Valentin in dieſem Stücke als Gaſt ſpielte, ſagte er zu einem Kollegen:„Ich weiß nicht, warum ich hadin Spielen dieſer Rolle immer ſo ergriffen bin. Das Hobellied beſonders ſtimmt mich immer traurig; die Leute werden das für Komödie halten, aber es iſt leider bitterer Ernſt. Ich habe mir da ſelbſt mein Totenlied geſchrieben.“ Zehn Wochen ſpäter endete er durch Selbſtmord aus einer durchaus unbegründeten krankhaften Furcht, von einem tollwütigen Hunde gebiſſen worden zu ſein. Neun Jahrzehnte ſind ſeitdem verfloſſen. Für die Biedermeieridylle des vielgeſungenen Hobelliedes haben wir Heutigen, wohl nicht mit Unrecht, nur noch wenig Verſtändnis übrig.
Hundert Jahre ſind auch in dieſen Tagen verfloſſen, ſeitdem der jugendliche Wilhelm Hauff ſeine hochberühmten, durch vorher entſtandene, den gleichen Stoff behandelnde Heineſche Dichtungen beeinflußten„Phantaſien im Bremer Ratskeller“ der deutſchen Offentlichkeit übergab, dieſes„Herbſtgeſchenk für die Freunde des Weines“, wie der Dichter den tollen und doch ſo liebenswürdigen Spuk aus jener Septembernacht nannte. Haben wir uns nicht in unſerer Jugend alle einmal daran erheitert? Der vielver⸗ ſprechende Dichter hat freilich ſein Werk nicht lange überlebt. Noch nicht fünfundzwanzig Jahre alt, ſtarb dieſer Götterliebling am 18. November 1827. Neun Tage zuvor hatte ihm ſeine Frau ein kleines Töchterchen geboren.
Und zur Abrundung ſchließlich noch ein hundert Jahre altes Buch. Zwar kein deutſches, aber doch eins, das ungezählte Auf⸗ lagen in deutſcher Sprache erlebte, und über das ein Goethe laute Worte des Beifalls fand: Manzonis in die Weltliteratur überge⸗ gangener Roman„Die Verlobten“. Mit dieſem noch im ſpäten Mittelalter ſpielenden Roman zog die Romantik in die italieniſche Literatur, er wurde alſo epochemachend. Epochemachend mit einer Geſchichte von zwei Liebenden, die ein politiſcher Tyrann nicht zueinander kommen laſſen will. J. Kl.
Hundert Fahre Jündholz Von J. Kalisch
Unſere Vorfahren hatten es nicht ſo bequem wie wir, daß ſie einfach das Zündholz zu reiben brauchten, um das Feuer zu ent⸗ zünden. Sie bedienten ſich des Reibholz⸗ oder Reibſteinfeuer⸗ zeuges, wie dies heute noch bei einigen unzivilſierten Volks⸗ ſtämmen der Fall iſt.
Eine wichtige Epoche in der Geſchichte des chemiſchen Feuer⸗ zeuges bildete das Tauch⸗ oder Funkzündhölzchen, das 35 1812 fabriziert, aber erſt im Jahre 1820 allgemein bekannt wurde. Das erſte brauchbare Reibzündhölzchen erhielten wir 1833, das ſeine Entſtehung ſeinem Erfinder Congreve dankt. Man be⸗ gegnete der Erfindung zuerſt mit großem Mißtrauen. Die Kuppe des Hölzchens beſtand aus Schwefel mit einem überzug, einer
liſchung zu einem Teil Kaliumchlorat, zwei Teilen grauem
Schwefelantimon und einem Bindemittel. Man entzündete dieſe Hölzchen, indem man ſie zwiſchen zwei mit den Fingern zu⸗
amengepreßten Sandpapierblättern hindurchzog. Die Verwen⸗ duna. dieſen, Bün hülzche, wurde jedoch in vielen deutſchen taaten verboten, da ſie ſich auch ohne Benutzung dieſer Reib⸗ fläche leicht entzündeten. oh zung dieſer Aieih
In demſelben Jahre gelang es einem Deutſchen J. L. Kam⸗ merer zu Ludwigsburg. während ſeiner Gefangenſchaft auf dem Hohenaſperg ein brauchbares Zündholz zu erfinden. Dieſe Zünd⸗ hölzer wieſen eine Miſchung von Phosphor und Kaliumchlorat als überzug des geſchwefelten Endes auf. 1837 erfuhr das Zünd⸗ holz durch Preſhel eine bedeutende Verbeſſerung, von welcher Zeit ab der große Aufſchwung der Zündholzinduſtrie datiert.
