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Volk-Kunst-Wissen / für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint
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Geſtalt, 1 4 kluges, gebräuntes Geſicht. Ein Syrier, nein, ein

iſt für

Was glänzt, en Augenblick gebore

Der Miſſionar und die Deuſen

Von Hermynia Zur Mühlen Nachdruck verboten

Es war vor vielen Jahren in Damaskus. Wir ſaßen in der Halle des Hotels, in den Augen noch die Schönheit der wunder⸗ vollen Stadt und in den Ohren den Ruf des Muezzins zum Abendgebet.

Pferdegetrampel vor dem Eingang. Durch den Eingang ſahen wir, daß ein Mann, der einen ſchwarzen Burnus trug, aus einem grabiſchen Sattel ſprang und ſeinem benfanl⸗ berittenen Diener die Zügel reichte. Dann betrat er die Halle. Eine auffallende fein geſchnittenes, uropäer.

Uns erblickend, kam er an unſeren Tiſch, ſtellte ſich vor, nannte einen alten, bekannten franzöſiſchen Namen und fragte im reinſten Pariſer Franzöſiſch, ob er ſich an unſeren Tiſch ſetzen dürfe.

ir kamen ins Geſpräch..

Ich bin Miſſionar bei den Druſen, Jeſuitenpater, erklärte er.

Haben Sie ſchon viele bekehrt?.

Druſen? Der Jeſuitenpater machte ein empörtes Geſicht. Ein anſtändiger Druſe läßt ſich nicht bekehren. Käme einer zu mir, um ſich taufen zu laſſen, ich wüßte ſofort, daß er ein Gauner ſei, ein Betrüger.

Und nun taute der ſeltſame Jeſuitenpater auf. Für ihn gab 25 rſcheinend nur einen einzigen vollwertigen Volksſtamm: die

ruſen.

Ich lebe nun ſchon ſeit fünfzehn Jahren unter ihnen; be⸗ handle ihre Kranken. Glauben Sie etwa, es ſei je einer gekommen, der ſich bekehren laſſen wollte? Kein einziger. Es ſind wirklich anſtändige Menſchen. Sie warten auf die Wiederkehr des Kalifen il Hakim b' Amrallah, der einſt die Erde beherrſchen wird. Mein Diener hat mir verſprochen, daß er mich an jenem glückſeligen Tage zu ſeinem Diener machen und mich gut behandeln werde, din a bin zwar ein Ungläubiger, aber dennoch ein anſtändiger Menſch.

6 Wer alte Mann ſagte die letzten Worte mit einem gewiſſen tolz.

Als die Rede auf Europa kam. verzog er das Geſicht.

Ich war vor einem Jahr in Paris. Hielt es dort nur vier⸗ zehn Tage aus. Ich mag die Europäer nicht, mag auch die Franzoſen nicht, vor allem aber ein ſpöttiſches Lächeln erſchien auf dem ſchönen, alten Geſicht,mag ich die Chriſten nicht. Nein, nein, ich will bei meinen Druſen leben und ſterben. Die betrügen nicht, die begaunern nicht, ſchlagen höchſtens einmal einen tot und der hat es dann auch immer verdient.

Wir ſaßen lange beiſammen. Am nächſten Morgen ritt der Jeſuitenpater zurück, in ſein Dorf auf dem Libanon. ſch Seithet ſind viele Jahre vergangen, der alte Mann iſt gewiß

on tot.

Ich hoffe insgeheim, daß dieſer Jeſuit nicht in den Chriſten⸗ himmel gekommen iſt, ſondern in die ſeligen Gefilde der Druſen, die er ſo ſehr liebte und achtete, weil ſie ſich von ihm nicht be⸗ kehren ließen.

hochgewachſen, graues Haar, ein

Wie kann die Erde einmal untergehen?

Von A. Peters

Wie im Leben der Einzelgeſchöpfe auf unſerem Erdplaneten, ſo geht es auch mit dem Leben dieſes Planeten ſelbſt; denn die verändernden Kräfte, deren allmähliche und kataſtrophalen Wirkungen unſerer Erde ihre jetzige Geſtalt geſchaffen haben, wirken ja fort: vor allem die Anziehungskraft; dazu als umbildende Faktoren Kälte und Wärme. Immer noch zieht ſich der Erdball unter der Einwirkung der Anziehungskraft zu⸗ ſammen: ſeine Maſſe wird feſter, ſein Umfang kleiner, die Schollen ſeiner Rinde werden verlagert: Land türmt ſich auf zu Bergen, Land ſinkt langſam ins Meer. Noch immer brechen unſere Gebirge oben ab durch Verwitterung als Folge von Wärme⸗ und Kälte⸗ einflüſſen(außer den chemiſchen!); noch immer ſchleppen die Ge⸗

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das Echte bleibt der Nachwelt unverloren

wäſſer ihren Schutt ins Tal, der Schwerkraft gehorchend.. lauter langſame, aber ſtetige Veränderungen des Erdantlitzes, die in Jahrtauſenden und Jahrhunderttauſenden Bedeutung ge⸗ winnen.

