gäſten, die ſich in den ſchützenden Schatten ihrer Strandkörbe zurück⸗ gezogen hatten. Auch Miſter John Percival, ein ſmarter Ameri⸗ kaner, ſaß in ſeinem eleganten Badedreß in ſeinem Strandkorb und blickte gelangweilt vor ſich hin. Ihm war dieſer blaue Himmel mit ſeinem ſengenden Geſtirn zuwider, da die Elite der Badegäſte,
die ſchönen und eleganten Frauen, die Millionärsgattinnen und
⸗töchter die Hitze vermieden. Und ihretwegen war er doch in dieſes faſhionable Seebad gekommen.
Beinahe war er entſchloſſen, ſich ebenfalls ins Hotel zu be⸗ geben, als er ſeinen Kopf ein wenig zur Seite wandte. Seine Augen blickten voll Erſtaunen. Wie hatte ihm das auch entgehen können? Schräg gegenüber ſaß eine junge, reizende Dame, läſſig in den Strandkorb zurückgelehnt; blondes Wuſchelhaar umrahmte das zarte Oval des Geſichtes, in dem ein Paar blaue Augen mit der Farbe des Himmels wetteiferten. Doppelt verwünſchte Pereival dieſe Hitze, die es ihm unmöglich machte, im Waſſer Ge⸗
egenheit zur Bekanntſchaft zu finden. Aber die Natur hatte ein Einſehen und kam ihm zu Hilfe.
Ganz plötzlich ſtrich eine kühle Briſe vom Meere über den glühenden Sand, erhaſchte im Strandkorb ein hauchdünnes Spitzentuch, führte es ein Stück, wie ſpielend, mit ſich und ließ es in Percivals Nähe zu Boden fallen. Er hob es freudig auf und übergab es mit einer eleganten, weltmänniſchen Verbeugung ſeinem bewunderten ſchönen Visavis. Da die Antwort gleichfalls engliſch gegeben wurde, war bald ein Geſpräch im Gange, und als man ſich eine Stunde ſpäter zum Lunch begab, ſchieden zwei gute Bekannte voneinander, die ſich für den Abend im Hotel Carlion ein Stelldichein zum Bal paré gegeben hatten.
Pünktlich um 10 Uhr betrat Percival den ſtrahlend er⸗ leuchteten Feſtraum, in dem ſich eleganteſt gekleidete Damen und Herren bereits dem Tanze hingaben. Vergeblich durcheilte ſein Blick die Menge— ſie war noch nicht da. Er nahm alſo in einem der tiefen einladenden Fauteuils Platz, um ſich mit einer Zigarette über die Nervoſität des Wartens hinwegzuhelfen. Aber nicht lange dauerte es, da betrat Miß Evelyn, in entzückender roſa Abendtoilette, die ihre ſchlanke Figur voll zur Geltung kommen ließ, den Saal. And nicht nur Percivals Augen zollten ihr Bewunderung.
Nach kurzer Begrüßung begaben ſie ſich zur reſervierten Loge, wo ein delikates Diner ihrer harrte. Der prickelnde Champagner und die übermütige, aufpeitſchende Muſik ließen ſie aber nicht lange plaudernd ſitzen. War John Percival ein glänzender Tänzer, ſo war Evelyn eine würdige Partnerin. Aller Blicke folgten dem vleganten, hübſchen Paar, und einige Male lohnte ſogar Applaus
en ſchönen Tango. So vereilten die Stunden wie im Fluge, bis Evelyn nun energiſch bat, ſie nach Hauſe zu bringen. Sie wohnte ein wenig außerhalb, wo die eleganten Villen und ſtillen Penſionen ihren vornehmen Beſuchern jeden Lärm und jede Störung durch den großen Verkehr fernhielten. John Percival winkte ein Auto heran und bald ſauſten ſie die Autoſtraße ent⸗ lang dem Meeresſtrande, dem Villenviertel zu. Eine plötzliche ſcharfe Kurve ließ ſie aneinanderſtoßen, und John benützte kühn den Augenblick, ſeine Arme um Evelyn zu legen und einen Kuß auf ihre Lippen 2
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zu erwidern. War es die Wirkung des Sekts,
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oder war es etwas anderes, genug, Evelyn wehrte ſich nicht ſondern gab ſich ganz dem Genuß des Augenblicks hin. Aber gleich darauf hielt der Wagen. und errötend machte ſich Evelyn frei, ſprang aus dem Wagen heraus, ein kurzes„Auf Wiederſehen morgen im Bade!“, und ſchon war ſie verſchwunden.