4 Die erſten gefahrloſen Streichhölzer verdanken wir dem
Frankfurter Chemiker Profeſſor Böttger. Er machte im Jahre 1848 die erſten Verſuche mit einem ungefährlichen Phos⸗ Phor, den er für die Reihflächen benutzte. Bekanntlich gilt der Prophet nichts in ſeinem Lande. So erging es auch Böttger. In Deutſchland fand nämlich die Erfindung keine Beachtung. In Schweden wußte man den Wert der Neuerung zu ſchätzen. Dort wurden die Zündhölzer zuerſt angefertigt und wußten ſich den Weltmarkt zu erobern. In vielen Millionen Schachteln gehen ſie heute nach auen Weltgegenden. Einer Schätzung nach, werden täglich etwa fünf Milliarden Streichhölzer ver⸗ braucht.
Die größte Fabrik Schwedens befindet ſich in Jänköping, die eine Art Monopolſtellung einnimmt, da ſie alle ſchwedlſchen Zündholz abriken zu einem Truſt zuſammenſchloß. Dem Schweden⸗ ruſt gehören heute in 28 Ländern etwa 150 Fabriken an, in
enen 50 000 Menſchen mit der Herſtellung von Zündhölzern be⸗ ſchäftigt werden. Infolge der Inflation wußte ſich der Schweden⸗ truſt auch Einfluß auf einen Teil der deutſchen Zündholzfabriken zu verſchaffen. Der größte Teil der deutſchen Zündholzinduſtrie ruht in den Händen der Konſumvereine. Glücklicherweiſe iſt der
Truſt bei uns nicht ſo mächtig wie in anderen Ländern, wo er den Preis diktiert. So ſtellt das unſcheinbare Streichholz einen wichbigen Weltmarktartikel dar. Es klingt unglaublich, daß faſt kine Milliarde Goldmark mobiliſiert wurden, um die
erſorgung der Menſchen mit Streichhölzern zu ſichern.
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Schach⸗Eeke
Die Schachecke wird bearbeitet von Z. Bruchhäuſer, Frankfurt a. M., Waldſchmidtſtraße 29, wohin auch alle Zuſchriften und Löſungen zu ſenden ſnd.
„ 4 ich. Br 2 215 60 Wie löſe ich einen Breizüger? (2. Fortsetzung.)
Noch einmal wollen wir uns heute eine Aufgabe des böhmischen Stiles zum Lösen vorlegen. Vor allem soll diesmal ein ganz Großer auf diesem Gebiete, A. Bayersdorfer, zu Worte kommen; es sollen aber hierbei auch gleich einige„Fachausdrücket, die wir bei der böhmischen Sehule öfters finden,
erläutert werden. Aufgabe Nr. 109
A. Bayersdorfer.
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Matt in 3 Zügen.
Kontrollstellung: Woiß:; Kb6; Dg4; Lgs. Schwarz: Kd; Beb, f6.(3:3.)
6 Wieder ist es eine Miniatur-Aufgabe. Wie kommt es, daß es gerade in der Böhmischen Schule so viele Miniaturen gibt? Weil dort der Wert auf schöne Mattbilder und Mattwendungen gelegt ist und sich diese auch mit wenig Material darstellen lassen. Hinweg also mit allem unnützen Kram! Man soll nur soviel Figuren verwenden, was zu den Mattstellungen unbedingt nötig sind, nichts soll arbeitslos beiseite stehen. Das Material, das zum Mattsetzen unbodingt gebraucht wird, nennt man das theoretische Minimum. Wenn sich das theoretische Minimum, das meist nur der Phantasie vorschwebt, und das fertige Problem decken, so spricht man von der„klassischon Forme der Aufgabe. Solche gibt es aber nur sehr, sehr wenige. Die obige Aufgabe von Bayersdorfer hat die klassische Form, d. h. jeder Stein auf dem Brett ist not- wendig und wird zu jeder Mattstellung gebraucht.— Man hat natürlich
Konzessionen machen müssen, und nur dadurch ist es erst möglich geworden,
daß sich so viele Komponisten mit ihren Produkten zeigen konnten. Solange sich das Figurenmaterial in mäßigen Grenzen bewegt, wird niemand etwas sagen; natürlich muß man versuchen, mit so wenig wie möglich auszukommen.
