwiſchen Mars und Jupiter jene faſt 2000 kleinen und kleinſten Planeten, dieſe erſtaunliche Schar von Kinderſternchen mit Durchmeſſer von oft nur einigen Kilometern, die der Anziehungskraft des großen Ju⸗ piter von der einen, der des Mars von der anderen Seite aus⸗
geſetzt ſind? Wie naheliegend iſt es zu denken, daß Jupiter mit
dem langen Arm ſeiner Anziehungskraft hineingegriffen hat in das Gewimmel dieſer Schar, die ſich ſcheu von ihm wegdrückt. Er hat vielleicht ſo ein Sternchen, das ſich nicht weit genug entfernt hielt, zu ſich herangeriſſen und es ſich einverleibt, wobei ſein rot⸗ glühendes Innere herausgequollen iſt.
Dem Rieſenplaneten Jupiter, deſſen Kauminchalt erſt 1330 Erdkugeln zu füllen vermöchten, hat dieſer Aufſturz nur die lokale Wunde beigebracht— was aber hätte ein ſolcher Aufſturz für die viel kleinere Erde bedeutet? Ich vermute, es wäre im Jahre 1878 ein Untergang der Erde geworden!
Nun jind ja, ſo tröſten wir uns, die 2000 Aſteroiden von uns weiter entfernt: ſie lagfen ihre Bahnen zwiſchen Mars und Ju⸗ piter, und daher ſind zunächſt dieſe zwei Planeten von ſolchen Aufſtürzen bedroht. 1
Aber da haben die Sternforſcher kürzlich zufällig eins von dieſen Sternchen entdeckt, das auf ſeiner Bahn auch diesſeits der Marsbahn herüber der Erde nahekommt, ſo daß es der uns nächſte Himmelskörper iſt, abgeſehen vom Monde. Eros heißt das Sternchen. Und die Forſcher nehmen an, daß es unter den Aſteroiden noch mehrere geben könne, die ſich in ähnlicher Weiſe der Erdbahn nähern. Die Entdeckung dieſer Liliputanerwelten. aber kann nur durch Zufall geſchehen, wenn ſie einmal unver⸗ ſehens auf einer photographiſchen Platte eingefangen werden.
Das iſt nun ja eine unheimliche Vorſtellung für uns Erden⸗ bürger, daß da zwiſchen Erde und Mars allerlei dunkle Welt⸗ körperchen herumfliegen mögen, die vielleicht, durch die An⸗ ziehungskraft der Erde beeinflußt, dieſer immer näher kommen
ierten Mond umwandeln,
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Die Mutter und der Sozialismus Von Dr. Gustav Hollmann(Hannover) Ein hervorragender Forſcher Der vorgeſchichtlichen und erſten J
geſchichtlichen Zeit war J. achofen. Lange wurden ſeine Werke nur ungenügend gewürdigt. Erſt heute bringt man ſeinem Schaffen beſonders Intereſſe entgegen, und die Schriften häuſen ſich. die ſich mit ihm und ſeinen Gedanken beſchäftigen.
Die Bedeutung Bachofenſcher Forſchung wurde von vorn⸗ herein von Auguſt Bebel erkannt. In ſeinem Buche„Die Frau und der Sozialismus“ hat Bebel neben den Arbeiten von Morgan die Ergebniſſe Bachofenſcher Unterſuchungen zugrunde gelegt. Auch Engels hatte ſich mit der politiſchen und ökonomiſchen Seite des Problems beſchäftigt. Es handelt ſich hierbei um die Tatſache, daß in früherer Zeit einmal das Mutterrecht beſtimmend ge⸗ weſen iſt, daß ijene Perioden der Wildheit und erſten Kultur durch die Stellung der Frau ihre eigenen geſchlechtlichen und geſell⸗ ſchaftlichen Beziehungen hatten, die von unſeren heutigen Zu⸗ ſtänden weſentlich verſchieden ſind.
Die Frau nahm eine beherrſchende Stellung ein. Sie ſpielte die Rolle, die ſpäter der Mann hatte, und ſie machte darum das Nenht dieſer primitiven Geſellſchaftsordnung zu einem Mutter⸗ rechte.
Es iſt lehrreich, zu erkennen, wie dieſes anders geartete Recht auch eine anders geartete Ethik zur Folge hatte. Ethik ohne die gelellſchaftliche Geſtaltung der Verhältniſſe bleibt Theorie. Prak⸗ tiſche Ethik ſetzt ethiſche Verhältniſſe voraus, und iſt dieſes prak⸗ tiſche Leben auf ethiſche Gedanken eingeſtellt, dann iſt es ethiſch, auch ohne daß Ethik gelehrt wird.
Jene Zeiten des Mutterrechts ſind uns ein ſehr inter⸗ eſſantes Beiſpiel hierfür. Da wurde Ethik nicht lehrend beige⸗
bracht. Da gab es keine Schule, keinen Unterricht, auch keine häus⸗
liche Erziehung. Da gab es nur eine in hohem Maße ethiſche Ge⸗
ſtaltung des Lebens im Mutterrecht, und als Folge finden wir eine geſellſchaftliche Sittlichkeit, die oft überraſchend iſt. Das Muttertum, das die Geſellſchaft beherrſcht, iſt es, das„inmitten eines gewalterfüllten Lebens als das göttliche Prinzip der Liebe, der Einigung, des Friedens wirkſam wird“, ſagt Bachofen hierzu. „In der Pflege der Leibesfrucht lernt das Weib früher als der Mann ſeine liebende Sorge über die Grenzen des eigenen Ich auf andere Weſen erſtrecken und alle Erfindungsgabe, die ſein Geiſt beſitzt, auf die Erhaltung und Verſchönerung des fremden Daſeins richten“.
So nannte der Kreter das Land ſeiner Heimat denn auch Mutterland, und es war die höchſte Pflicht, der Mutter beizu⸗ ſtehen, ſie zu ſchützen, ſie zu rächen, weil ſie als das Urweſen alles Lebens galt.
„Aus dem gebärenden Muttertum“, ſagt Bachofen hierzu weiter,„ſtammt die allgemeine Brüderlichkeit aller Menſchen, deren Bewußtſein und Anerkennung mit der Ausbildung des Vaterrechts untergeht.“—
So wird den Staaten mit mutterrechtlicher Geſellſchafts⸗ ordnung denn auch tatſächlich das Fehlen von innerer Zwietracht und die Abneigung gegen Unfrieden nachgerühmt, und die körper⸗ liche Schädigung von Mitmenſchen galt gar als ſtrafbar. Ja, ſogar die Schädigung, die der Menſch den Tieren zufügte, galt
als frevelhaft. Und aus dieſem mütterlichen Urgedanken des
Schenkens an die Welt heraus war es möglich, daß die Römer⸗ innen nicht für die eigenen, ſondern für die Kinder der Schweſter zu der großen, gemeinſamen Mutter flehten, aus der alles Mütterliche wieder geworden war.
Damit finden wir, worauf ſchon Bachofen hinwies, bei den mutterrechtlichen Völkern im Grundzuge überall ein gewiſſes Prinzip allgemeiner Freiheit und Gleichheit, das dann durch die Entſtehung des Machtgedankens im Baterrechte eine Wandlung und Entſtellung erfuhr..
„An dieſes Urprinziy der Menſchheit nun knüpft der ſoziali⸗ ſtiſche Gedanke an, wenn er die neue Geſellſchaftsordnung auf den