John Percival gab Befehl zum Umkehren. Während er wieder längs des Meeresſtrandes dahinfuhr, zog er eine Perlenkette aus ſeiner Taſche und prüfte ſie mit Kennerblicken. Dann biß er mit den Zähnen daran.„Verdammt!“ entfuhr es ſeinen Lippen,„die Perken ſind falſch!“ Und dafür hatte er ſo große Ausgaben ge⸗ macht: ein Sektſouper in reſervierter Loge, ein Privatauto. Und nun waren dieſe Perlen, zwar ſehr gute Imitation, aber falſch. Verärgert wollte er ſehen, wie ſpät es ſei und ob es ſich noch lohne, auf den Ball zurückzukehren, um nach neuer Beute Aus⸗ ſchau zu halten, und griff nach ſeiner Uhr. Starres Entſetzen be⸗ fiel ihn. Seine herrliche Frackuhr, die er erſt unlängſt von der Schweiz ins Seebad„mitgenommen“ hatte, war weg!
Miß Evelyn hatte ihn überliſtet und mehr Tüchtigkeit und Geſchäftsſinn bewieſen.
Sterne und Sternbilser in alter und neuer Wertung
Von Auguste Peters
Es kann uns ja nicht wundern, wenn man in den Jabr⸗ tauſenden vor Chriſto, als es noch keine Naturwiſſenſchaften gab, noch keine Fernrohre, keine Photographie, überhaupt nichts von all den großen neuzeitlichen Hilfsmitteln der Himmels⸗ betrachtung, die Phantaſie zu Hilſe nahm für alle Er⸗ ſcheinungen, über die ſich Beſtimmtes nicht feſtſtellen ließ; und ſo umrankte man die Vorgänge am Sternenhimmel mit einem
reichen Kranze von Sage und Dichtung. Viele der Namen ſchon deuten das an: Herkules z. B., der ſagenhafte griechiſche Held, der die 12 ſchweren Aufgaben löſte, iſt dadurch geehrt worden, daß man ein großes Sternbild mit ſeinem Namen beseichnete, eine Gruppe von Sternen, die zwar keineswegs einem Manne ähnelt, in die man aber die Umriſſe eines ſtarken Mannes mit einer Keule hineingezeichnet hat; man hat ihn zum ewigen An⸗ denken an ſeine großen Taten„unter die Sterne verſetzt“.
