——
8
η
Im Seplember durch Wald und Jeld
Kaum ein anderer Monat lockt ſo hinaus ins Freie, wie der September. In keinem anderen Monat iſt der Himmel ſo blau, die Sonne ſo golden leuchtend, wie im September; iſt es da ein Wun⸗ der, wenn die Herzen weit werden für das, was die goldene Sonne unter blauem Himmel zu erzeugen weiß? Auf alſs, zum Schauen der Wunder in hochſommerlicher Zeit.— Anlagen und Gärten bereiten vor auf die Pracht der einheimiſchen Flora. Wie jeder Monat eine beſonders in die Augen ſtechende Blume hat, ſo hat der September ſeine Dahlie der ſtädtiſchen, die Georgine der bäuerlichen Gärten.
Es iſt ein und dieſelbe Pflanze, die mit dieſen verſchiedenen Namen belegt wird. Und doch beſteht ein auffallender Unterſchied zwiſchen den Pflanzen der ſtädtiſchen Gärten und jenen der Bauerngärten. In der Stadt ſind die Blumen dieſer Pflanzen lockere, federige, flachgedrückte Bälle. Im Bauerngarten nähert ſich die Blume der Kugelform, die feſtgefügt iſt; die Farbe iſt hier kräftig ausgeſprochen, bei den anderen aber herrſchen zartere Farbentöne vor. Im Bauerngarten werden die älteren Sorten dieſer Pflanzen bevorzugt, der Städter hat ſein Augenmerk den neueren Züchtungen zugewandt. Das iſt der ganze Unterſchied. Sonſt handelt es ſich um ein und dieſelbe Blumengattung. Alles was unter dem Namen Georgine und Dahlie in unſeren Gärten gezogen wird, iſt Nachkommenſchaft von Blumen, die in Mexiko ihre Heimat haben. Von dort wurde Samen dieſer Pflanze um die Mitte des 18. Jahrhunderts nach Europa gebracht und zwar von verſchiedenen Botanikern. In Spanien wurde die Pflanze Dahlia getauft. Nach Berlin eingeführte Pflanzen erhielten im Botaniſchen Garten den Namen Georgina. So kam die gleiche Pflanzengattung zu verſchiedenen Namen. Nach dem Recht der Priorität gilt der in Fachkreiſen auch zumeiſt übliche Namen Dahlie. Im Volke hat ſich noch vielfach der von Berlin ausge⸗ gangene Namen Georgine erhalten. Herrliche, prächtige Farben⸗ töne gibt es unter den zahlreichen Spielarten dieſer Pflanze. Mir gefallen die leuchtenden, prunkenden Sorten des Bauerngartens beſſer; jene der Stadtgärten tragen verweichlichtes Anſehen zur Schau, man merkt ihnen die Kunſt des Züchters gar zu ſehr an.
Aber auch die im Bauerngarten blühenden Sorten ſind keine
bodenſtändigen Pflanzen, auch ſie ſind Kunſterzeugniſſe. Die eigentliche wilde Georgine hat eine Blumenform gleich unſerer Margaretenblume, die auf der Wieſe hinter dem Bauerngarten ihren zweiten Flor entfaltet hat, nachdem der erſte Flor durch die Heuernte jählings unterbrochen wurde.
Die Wieſenblumen! Sie haben ſamt und ſonders wie die Margarete im Juni⸗Juli unter der blinkenden Senſe ihr Leben verhauchen müſſen. Jetzt duften ſie in der Heuſcheuer des Land⸗ mannes. Aber die Pflanzen haben ſich von der Senſenwunde er⸗ holt. Der Schnitt iſt verharſcht. Neue Triebe und Stengel ſind erwachſen und mit dieſen ſind neue Blumen gekommen. So zeigt zurzeit die Wieſe ein Abbild aus der Zeit vor dem Schnitt. Zwar iſt die Zahl der Blumen geringer, ſie haben ſich auch nicht zur alten Größe entfalten können, aber ſie ſind doch faſt alle wieder da, um uns bis zum Oktober oder gar bis in den November hinein zu erfreuen.
Neue Blumen treten in dem Wieſenplan nur ganz vereinzelt auf. Das meiſte ſind alles alte Bekannte; etliche der alten Be⸗ kannten fehlen allerdings, ſie konnten ſich zu keiner zweiten Blüte aufſchwingen. Einen neuen Ton erhält das Wieſengrün durch die lilafarbigen Blumen der Herbſtzeitloſe, deren Blumen in der Form an Krokus erinnern. Sonderbar iſt, daß die Blumen blatt⸗ los aus der Erde hervorbrechen. Erſt im nächſten Frühjahr ſchiebt ſich an der gleichen Stelle, wo dieſes Jahr eine Blume ſteht, ein grüner Blätterbuſch mit ſcharfen Spitzen hervor, die alles durch⸗ bohren, was ſich ihnen in den Weg ſtellt, ſo namentlich alte Laub⸗ blätter, die auf dem Boden liegen. Inmitten des Blätterbuſches ſitzt nun auch die Frucht, deren Anfänge ſich über Winter unter⸗ irdiſch entfalten. Mit ihren Zwiebeln zieht die Herbſtzeitloſe ſo tief in den Boden, daß der Froſt ſie nicht erreichen kann.
