größter Regelmäßigkeit notiert worden iſt, noch bei Hunderten, ja, ſchon bei Tauſenden von anderen Sternen beobachtet und gibt die Grundlage zu der überzeugung, daß unſichtbare, dunkle Weltkörper ſich in unſerer Blickrichtung jeweils vor den ſelbſt⸗ leuchtenden Stern ſchieben und ihn für unſer Auge mehr oder weniger verdecken.. Ja, dieſe dunklen Weltkörper, die ihr Daſein nur auf dieſe Weiſe(unter Umſtänden freilich auch noch durch Anziehungs⸗ wirkungen!) bekunden können, die ſind eine Vorſtellung, die uns in ganz beſonderem Maße anregen muß! Durch ſie erſt wird uns das Weltall vollſtändig. Auch um jene fernen Sonnen des Fir⸗ ſternhimmels, der Milchſtraße kreiſen Planeten, viele gewiß be⸗ günſtigter als unſer kleiner Erdball, die in irgend einer Periode ihrer Entwicklung befähigt ſind, organiſches Leben zu tragen! In dieſem Gedankengange wird unſere Erde, wie Flammarion es ausdrückt,„zu einer Provinz des Univerſums, und unſere Vor⸗ ſtellung bevölkert andere Vaterländer mit unbekannten Brüdern“.
Möchte doch die Menſchheit jetzt merken, welche hohe Werte, welche Lebenseinſicht und ⸗überſicht, welche Weltanſchauungs⸗ ſtützen uns die Sternkunde bietet und ſich nicht immer noch be⸗ tören laſſen von den überredungen alten Aberglaubens! Mehr Sternkundel„Die die Fackeln tragen, ſollen ſie einer dem anderen weitergeben!“(Plato.)
Die Stellung der Frau zur Todesſtrafe
Von Friedel Schneider
Das neue Reichsſtrafgeſetzbuch, deſſen Entwurf ſchon dem Reichstag und Reichsrat vorliegt, erfordert auch von der Frau eine klare Stellungnahme. Beſonders die vorgeſehene Beibe⸗ haltung der Todesſtrafe iſt geradezu eine Schickſalsfrage für unſer ganzes Volk. Daß die Todesſtrafe entbehrt werden kann, ohne daß die Sicherheit der menſchlichen Geſellſchaft bedroht wird, beweiſen z. B. die 15 Kantone in der Schweiz, in denen man die Todes⸗ ſtrafe ſchon früher abgeſchafft hat, gegenüber den 10 anderen Kantonen, in denen die Todesſtrafe bisher noch beſtand und erſt in allerjüngſter Zeit ebenfalls beſeitigt worden iſt. Auch in Belgien. wo man ſeit 1863, in Portugal, wo man ſeit 1867, in Holland, wo man ſeit 1870, in Finnland, wo man ſeit 1894, in Norwegen, wo man ſeit 1905, und in öſterreich, wo man ſeit 1919 die Todesſtrafe abgeſchafft hat, beſteht für die Menſchheit keines⸗ wegs eine größere Gefahr als in Ländern, in denen die Todes⸗ ſtrafe noch geſetzlich gefordert wird. Man kann die Geſellſchaft erforderlichenfalls durch Internierung von Verbrechern ſchützen und erhält dabei noch die Möglichkeit, ſelbſt einen Mörder durch erziehliche Maßnahmen zu einem nützlichen Gliede der menſch⸗ lichen Geſellſchaft zu machen. Obendrein ſollte ſchon die Möglich⸗ keit eines Juſtizirrtums von vornherein die nicht wieder gut zu muchende Tötung eines Menſchen aus dem Strafgeſetzbuch aus⸗
alten.
