Ddtto, der die Fahrkarten abgibt, geht als erſter durch die Sperre. Pipa folgt lhm ferſennh. Plötzlich fühlt Otto ſich auf die Schulter geklopft, fährt herum und hört von einem großen, breiten Herrn ſeltſame Worte an lich gerichtet:
„Ah. Herr Otto Höhenflug!?!“
„Wowowoher kekennen Sie mich?!“
„Sie ſind alſo wirklich der Herr dieſes Namens? Na, das
war ja Anfach. Bitte, folgen Sie mir!“.—
Pipa iſt beglückt und fliegt dem freundlichen Herrn ſaſ an den Hals:„Sie ſind alſo der Herr Generaldirektor der Ufa, der uns, wie Otto ſagte, abholen wollte?“
„Gehören Sie zu dieſem jungen Herrn da, mein Fräulein?“
„Aber Herr Generaldirektor! Ich bin doch die——“
„Na, dann kommen Sie auch nur gleich mit! Wir werden dann ja ſehen!“. 1
Der große, breite Herr und Pipa und Otto ſitzen im Auto und fahren durch die Straßen Berlins. Pipa iſt abermals beglückt. So alſo wird es in Zukunft immer gehen! Immer im Auto! Bald auch ſogar im eigenen!!
„Aber Ottchen! Du biſt ja lo bedrückt! Und ſchwitzt ja ſo! Biſt Du krank? Sprich doch!!“
Das Auto hält ruckend und der große. breite Herr ſagt: Sttchen, wird ſogleich ſprechen, mein Fräulein! Bitte, ſteigen
ie aus!“
Ein großes Haus. Kicht gerade ſchön, aber würdevoll. Darin lange Gänge mit grauen Wänden und vielen Türen. Durch eine von dieſen gehen unſere Bekannten.
„Bitte, nehmen Sie Platz!“, ſagt ein Herr, der im Zimmer laß und dem der Große, Breite, etwas ins Ohr geflüſtert hat.
Otto und Pipa können nicht umhin, dieſer Aufforderung Folge zu leiſten.
Pipa iſt ein wey g verwundert. 4
„Sagen Sie mal, Herr Höhenflug, wieviel war denn eigent⸗ lich in der Portokaſſe drin?“, fragt dann der Herr hinter dem Pult ganz unverſtändlicherweiſe.
„Hundertzweiundſiebzig Mark!“ antwortet ein wenig kärg⸗ lich und zage Otto der Fabelhafte, Mutige, der Frauenentführer, der zudem noch Ahnlichkeit mit einem Romangrafen hat.
Pipas Vergißmeinichtaugen ſchießen gewaltig ins Kraut.
„So? Na— das iſt ja nett!“ ſpricht der Herr weiter und wendet ſich dann an Pipa:
„Und Sie? Wer ſind———“. 1
Das Telephon ſchrillt auf. Der Herr nimmt den Hörer ab und ſpricht in den Apparat.
„——— waaas?!——— ja!——“
Dann zu Pipa:„Wie heißen Sie eigentlich?“
„ Pipa de Papi!“..
„Halloh! Sind Sie noch da?— Nein, nicht Urike Hoſchus, londern— ſondern— Pipi de Papa— wenn ich recht ver⸗ ſtanden habe!— Was?— Oder ſo, ja, Pipa de Papi! Ja, iſt Bie durch Zufall!—— Schön! Kommen Sie ſelbſt?— Gut!
u 1144.
Derſelbe:„Alſo, mein Fräulein de Papi, Sie ſind durchge⸗ brannt? Mit dieſem Portokaſſenkavalier? Sie haben einen etwas eigenartigen Geſchmack! Ich muß Ihnen leider eine Zelle an⸗ weiſen. Hoffentlich fühlen Sie ſich wohl darin, bis Ihr Vater kommt!— Und Sie, Herr Höhenflug! Wir werden uns noch weiter zu unterhalten haben!“
Bactrien, luſtfahrend auf dem Oxus, der jetzt Amu⸗darja heißt.