Auch jenes große W, das in der Näbe des Nordporlarſterns ſo hell ſtrahlt, die Caſſiopeja, verdankt ſeinen Namen einer Sage: dieſe Caſſiopeia war ein äthiopiſche Mohrenkönigin; eine Stern⸗ gruppe in der Rähe, aber von weniger auffallendem Glanze,
Chmmeſiſches Schattenſpiel— das Volkstheater
Die Heimat des Schattenſpiels iſt China. Die Legende er⸗ zählt: Li, die Lieblingsfrau des Kaiſers Wu, der von 140—87 v. Chr. regierte, war geſtorben und der Kaiſer trauerte gar tief um ſie und konnte ihrer nimmer vergeſſen. Da kam Schao⸗Wong aus dem Lande To'i(in Schantung), der in allen geheimen Künſten wohl erfahren war, und ließ den Sohn des Himmels wiſſen, daß er den Geiſt der Verſtorbenen zitieren könne, und Wu, der Kaiſer, war deſſen zufrieden. In einer Nacht ſpannte Schao⸗Weng einen Vorhang auf, der mit Lampen und Fackeln beleuchtet wurde, bat den Kaiſer, hinter einem andern Vorhang Platz zu nehmen und von ferne der kommenden Dinge zu warten. Da erſchien auf einmal der Herdgott in dem erſten Vorhang und bei ihm war ein ſchönes Weib, deſſen Geſtalt der verſtorbenen Li recht glich. Als aber der Kaiſer aufſprang und gen das Bild eilte, da verſchwand es. Schao⸗Weng wurde von Wu mit Ge⸗ ſchenken reich begabt und zum„Meiſter der gelehrten Voll⸗ kommenheit“ ernannt. Doch da es ihm gelungen, die Geiſter der Abgeſchiedenen zu beſchwören und ſie als Schatten ſichtbar werden zu laſſen, trieb ihn ſein Ehrgeiz zu immer größeren Taten. Er erbot ſich den Sohn des Himmeks mit der ganzen Götterwelt in Verkehr zu bringen. Inmitten des kaiſerlichen Palaſtgartens ließ er ein überaus prächtiges Haus errichten, deſſen Wände er mit den Göttern des Himmels und der Erde und anderer guter Geiſter bemalte und brachte ihnen große Opfer dar. Aber die Götter erſchienen nicht und Schao⸗Wengs Ruhm begann zu er⸗ blaſſen. Da kam die Furcht über ihn, daß er bei dem Kaiſer in Angnade fallen könne und er ſann auf eine Liſt, ſich davor zu retten. Er ſchrieb deshalb geheimnisvolle Worte auf ein Stück Seide, gab dies einem Ochſen zu freſſen und verkündete feierlich, daß in dem Bauche des Tieres ein ſeltſam Wunder zu finden ſei. Und da man den Ochſen geſchlachtet, entdeckte man das D⸗kument.
So kam das Spiel mit den Schatten am Kaiſerlichen Hofe in Verruf, aber im Volke ſcheint es eine neue Heimat gefunden zu haben. Das mag noch lange Zeit mit Gruſeln die Manen ſeiner Abgeſchiedenen aus dem dunkeln Neiche der Toten als Schatten beſchworen haben. Allmählich aber wird das Spiel mehr und mehr ins äußere Volksleben eingedrungen ſein. Aus dem in der Magie wurzelnden, ſpiritiſtiſchen Spiele mit den Totenſchatten, wurde ein Schattenſpiel aus der Welt der Lebenden. Zwar ſchweigen die chineſiſchen Geſchichtsſchreiber, die ſich aber kaum um das Treiben des Volkes kümmern und nur ſwärlich darüber berichten, ein Jahrtauſend über die Schattenſpiele. Doch beſagt dies nicht, daß man es nicht gepflegt habe, denn ſonſt würde man um das Jahr allenthalben auf den Jahrmärkten Erzähler antreffen, die ihren Vortrag, ähnlich wie unſere Moritatenſänger, mit ihren Bildern, durch Schattenſpiele erläuterten.
Von der Schattenersählung zur dramatiſch agierten Schatten⸗ bühne iſt nur ein kleiner Schritt und nachdem ſich das wirkliche Theater mehr und mehr in China entwickelt hatte, wurde dieſer getan. Aus dem Erzähler vor dem Vorhang, wurde der Sprecher hinter ihm, aus den ruhigen, kaum bewegten Schattenbildern, wurden Schattenſpiele. Das Volk hatte ſich ſein Theater geſchaffen und konnte nun Spiele nach ſeinem Wunſche und Willen, unab⸗ hängig von den höfiſchen und gelehrten Dichtern darſtellen. Wie immer bei einem intelligenten Volke, ſpielte auch in China die Politik eine große Rolle. Politiſche Satire ſtand und ſtebt beute noch bei den Schattentheatern im Vordergrund.
Die Auffüh⸗
Ihre Verbreitung förderten zwei Momente: ffüb⸗ rungen der wirklichen Bühne ſind mit großen Koſten verknüpft,
verlangen daher hohe, den armen Schichten des Volkes uner⸗ ſchwingliche Eintrittspreiſe. Zum andern verbietet die chineſiſche