Die Vergeltungstheorie vollends ſteht mit der Ethik ſowohl des Sozialismus als auch des Chriſtentums im ſchroffſten Wider⸗ ſpruche. Sind es nicht überhaupt in den allermeiſten Fällen die ſozialen Mängel und Fehler der menſchlichen Geſellſchaft, die einen Menſchen erſt zum Verbrecher werden laſſen? Trägt nicht die menſchliche Geſellſchaft ſelbſt die größte Schuld daran, wenn einer aus ihrer Mitte in die Verbrecherlaufbahn und ſogar zu einem Morde gedrängt wird? Iſt es nicht eine weitere Schuld unſerer heutigen Geſellſchaftsordnung und der ſozialen Gemein⸗ ſchaft, wenn ſie ſich eines unglücklichen Menſchen durch Hinrichtung
entledigen will, anſtatt ihn durch alle verfügbaren Mittel der
Erziehung von ſeinem verbrecheriſchen Triebe zu befreien? über⸗ dies findet man auch gerade unter Mördern häufiger Menſchen, die noch nicht vorbeſtraft ſind, als berufs⸗ und gewohnheitsmäßige Verbrecher. Die zunehmende Kriminalität fordert zu ernſtem Be⸗ ſinnen auf. Unſere heutige Geſellſchaftsordnung entſpricht keiner ſozialen Gemeinſchaft, ſondern ſie zeitigt immer mehr Anſätze zu Macht⸗ und Gewaltherrſchaft. Die Schuld der Geſellſchaft wächſt, je mehr Recht ſie ſich auf das Leben des einzelnen anmaßt.
Einzig und allein durch Erziehung zu einem aus Erkenntnis handelnden Menſchen und durch Selbſtüberwindung kann ein ſitt⸗ lich freier Menſch wachſen. Von dieſer Erkenntnis iſt aber die heutige Erziehung noch weit entfernt, und die große Maſſe des Volkes, vor allen Dingen auch die Frau, lebt noch in einer ſo er⸗ ſtaunlichen Unkenntnis vom Weſen der Strafe, daß man am ſozia⸗ len Gefühl der Menſchen unſerer Zeit faſt verzweifeln möchte. Bereits vor fünfzig Jahren war in Anhalt, Bremen und Olden⸗ burg die Todesſtrafe abgeſchafft, und nur durch Bismarcks Drohung, daß der Bundesrat die ganze Strafgeſetzvorlage zu Fall bringen würde, wenn im Deutſchen Reichstag auf die Todesſtrafe verzichtet werden würde, kam ſeinerzeit im Reichstag eine Mehr⸗ heit von ganzens Stimmen für die Todesſtrafe zuſtande. Damit war der Reichseinheit ein ſchweres Opfer gebracht worden, das zu einer unermeßlichen Schuld geworden iſt.
Es gibt zwei Arten von Schuld: die des Verbrechers, der
einem Triebe folgt, den er nicht in ſein Bewußtſein zu heben
d
vermag, und die der ſozialen Gemeinſchaft, der menſchlichen Ge⸗ ſellſchaft, die es verſäumt, dem einzelnen zur Brüderlichkeit, zu Recht und Freiheit zu verhelfen. überall dort, wo Unrecht ge⸗ ſchieht, müſſen Mittel und Wege gefunden werden, um dem Schul⸗ igen Einſicht in die Bedeutung ſeiner Taten zu verleihen. Schuld
iſt nur durch Erkenntnis zu überwinden. Die Todesſtrafe aber iſt
das ſchädlichſte, das gefährlichſte und das häßlichſte Mittel, um die Schuld auf der Erde unausrottbar zu machen. Hier muß die Frau, die Gebärerin des Menſchen, mit aller Kraft ihre Stimme
erheben, damit die Heiligkeit des Menſchenlebens unangetaſtet
bleibt.
Schach⸗Ecke
Die Schachecke wird bearbeitet von J. Bruchhäuſer, Frankfurt a. M., Waldſchmidtſtraße 29, wohin auch alle Zuſchriften und Löſungen zu ſenden ſind.
Wie löſe ich einen Breizüger? (4. Fortsetzung.)
Wir kommen heute zur zweiten Hauptgruppe der Dreizüger, den Kom: binationsaufgaben. Hier soll gleich eingefügt werden, daß A. Klinke in seinem Vortrag„Uber das Wosen des Schachproblems“(Ostern 1923 zu Berlin) die Dreizüger wie folgt einteilte: 1. Böhmische Schule; 2. Auf⸗ gaben der Taktik; 3. Aufgaben der Strategie. Ich habe dies bei meiner Ein⸗ teilung alles in Erwägung gezogen und bin doch zu dem Schlusse gekommen, daß die von mir angewandte Einteilungsweise(1. Böhmische Schule; 2. Kom⸗ binationsaufgaben; 3. Ideenprobleme) in der Ausdrucksform die bessere ist, In der Hauptsache sind sie einander wohl gleich: Aufgaben der Taktik sind Kombinationsaufgaben(der letztere Ausdruck läßt aber einen weiteren Spiel- raum); Aufgaben der Strategie sind Ideenprobleme. 3
Heute ein Kombinationsproblem zur Hand, also eine Aufgabe mit taktischen Gedanken. Was heißt das? Bei Aufgaben der Taktik wirkt sich
ein Zug sofort im nächsten Gegenzug aus, eine Drohung wird also sofort
pariert. Durch diesen Gegenzug aber wird wieder ein neuer Zug von Weiß ermöglicht usw. Die Hauptsache ist also das sofortige Auswirken jedes Zuges(zum Unterschied vom Ideenproblem); der erste weiße Zug hat demzufolge auf den 3. Zug keine Einwirkung, wohl aber auf den ersten Zug von Schwarz; letzterer wiederum auf den zweiten Zug von Weiß usw-. An einem ganz bekannten Beispiel wollen wir dies ausprobieren: Aufgabe Nr. 111. E. Opitz-Dresden. 1. Preis im I. Turnier der Arbeiter-Schach-Internationale 1925.