Nun zu unserer Aufgabe. Die Lösung ist nicht allzu schwer zu finden, denn schon bei den ersten Versuchen merken wir, daß alle Versuche von Weiß an dem Gegenzug e— e5 scheitern. Hier muß also etwas dagegen geschehen. Es gibt nur eine Möglichkeit: der Bauer muß abgebremst werden. Also muß der
Läufer nach eb ziehen; dabei bemerken wir auch gleich das drohende Damen-
matt auf d. Aber der Läufer ist ja verloren, und dem Weisen bleibt zum Mattsetzen fast gar nichts mehr übrig!, so werden entsetzt die Schachjünger rufen. Und doch ist dies der Schlüsselzug. Um dem Matt auf d zu entgehen, muß der Läufer geschlagen werden. Schlägt ihn der König, so folgt 2. Kb6— 5, f6— f5; 3. DdA matt. Die schwarzen Bauern verbauen dem eigenen König die
Fluchtfelder, jeder Stein wird zum Mattsetzen benötigt, keiner steht arbeitslos
auf dem Brett herum. Rein ist dieses Matt nicht, denn die Felder dö und dô
sind zweimal bestrichen.— Wird der Le5 vom Bauern geschlagen, so zieht
Weiß die Dame nach b4. Jetzt ist Schwarz durch den eisernen Zugzwang
genötigt, sich das Feld ed4 durch den Bauernzug zu blockieren, und es kann
Deb matt folgen. Auch hier werden alle Steine zum Matt benötigt. Die Matt- stellung ist wiederum nicht rein, denn das Feld cé ist zweimal gedeckt.
Nun ist schon öfter die Frage aufgeworfen worden, ob es nicht besser sei, daß eine Aufgabe reine Mattbilder zeige, als daß sie die klassische Form besitze, wenn beides unmöglich zu vereinep sei. Ich möchte mich hier der Ansicht unseres Genossen Klinke anschließen, der in einem Vortrag(Ostern 1923 in
Berlin) sagte:„Was ist richtiger, Mattreinheit und Verzicht auf die klassische
Form, oder klassische Form und Verzicht auf die Mattreinheit? In diesem Falle pfeife ich auf die Mattreinheit; ich erkenne sie nur an, wenn sie sonst keinen Schaden anrichtet!“
Die ökonomie der Mittel ist das oberste Gesetz im Problemschach (Fortsetzung folgt.)
Spielabende des Arbeiter⸗Schachklubs Frankfurt a. M.
Abt. 1(Innenstadi): Montag, Hotel„König von England“, Battonnstr. 684 Abt. 2(Riederwald): Mittwoch bei Blank.
Abt. 3(Bockenheim): Mittwoch,„Zum Freischütz“, Leipziger Straße 64. Abt. 4(Bahnhofsviertel): Donnerstag,„Regenbogen“, Gutleutstraße.
Abt. 5(Nordend): Freitag bei Walter, Weberstraße 84.
Abt. 6(Rödelheim): Dienstag bei Geyer, Eschborner Landstraße.
Abt. 7(Bornheim): Mittwoch bei Pauly, Germaniastraße 49.
Abt. 8(Niederrad): Samstag, Sportplatz der Freien Turner, Halmstraßo. Abt. 9(Sachsenhausen): Dienstag bei Adrian, Affentorplatz.
Abt. 10(Gallusviertel): Mittwoch bei Israei, Franken-Allee 234.
Für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar LQuint.