Am Wieſenrande ſteht in üppiger Entfaltung die dornige Hauhechel, die ſich vom Acker hierher gerettet hat. Ihre ſparrigen
mit roſenroten Schmetterlingsblüten beſetzten Zweige beleben an⸗ mutig den Rain. Die Wegwarte, auch Cichorie genannt, leiſtet ihr mit ihren flachen, rein hellblauen Sternenblumen Geſelcjchaft. Es geht die Mär, die Wegwarte ſei ein in eine Blume verzaubertes Mägdelein, das hier am Wege auf den Geliebten wartet, der, die Treue brechend, in die Ferne zog.— Aufinge ſchruts haben beide Pſlanzen ſich hier am Wegrain zu prächtigen Geſtalten entfalten önnen.
Ihren Schweſtern auf dem Acker iſt es übler ergange Un⸗ barmherzig zog die Sente hier alles nieder, Korn und Unkraut, Gerechte und Ungerechte, nur ein kahles Stoppelfeld hinterlaſſend. Die Kornpflanzen ergaben ſich in ihr Schickſal. Nicht ſo jedoch die Ungerechten, das Unkraut. Das iſt aufs neue emporgewuchert. Gleich den abgemähten Wieſenkräutern haben auch ſie neue Stengel gebildet, ſich aufs neue mit Blumen geſchmückt. Nur zu jener ſtattlichen Höhe, zu der ſie es zuvor im Kornfelde brachten, konnten ſie ſich nicht wieder aufſchwingen; ſie ſind niedriger ge⸗ blieben, dafür aber ſind ſie in die Breite gewachſen und haben wohl auch reichlicher mit Blumen ſich geſchmückt. Die Farbentöne ſind leuchtender, kräftiger geworden. Ein ſchönes Beiſpiel für all dieſe Veränderungen bietet uns die blaue Kornblume. Manche Ackerunkräuter kommen im Stoppelfeld erſt zur rechten Ent⸗ faltung. Solange das Getreide den Raum beanſpruchte und den Boden beſchattete, mußten ſie ſich ducken, konnten ſich nur mühſelig ein paar ärmliche Blätter bilden. Nun aber der Raum nach oben frei iſt, die Sonne warm den Boden küßt, da iſt auch ihre Zeit ge⸗ kommen. Schnell wird das verſäumte Wachstum nachgeholt und ihr Gezwelg durchſpinnt die Stoppeln, überall bunte Blumen ein⸗ flechtend.
Dieſer zweite Trieb der verſchiedenen Wieſenpflanzen und Ackerkräuter iſt von Haus aus keine natürliche Erſcheinung. Er wird bedingt durch künſtlichen Eingriff von Menſchenhand, durch das Mähen. Anders iſt es bei vielen Waldblumen und ⸗ſträuchern, die nach dem Frühjahrstrieb, um die Sommerſonnenwende noch einen zweiten Trieb hervorbringen, den ſogenannten Johannis⸗ trieb, der ſich zurzeit durch ſeine zumeiſt recht auffällige Farben⸗ zeichnung von dem nun dunklen Grün des Frühjahrstriebes präch⸗ tig abhebt. Buche und Eſche geben hierfür gute Beiſpiele. Beide Pflanzen treiben erſt ſpät im Frühjahr, dann iſt aber der Trieb auch ſchnell, etwa in 14 Tagen, beendet. Ende Juni bricht dann der zweite Trieb hervor, dem nicht ſelten im Auguſt noch ein dritter Trieb folgt. Das Bezeichnende bei ſolchen Johannistrieben iſt, daß der neue Trieb ſtets aus einem ausgereiften Trieb her⸗ vorkommt. der ſein Wachstum ſelbſt ſchon abgeſchloſſen hat. Die Knoſpen, aus denen der Johannistrieb ſtammt, haben ſtets eine mehrwöchige Ruhe hinter ſich. Bei Ahorn⸗ und Eſchenarten bilden ſich aber auch aus ſolchen Knoſpen neue Triebe, die noch gar keine Ruhezeit hinter ſich haben. Endlich gibt es noch eine dritte Gruppe von Bäumen, zu der Birke, Erle, Haſelnuß, Weide und viele andere zählen, deren zweiten und weitere Triebe nur aus jungen, noch weiterwachſenden Trieben erſtehen. Bei all dieſen zweiten Trieben handelt es ſich um natürliche, im inneren Weſen der Pflanzen begründete Erſcheinungen...
Wenn aber bei Linden, Kaſtanien, Goldregen im Herbſt ein zweiter Trieb hervortritt, der bei feuchtwarmer Witterung nicht ſelten ſogar noch Blüten treibt, oder wenn die Obſtbäume im Herbſt eine zweite Blüte bringen, ſo iſt die Urſache in äußeren Einflüſſen zu ſuchen, ähnlich wie bei dem zweiten Trieb der Wieſen⸗ und Ackerkräuter. Trockenheit im Sommer, feuchte Wärme im Herbſt läßt bei ſolchen Bäumen Knoſpen vorzeitig austreiben, deren Zeit eigentlich erſt im nächſten Frühjahr gekommen wäre.
Herm. Krafft.
Lberliſtet
Eine Skizze aus einem Seebad von Kaoul Krüger
Ein glühender Ball, ſtand die Sonne am Firmament und andte ihre ſengenden Strahlen herab. Nichts regte ſich. Selbſt das Teer rollte ſein Waſſer in langen, matten Wellen an den Strand,
als ob ihm das Atmen ſchwer fiele, ebenſo wie den wenigen Bade⸗