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—wer⸗-s-- 5 Matt in 3 Zügen.
Stellung: Weiß: Ka6; Tel; Lel, fö; Scꝰ2, cs; Ba?, d, dd, d6, g7.— Schwarz: Kdö; Th3, h7; Lgs; Sb7, fö; Bb, e3, f3, g4,(11:40.)
Bei genauer Betrachtung obiger Stellung fällt sofort verschiedenes in die Augen. Die beiden Springer könnten z. B. auf es bzw. el mattsetzen, wenn die Bauern dd oder dô gedeckt wären. Versuchen wir, sie zu decken, so werden wir finden, daß dazu nur der Te7 verwendet werden kann. Der Ver- such 1. Te4 scheitert aber an f3-— fe! Jetzt kann der Springer nicht auf es mattsetzen, da der Th dieses Feld deckt. Ebenso ergeht es uns bei dem Versuch 1. Tct; da schlägt der Thi den weißen Bg] und dann ist unsere Kunst zu Ende. Was liegt also näher als die beiden Türme unschädlich zu machen? Ich will die Lösung nach diesen Ausführungen verraten, um an Hand derselben den Gedankengang dieser Aufgabe zu erläutern. 1. Lel—h4! Es droht 2. S⁴α es, KXd.; 3. Lh4axf6 matt. Um diese Drohung zu verhindern, kann Schwarz nun mit einem der beiden Türme den gefährlichen Läufer schlagen. So wird ein Turm allemal abgelenkt und kann deshalb die andere Drohung nicht mehr parieren, z. B. 1. Lh4; Thöxh4; 2. Te7— cd; jetzt ist das S-Matt auf es nicht mehr zu decken, denn der Th ist abgelenkt. Auf der anderen Seite ist es genau dasselbe: 1. Lha! Thi xh4; 2. Tcel— c6, nunmehr ist der andere Turm abgelenkt. Bei dieser Aufgabe ist noch das Schöne, daß die Mattstellungen z. T. rein sind; auch verdienen die stillen Opferzüge eine Hervorhebung.
Warum ist nun diese Aufgabe ein Kombinationsproblem? Der erste weiße. Zug(Lel— h4!) erzwingt die Ablenkung eines Turmes. Letztere wiederum ermôglicht die weiteren Züge von Weiß(Te4 resp. Tet mit der S-Matt-Drohung), also haben wir eine Aufgabe der Taktik vor uns.— Unter die Kombinations- aufgaben fallen natürlich auch noch allerhand andere Gruppen, die wir in den nächsten Fortsetzungen kennen lernen werden.
Spielabende des Arbeiter⸗Schachklubs Frankfurt a. M.
Abt. 1(Innenstadt): Montag, Hotel„König von England“, Battonnstr. 68. Abt. 2(Riederwald): Donnerstag bei Blank.
Abt. 3(Bockenheim): Mittwoch,„Zum Kreischütz“, Leipziger Straße 64. Abt. 4(Bahnhofsviertel): Donnerstag,„Regenbogen“, Gutleutstraße,
Abt. 5(Nordench): Freitag bei Walter, Weberstraße 84.
Abt. 5(Rödeiheim): Dienstag bei Geyer, Eschborner Landstraße.
Abt. 7(Bornheim): Mittwoch bei Pauly, Germaniastraße 49.
Abt. 8(Niederrad): Samstag, Sportplatz der Freien Turner, Hahnstraße. Abt. 9(Sachsenhausen): Dienstag bei Adrian, Affentorplatz.
Abt. 10(Gallusviertel): Mittwoch bei Israel, Franken Allee 234.
Für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint.


