ſchwarzen Majeſtät verheerte und mit den Fluten ein ſchreck⸗ liches Seeungeheuer, dem viele Menſchen zum Opfer fielen. Die ſchöne Fürſtin war erſchrocken und ſchickte Boten zum Tempel des Jupiter Ammon, die den Gott um Rat in dieſer Not fragten. Die Antwort lautete, ſie müſſe ihre Tochter Andromeda dem Angeheuer opfern, dann ſei die Rache der Nereiden und Poſei⸗ dons befriedigt. Das Königspaar entſchloß ſich ſchweren Herzens zu dieſem Opfer, und ſo wurde die arme Prinzeſſin gefeſſelt an den Strand gebracht und ihrem Schickſal überlaſſen. Aber es kam Hilfe. Perſeus, der Halbgott und berühmte Held, kam auf ſeinem Flügelroß, dem Pegaſus, ſtattlich dahergeflogen— er hatte eben ein ſchlimmes Abenteuer glücklich beſtanden: er hatte die Meduſa beſiegt! Das war ein ſchreckliches Weib, das ſtatt der Locken ein Geringel von Nattern um den Kopf trug; ihr Anblick erregte ſolches Entſetzen, daß jeder, der ſie anſah, ſofort zu Stein wurde, weshalb niemand ſie bisher hatte be⸗ ſiegen können. Held Perſeus aber, dem zwei Götter mit gutem Rat beiſtanden: Hermes und Athene, nahm ein Metallſpiegel, den ihm Hermes gegeben und in dem er das Haupt der Meduſa nur undeutlich erblickte; mit dieſem nahte er ihr rückwärts ſchreitend, da ſie ſchlief, indem er den Spiegel vor ſich hielt, und hieb ihr dann mit dem Sichelſchwert, das ihm Athene gegeben, nach rück⸗ wärts ausholend, den furchtbaren Kopf ab, den er ſchnell in eine mitgebrachte Taſche ſteckte und mitnahm. Dieſes Haupt der Meduſe nun hielt er, bei der unglücklichen Andromeda ange⸗ kommen, dem Seeungeheuer entgegen, das ſich voll Schrecken davor zurückzog und ſich nicht mehr blicken ließ; und dann be⸗ freite er die arme Prinzeſſin von ihren Banden(im Frankfurter Palmengarten hat das ein Bildhauer dargeſtellt), nahm ſie mit ſich auf ſeinem Flügelroß und machte ſie zu ſeiner Gemahlin. Alle Perſonen dieſer Sage finden ſich in den benachbarten Sternbildern verewigt; und ſo hatten die alten Völker darin zugleich eine Gedächtnishilfe für einen großen Abſchnitt am Sternenhimmel. Und auch uns kann die Sage dienen, alle dieſe Sterngruppen: Caſſiopeia, Cepheus, Andromeda, Perſeus mit dem Meduſenhaupt und noch den Pegaſus in einem Zuſammen⸗ hange aufzufaſſen und leichter aufzufinden— in ähnlicher Weiſe wie man ſich in einem Stadtteil leicht zurechtfindet, deſſen Straßennamen einen inneren Zuſammenhang haben, vielleicht Dichter, Muſiker, Kriegshelden, Gebirge oder ähnliches bezeichnen. Damit iſt aber auch der ganze Wert angegeben, den dieſe Sternfagen, ſo reizvoll ſie auch dem kindlichen Empfinden ſind und ſo ſehr ſie auch in ihrer heiteren Romantik in das Kindesalter der Menſchheit paßten, dem ſie ihren Urſprung ver⸗ danken, für uns erwachſene Menſchen der Neuzeit haben! Sie haben mit dem Weſen der Sterne, das ja jenen alten Völkern auch gänzlich unbekannt war, garnichts zu tun; ja, ſie ſtören unſere Vorſtellungen davon, indem ſie uns Zuſammenhänge vor⸗ täuſchen, die nicht exiſtieren, denn die einzelnen Weltkörper, die jene ſogenannten Sternbilder zuſammenſetzen, wandeln in Wirk⸗ lichkeit jeder für ſich, durch unendliche Räume getrennt, die
wunderbaren Bahnen, die für jeden beſonders, nach indi⸗ vidueller Geſetzmäßigkeit, vorgezeichnet ſind.. Ganz andere Werte bietet uns die Erfahrung jener
Sternweſen, Werte, von denen freilich die alten Völker nicht einmal etwas ahnen konnten! EE—
