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im Ruſſenland Turkeſtan. Griechiſche Kunſt drang über Hindu⸗ kuſch, Ghandara, Indien, Pamir weit, weit gen Oſten bis China und Japan und lebte weiter, als längſt die letzten Diadochen im Grabe faulten, und aſiatiſche Horden in Samarkands Straßen hockten, die Bildhauer aus Athen einſt mit Marmorbüſten ver⸗ zierten. Fern, aus dem Sand der Mongolei, in Turfan, gruben Dauiſched dif ftern Fen inder, Tiechich.ftatiſcher Vermählung ervor, die jetzt tiefäugig aus tauſend Nächten heraus ins helle Licht Berlins ſchauen. 9— 3 Doch der Vater der Eisberge im ſchneeweißen Haupt, der greiſe Mus⸗tag⸗-ata, ſah ſchon aus der Ferne die grünen Fahnen des Propheten nahen und die Janitſcharen des Kalifen, deſſen Schwert die Welt von Granada bis hierher zur wahren Erkennt⸗ nis Gottes bekehrte. Und nun hebt an das zaubriſche Leuchten des Halbmonds, der Zug der Karawanen, in denen jeder ſcheue Schritt der Kamele ein Gebet Mohammeds war, das Glitzern der Minaretts und Medreſſen voll bunter Fayencen, das Schimmern der Bazare, das Klirren der krummen Säbel ſtolzer Stadtwachen. Bagdad war Gottes, Gottes der ganze Orient, doch Samarkand, der Oſten des gläubigen Oſtens, war das Gebets⸗ tuch zu ſeinen Füßen, das Geheimnis des Islam, das keiner er⸗ gründet, das Märchen der Märchen. Schließt die Augen und denkt an eine ſtille Sommerlaube, in der ihr als Kinder im Buch Tauſendundeine Nacht laſt, vom Prinzen, der als Kaufmann verkleidet Fatme hinter den Haremswänden von Samarkand luchte. Wenn ihr euch erinnert, wißt ihr mehr, als ich oder ein eiſebnedeker ſagen könnte, ſo viel ſagt ein einziges Wort. Ach, bald raſt ein Sturm über die Zauberſtadt hinweg, wie er nie wieder die Erde zerzauſt hat. Dſchingis Söale ene ein, und ein einziges Mal vermag der Serefſhan den Amufluß zu erreichen, geſtaut vordrängend voll roten Bluts. Fatmes af, h Schleier kleben an der ſchmierigen Hand des Tataren, der raſend Ai tierdſcber Brunſt ihre Kehle zerbeißt und den geſchändeten eib mit dem Leichnam des zarten Prinzen verhöhnt. Die fünf⸗ hundertſte Nacht iſt tiefrot von brandiger Glut und verſchleiert vom Rauch der Städte. Ein hölzerner Götze vom Tal des Tarim blinzelt jetzt in die ſtinkenden Schwaden und grinſt, und ſchwarzer Schorf vom Opferblut granatblütenheller Mädchen, ſchön wie Huris, blättert hart von ihm herab, als man ihn auf⸗ lidt au⸗ Weiterfaßrt weſtwärts, weſtwärts bis zu Schleſiens Auen. Als der Khan der Welt ſtarb, ſein Sohn Tſchagatai ſei zerbröckeltes Rieſenreich erbte, ſie, da hatten 29 Michagat laſean ihren Götzen verbrannt, und die Sieger beteten fromm zum wahren Gott der Beſiegten. Und der große Enkel des gewaltigen Erdreichbezwingers, Timur Lenk, den ihr weſtlich dumm Tamer⸗ lan nennt, wohnte in Samarkand als ſeiner Hauptſtadt, diente dem Propheten, und die ſtolzeſten Wunderbauten, welche ſie je ſah, die errichtete erſt er. Gur Emir heißt das edle, ſchöne, er⸗ habene Mauſoleum, in dem der, vor dem die Welt wieder er⸗ zitterte, unter einem Nephriten ruht, dem größten, den die Welt kennt. Bibi Chanym,„Königin Bibi“, heißt die Medreſſe zu Ehren leiner Odaliske, der ſchwarzäugigen Prinzeſſin aus China, deren Schuhe, aus der Haut indiſcher Könige geſchnitten, über Teppiche aus den Haaren verſiſcher Fürſtinnen wandelten, wenn ſie die Lieder des Hafis ſang oder dem Vortrag von Allek Beg, dem gewaltigen Aſtronomen, lauſchte über die Wunder des Himmels oder über die lächerlichen