Und ebenſo finden noch immer kataſtrophale Veränderungen ſtatt: Erdbeben, Vulkanausbrüche, Sturmfluten und Überſchwem⸗ mungen, Bergrutſche uſw., ſo daß man auch jetzt dem alten Sänger Recht geben muß:Ach, wie gar nichts ſind alle Menſchen, die doch ſo ſicher leben! Und beunruhigend klingt die Frage auf: Wird es dem Menſchengeſchlecht vergönnt ſein, zu immer höheren Entwicklungsſtufen auszugreifen, oder iſt ihm ein vorzeitiger Untergang beſtimmt?

Es ergibt ſich hieraus, daß wir einen zweifachen Gang

des Geſchehens ins Auge faſſen müſſen: erſtens den natürlichen

Gang bis zum Ende, zweitens die Möglichkeit von Kataſtrophen; und zwar droht der Erde(und in erſter Linie dem Menſchen⸗ geſchlecht auf ihr!) ein natürliches Ende durch Kälte, ein kataſtrophales aber durch Glut denn dieſe zwei rieſen⸗ hoften Gewalten führen den Kampf, der ſowohl Leben wie Tod ringt.

Die Kälte des Weltraums, in dem die großen Kugeln ſchwe⸗ ben, beträgt 273 Grad. Das iſt eine phyſikaliſch⸗mathematiſch errechnete Zahl, der ſogenannte abſolute Nullpunkt; ſie läßt ſich

aber auch wenigſtens annähernd praktiſch nachprüfen, indem man

die Temperaturabnahme in der Luft mit der ſteigenden Ent⸗ fernung vom Erdboden mißt: bei 10 Kilometer Höhe ſinkt das Thermometer auf 60 Grad, bei 19 Kilometer Höhe auf 81 Grad, und aus dieſer ſtufenweiſen Abnahme, die durch Flugzeug und Verſuchsballon feſtgeſtellt wurde, läßt ſich auf die Tempe⸗ ratur an der Grenze unſerer Lufthülle ſchließen. Gegen dieſe ſcharfe Kälte, der die eine Hälfte der Erde, ihre Nachtſeite, ſtets ausgeſetzt iſt, ſchützt uns nur ihre Lufthülle, die in ihrer Zu⸗ ſammenſetzung wie ein rechter dicker Wintermantel 300 Kilo⸗ meter dick! wirkt und die empfangene Sonnenwärme auch nachts dem Erdkörper erhält.

Unſere Zukunftsſorge bezüglich der Kälte muß ſich daher in den zwei Fragen ausdrücken: 1. Bleibt unſer Luftmantel ſo wirkfam? 2. Iſt uns die ſtete Wärmeſendung von der Sonne ſicher? Bezüglich des erſten Punktes wollen uns die Phyſiker wenigſtens für die nächſten 10 000 oder 100 000 Jahre beruhigen; ſie ſagen nämlich: die beiden Stoffe in der Luft, die für die Warmhaltung der Erdoberfläche vorwiegend in Betracht kommen, Kohlenſäure und Waſſerdampf, ſind im Zunehmen begriffen. Für die Produktion der Kohlenſäure ſorgen beſonders die vul⸗ kaniſchen Ausbrüche, die ſich in den letzten Zeiten gehäuft haben, außerdem die ſtarke Zunahme der Kohlenverbrennung rund um die Erde; ebenſo ſteigt in der Folge die Waſſerverdampfung auf dem ſo geſchützten Erdboden, die ihrerſeits durch Wolkenbildung die Luft noch mehr verdichtet eine Tatſache, die uns in der Witterung dieſes Sommers anſchaulich Kenug vor Augen trat. Es ſteht alſo zu hoffen, daß das Klima der ganzen Erde ſich unter dieſen Wirkungen hinauf⸗ ſchraubt zu der feuchten Treibhaustemperatur des Steinkohlen⸗ zeitalters, oder zum Tropenklima der Tertiärzeit!

Aber nun zweitens: wird die Wärmeſendung der Sonne nicht endlich abnehmen? Strahlt ſie doch unaufhörlich rund um ſich her eine unfaßbare Glutmenge in den Raum hinaus das, was unſere kleine Erde davon auffängt, iſt ja nur der 2700millionſte Teil des ganzen verſchwendeten Reichtums! Muß denn nicht end⸗ lich eine ſolche Verſchwendung die Glut⸗ und Leuchtkraft der Sonne erſchöpfen?

Die Forſcher haben darauf hingewieſen, daß die Sonne ſich Heizmaterial zu verſchaffen weiß: ihre überragende Größe und Maſſe und die darin begründete Stärke ihrer Anziehungs⸗ kraft ſichert ihr in unſerm Sonnenſyſtem einen weiten Macht⸗ bereich, innerhalb deſſen ſie alles an ſich reißt, was ſich da an Brennſtoff herumtreibt: alles das, was in kleinerem Maße auch unſere Erde auffängt anWeltſpänen, an Trümmermaſſen, und was wir als Sternſchnuppen glühend unſere Luft durchziehen oder als Meteoriten mit ſchmelzflüſſiger Kruſte auf den Erdboden gelangen ſehen. Alle dieſe Zufuhr fremden Stoffes, der in die Arme der Sonne fliegt, ſchafft beim Aufſturz immer neue Glutz

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