Betrachten wir einmal aus all den oben genannten Gruppen das Sternbild der Andromeda im Lichte der neuen Forſchung! Es beſteht in der Hauptſache aus drei Sternen 2. Größe, die ſich in einer Linie ſüdlich vom großen W der Caſſiopeja erſtrecken. Der erſte davon, Alamak, hat ſich in unſeren großen Fernrohren als ein ganz wundervolles Dreigeſtirn offenbart: 3 große Sonnen wandeln da miteinander um einen gemeinſamen Mittelpunkt, 3 Schweſtern, die eine in einem orangefarbenen, die anderé in einem weißen, die dritte in einem blauen Ge⸗ wande! Das könnte wieder wie Sage und Märchen klingen, uaber es iſt ein Tatſachenbefund der Forſchung: der Stern Alamak be⸗ ſteht aus drei farbigen Sonnen. ATle Firſterne, alle Sonnen leuchten in der beſtimmten Farbe ihrer beſonderen Lebensſtufe; ſchon mit bloßem Auge können wir rötliche Sterne am Himmel unterſcheiden, viel mehr aber ſondern ſich die Farben im Fern⸗
rohr. Und wenn nun auch um jene Sonnen des Alamak Pla⸗
neten kreiſen, wie um unſere Sonne(die Sternforſchung nimmt das Daſein dieſer dunklen Begleiter der Fixſterne als er⸗ wieſene Tatſache an!), welches Schauſpiel mögen dann die
etwaigen Bewohner jener Planeten täglich erleben beim Auf⸗
und AUntergang der orangefarbenen, weißen, blauen Sonne! Ferner: dicht über dem zweiten Stern der Andromeda, Mir⸗ rach, ſieht man bei klarem Himmel auch ſchon mit bloßen Augen einen weißlichen Fleck, den ſogenannten Andromedanebel, den auch die alten Sternforſcher ſchon kannten. Auch dies unſcheinbare weißliche Wölkchen hat ſich in den Fernrohren als etwas unbe⸗
ſchreiblich wunderbares enthüllt: es iſt in immer ſchärferen Fern⸗
rohren immer größer und deutlicher geworden und man ſieht es jetzt auf der photographiſchen Platte als ein großes ſpiralig ge⸗ wundenes Lichtgebilde mit einem helleren, feſteren Mittelpunkt. Und da man in den letzten Jahrzehnten gelernt hat, die Ent⸗ fernungen genauer zu berechnen oder doch abzuſchätzen, ſo muß man annehmen, daß dieſer Andromedanebel noch weiter entfernt iſt als die Milchſtraße, die doch wegen ihrer unge⸗ heuren Entfernung nur ſo verſchwommen ſchimmert, obgleich ſie aus lauter Sonnen beſteht— und demnach müßte auch der noch unendlich fernere Andromedanebel aus lauter Sternen be⸗ ſteben, und man kommt zu dem Schluß, daß er ein anderes Milch⸗ ſtraßenſyſtem darſtellen müſſe mit Millionen rreiſender Sonnen!
Merken wir an dieſen beiden Beiſpielen, wieviel mehr unſere heutige Himmelsforſchung uns zu ſagen hat von den Wundern des Sternenhimmels als die Sternmythen der Alten?!
Noch eins wollen wir hinzufügen: der Stern Algol, der den Mittelpunkt im Haupte der Meduſa bildet, zeigt eine Eigen⸗ tümlichkeit, die ſchon ſeit langem das Intereſſe der Beobachter feſſelte: ſein Glanz nimmt in regelmäßigen Zeitabſtänden ab und zu! Da man mit photometriſchen Inſtrumenten genau die Licht⸗ ſtärke jedes Himmelskörpers meſſen kann, ſo ſtellte ſich heraus, aß der Algol 2 Tage lang in der Helligkeit eines Sterns zweiter Größe erſcheint; dann ſinkt er binnen 4 ½ Stunden zu einem Sternchen vierter Größe, um faſt ſofort in der gleichen Zeitdauer, alſo in abermals 4 ½ Stunden, zur Anfangshelligkeit anzuſteigen, die er dann wieder 2 Tage lang feſthält, bis von neuem das Spiel der 9⸗ſtündigen Verdunkelung einſetzt. Dieſer
Sitte anſtändigen Frauen den Zutritt zum Theater. Dem konnte das Schattentheater begegnen. Die Koſten ſind hier gering, die Eintrittspreiſe daher niedrig. Leder, Horn oder ſeltener Papier, das im Gebrauch nicht haltbar iſt, für die Figurinen, die meiſt auf das Künſtleriſchſte ausgeſchnitten und prächtig bemalt ſind, kann man für wenig Geld kaufen, die techniſchen Mittel, Spiel⸗ leinwand und Beleuchtung ſind leicht zu beſchaffen und zwei bis drei Perſonen genügen, um ſelbſt Stücke mit vielen Figuren zu agieren. Dazu iſt das Ganze bequem zu transportieren und man kann damit in jedes Haus kommen, um da eine vergnügliche Anterhaltung zu bieten.