Franken, die nur ſchlecht wie unbegabte Schüler den Lauf der Sterne berechnen konnten mit arulenige Marthenani. Die,Goit läſterten durch den Glauben n ſeine Dreifältigkeit wie blinde Heiden, und die doch ſich b dünkten als rechtgläubige Moslim. die doch ſich begſe Längſt hatte der Weſten Samarkand vergeſſen, kaum, daß ein Apotheker von der Herkunft der Wurzel Welnebe rades da horchten eure Großväter auf, weil wieder hinten weit in der Türkei die Völker aufeinanderſchlugen. Die Ruſſen zogen ein in Timurs Stadt und ſeine AUrenkel, die Emire von Khiwa und Buchara, wurden Moskaus Vaſallen. Längſt hatten ſich die Völker dort gewandelt, zerſetzt, vermiſcht; Turkmenen, Usbeken, Sarten und Kirgiſen nannten ſie ſich. Noch immer herrſchte der Emir, gewalttätig über die Seinen, wurden ihm die Jungfrauen des Landes zugeführt zu rechtloſer Schande, doch ſein Staat war machtlos, ſein Heer eine zerlumpte Farcce einer Truppe. Samarkand war nicht mehr Hauptſtadt, die ſtolzen Bauten
Timurs verkamen, in ſtinkenden Straßen rauften ſich ſchmutzige
Sarten um ihre Batſchas, die feilen Tanzbuben, während ſich
ihre Weiber heimlich nach Paikabak ſtahlen, dem Hurenviertel
für ruſſiſche Sergeanten, die auf dem Heimweg tücki i
Glaminpfuhle Setofend myeben. 5 9 lcilch in So endeten tauſend Rächte.
nuuaßfe Rornan ſchte. Der Weltkrieg ging auf wie „Nun kommt die eine Nacht. Und das Heute. Nicht mehr
heißt das Land Sogdiana noch Bactrien 13 uts Hecht mehr
Es nennt ſich Sowjetrepublik Usbekiſtan, und ſein Präſident iſt
wirklich ein Usbeke. Aber die Ruſſen regieren mehr denn zuvor,
nicht nur die Leiber, auch die Seelen. Sie bauen Schulen, ver⸗
anſtalten Umzüge, leſen öffentlich unter rotflatternden Fahnen
aus dem Koran vor und beweiſen, daß der Prophet den Kom⸗ munismus gewollt und verkündet habe. Sie ſuchen die klügſten Sartenjünglinge aus und ſenden ſie auf die rote Univerſität des Orients zu Moskau. Sie betonieren das Fundament von
Gur Emir und Bibi Chanym, die Zeugen alter Weltherrſchaft, F'
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die eine neue ſchauen ſollen. Geheimboten ziehen über den Hindukuſch nach Indien, durch Oſtturkeſtan nach China, und wo ſie weilten, glimmt der Haß gegen England heißer hoch. Schon flackert er empor, ſchon brennt Südchina und Sawa, kommt die anſendundiweite Nacht? Lenin trug Tatarenzüge wie Dſchingis han.
Welch geheimnisvolle Zentrifugalkraft treibt von Samarkand aus über die Welt, Völker, Reiche, Ideen? Iſt hier der Nabel der Erde? In den verlorenen Tälern des Pamir hauſen die
letzten, älteſten Arier aus ſogdianiſcher Steppe; ihre armſelige
Sirtenſprache iſt der Urahn des Sanſkrit. Fern von Buchara und Samar and läuft der Tadſchik nicht Gefahr, vom neuen roten Bactrerſchnaps mehr zu trinken, als er zahlen kann.
Schach⸗Ecke
Die Schachecke wird bearbeitet von J. Bruchhäuſer, Frankfurt a. M. Waldſchmidtſtraße 29, wohin auch alle lceikten nd Lbunzes zu ſurdea ünd
Wie löſe ich einen Dreizüger? Von W. Roscher, Dresden,(1. Fortsotzung.)
Schon in moeinem letzten Aufsatz schrieb ich, daß wir bei der„Böhmischen Schule“ wohl otwas läunger werden verweilen müssen. Diese ist durch das ver- schiedenartige Zusammenarbeiten der einzeinen Kräfte so vielgestaltig, daß ein einfacher Hinweis noch lange nicht das„Lösen“ lehrt. Man spricht in der „Böhmischen Schule“ viel vom„Spiel mit der Kraft“; es gibt aber auch Auf- gaben, bel denen man ein ganz vorzügliches„Spiel im Raum* vorfindot..
Ein besonders schönes Gebiet innerhalb der„Böhmischen Schule“ sind die Aufgaben mit Echomattbildern. Eine solche wollen wir oinmal zur Hand nehmene
Aufgabe Nr. 108
Fr. Havelka, Prag. Svetozor 18. 12. 1918.
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5), ſh
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Matt in 3 Zuügen. 4 Kontrollstellung. Weiß: Kes; Ddz; Tas. Schwarz: Ke4; Bb6, e5, (3:4.)
Wies immer lautet die erste Frage wieder: Kann der schwarze König ziehen? Jawohl, ihm stehen die Felder bö und dö zur Verfügung. Bei dieser Feststellung bemerken wir aber auch gleich, daß es keine Mattmöglichkeit mehr gibt, wenn der schwarze Monarch einmal das Freie gewonnen haf. Also: Nach dõ darf er nichtl Dies Fluchtfeld muß ihm daher genommen werden; das ist nur mit der Dame zu bewerkstelligen. Also ziehen wir frisch: 1. Dg5.— Ich möchte bei dieser Gelegenheit gleich einmal betonen, daß dieser Fluchtfeldraub in dieser Aufgabe nichts schaden würde, denn der schwarze König erhält ja für das genommene wieder ein neues Fluchtfeld(b4).— Also Dgõö hatten wir gezogen, Schwarz be- antwortet dies mit Kb4. Jetzt ist es aber zu Ende, denn wie wollen wir denn nun das Mattnetz schließen? Der angegriffene Turm muß ja auch ziehen. 1. Dgꝰ 2 kann also nicht richtig gewesen sein, denn es gibt keine Fortsetzung. Geht denn aber das Feld dö nicht auch von wo anders zu decken? Da bleibt nur noch ein Weg, nämlich 1. Dg! Wir wollen dies einmal versuchen. Zieht nach diesem Schlüssel dor K nach b-, so folgt natürlich 2. Db2+, der schwarze König mufl nach c4 zurdck und dann gibt die Dame auf b ein überraschend schönes Matt. Das Matt ist vollkommon rein. Man behalte diese Mattstellung im Gedächtnist Vom Turm gedeckt, gibt die Dame matt, die beiden von der Dame nicht be- strichenen Felder blockieren zwei schwarze Bauern.— Zieht Schwarz im ersten Zuge d4— d!, so setzt Weiß mit Dg2— 4 † fort. Jetzt bleibt dem schwarzen König nur die Flucht nach bö übrig, und wieder gibt die Dame ein so Schönes Matt, diesmal auf a4. Man beachte wieder die Stellung der Figuren zu einander, es ist genau wie bei der ersten Mattstellung: Vom Turm gedeckt, gibt die Dame matt, zwei schwarze Bauern blockieren die von der Dame nicht gedeckten Felder. Nur ist die ganze Mattstellung um ein Feld verschoben. Solche Aufgaben, in denen mehrere gleiche Mattstellungen vorkommen, nennt man Echomattbilder- aufgaben. Die Mattbilder gehen natürlich zu variieren, es gibt Aufgaben mit
3 oder 4 gleichen Mattstellungen.
Natürlich kann sich Schwarz in der obigon Aufgabe auch noch anders ver- teidigen. Zieht z. B. der König im ersten Luge nach b5, so folgt 2. Tb3, Ko45 3. Dgs matt. Auch diese Mattstellung ist wieder sehr schön. Alle vorhandenen Kraäfte sind voll ausgentttzt. Es bliebe dem Schwarzen nun noch der Zug bö— b5 übrig, darauf folgt 2. Dg8+, Kbé4; 3. Db3 matt.
Auch diese Aufgabe ist auf Zugzwang aufgebaut. Sie ist übrigoens ein drastisches Beispiel vom„Spiel mit der Kraft“*. Man beachte, wie bei jeder Mattstellung die Kräfto der Figuren ausgontttzt sind, keino stebt arbeitslos auf dom Brette herum. Ubrigens fdällt die Aufgabe auch unter die Miniaturen, sie hat nur 7 Steine. Gerade bei„böhmischen“ Aufgaben ist das sehr oft der Fall. Wir worden noch eine woitere Aufgabe dieser Art kennen lornon.
Für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint.
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