Von China kam das Schattenſpiel durch die Mongolen nach Vorderaſien und von da über Perſien im 17. Jahrhundert nach Europa. Am 21. Auguſt 1686 bittet der„Kurfürſtlich Sächſiſche wirkliche Hofcomoediant“ Johann Veltens den Rat von Frank⸗
furt a. M., ihm zu geſtatten, gleich wie dem Puppenſpiel und Schatten beſchehen, einige Comoedien agieren zu dürfen. Von da an finden wir das Schattenſpiel in Deutſchland häufiger. Recht heimiſch iſt es aber nie geworden, wenn ſich auch Romantiker, wie Arnim, Brentano und ſpäterhin Juſtinus Kerner, ernſtlich darum bemüht und beſondere Stücke dafür ge⸗ ſchrieben haben. Auch die Verſuche der Neuromantiker, wie Ber⸗ nus in München uſw. ſind nicht ins Volk gedrungen. Und doch iſt es ſchade darum, daß es vergeſſen iſt. Es wäre eine ſchöne Auf⸗ gabe, namentlich für die Jugend, den verſchollenen Schatz zu heben, das Schattenſpiel zu pflegen und es auch bei uns zu dem zu machen, was es in ſeiner Heimat, in China. iſt: Zum Volks⸗ theater. H. Grombaéher.
„Hier liegt der Hund begraben
An der Faſſade des Nürnberger Rathauſes ſteht in einer Niſche ein ſteinerner Hund, und die NRürnberger vermuten, daß daher die Redensart kommt:„Hier liegt der Hund begraben.“ Derlei oft undefinierbare Tiere, die vom Volk als Hunde, Löwen,
Katzen uſw. und alten Häuſern. und mitunter iſt der Archäologe überraſcht, einen Löwen eines Hundes zu finden oder den„eingemauerten Hund“ auf dem Grabſtein eines Ritters zu ſehen. In den meiſten Fällen liegt daher der Hund„hier“ nicht begraben. Aber in Thüringen weiß man ganz beſtimmt, daß der Hund in Winterſtein begraben liegt. Da wird erzählt, daß ein Herr von Wagenſtein in Winterſtein einen überaus treuen und klugen Hund hatte, den er, und nach ſeinem Tode ſeine Witwe, zu allerlei Gängen benutzen konnten. Als das kluge Tier ſtarb, wollte es die Frau von Wangenſtein auf dem Gottesacker begraben laſſen, was aber der Pfarrer nicht zuließ. Als aber die Frau der Kirche 100 Taler und dem Pfarrer die Hälfte dieſes Betrages ſtiftete, ließ der Pfarrer mit ſich reden. Die Geſchichte wurde im Lande bekannt. und die Winterſteiner hatten den Spott, daß auf ihrem Kirchhof der Hund begraben liege. Schließlich kam aus Gotha der Befehl, den toten Hund vom Friedhof zu entfernen, worauf er in der alten Schloßruine beigeſetzt wurde. Auf ſeinem Grabſtein ließ Frau von Wangen⸗ ſtein ſein Bild meißeln und folgende echt barocke Inſchrift dar⸗ unterſetzen:
„1650 ward der Hund begraben,
daß ihn nicht ſollen freſſen die Raben, Stutzel war ſein Name genannt.
bei Fürſten und Herren wohlbekannt. Wegen ſeiner Treu und Munterkeit,
ſo er ſeinen Herren und Frauen geweiht. Schickt man ihn hin nach Friederſtein,
lo lief er hurtig ganz allein;
gut hat er ſein Sach eingericht',
drum hat er dieſen Stein gekriegt.“
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