Freunde, glaubt mir! Pipa de Papi wird q niemars mehr ipa de Papi nennen, ſondern fortan nur noch Ulrike Melchus, bis einſt ein anderer St o eine etwas legitimere Entführung vor⸗ nehmen wird. Und an vieles wird ſie ewig denken, ſo z. B.: an die flüchtigen Lettern, die dennoch tief eingegraben in ihrem
Sitzileiſch ſtehen. Und Otto Höhenflus?! Na— ja—— Otto Höhenflug——
Samarkand
Von Edmund Hoehne
Samarkand hat tauſend und eine Nacht durchträumt, doch nicht nur jene kurzen Zeitſpannen, die zwiſchen Sonnenuntergang und ⸗aufgang liegen, ſondern die, von denen die Bibel ſagt, i 15 tauſend Jahre ſeien vor Gott wie ein Tag oder wie eine
achtwache.
Wie alle Märchen aus tauſend und einer Nacht kann man auch dies nur im Traum ganz erfaſſen; denn es iſt gewoben aus dem Silberglanz des Halbmonds, aus dem Schmelz der Steppen⸗ roſe, dem Schimmer der Farbglaſuren und der blauen Kuppel der ſtolzen Medreſſe Bibi Chanym und dem Grabesdunkel um Timurs, Tamerlans Gruft. Darf ich von Harun al Raſchid nur erzählen, wenn ich in Bagdads Konſulatsbureau meinen Paß vorgezeigt habe? Auch Samarkand habe ich nie betreten, aber ch will ja auch nur Märchen erzählen, zuerſt die der tauſend Nächte, zuletzt das der einen Nacht. Dabei bricht ſchon die tauſendundzweite an. Kein dummes Reiſetagebuch lähmt mein Wiſſen. Der Moſlem geht am liebſten zum Blinden, wenn er Märchen hören will, denn vom Weſen alles Geſchehens ſahen ſeinesgleichen viel mehr. Blinder als der Blinde erzähle ich von Samarkand.„Ich log, mich hab' die Regierung ernannt, Kamele zu kaufen in Samarkand,“ beichte ich wie Liliencron. Niieemand weiß vom Ort Afroſiabs, der Urſtadt auf den nörd⸗ lichen Hügeln, als nur der Sereſſhan. Der aber erzählt nichts weiter. Ehe er es dem Amus⸗daria in die Silberohren flüſtern könnte, verſiegt er im Steppenſand. Nur ein ungeheures Trümmerfeld roher Ziegeln weht hie und da der Steppenwind auf und verdeckt es wieder. Vielleicht ward die Stadt erbaut, ehe der Kuen⸗lün und der Altai ſich aus dem flachen Erdrund auf⸗ falteten, ehe die Arias ſüdwärts gen Indien zogen, die Drawidas verdrängten und die Geſchlechternamen umpflanzten von den Afern des Amufluſſes an die des Ganges. Stand hier die Wiege der Menſ heit— Doch wiſſen wir von Maracanda im Land Sogdiana, der Stadt, die perſiſche Volksetymologie bald leicht in„Samarkand“ wandelte:„Ich ſehe den Ort“.
Alexander der Große eroberte die Stadt; die Sogdianer aber, die ſich zur Schlacht ſtellten und wieder empörten, waren Arier. Und immer weiter wußte der Held ſein Weltreich mit immer neuen, weiteren Schutzringen zu umziehen. Den Syrdarja überſchritt er und ſtand am Fuße des Tien⸗ſchan im Herzen Aſiens. Darum heißt bis auf den heutigen Tag ein Steppenſee nach ihm„Iskander Kul“, zeigt man in Fergana eine rote Fahne ſeines Heeres, nennt ſich der Schafhirt im Pamir ſtolz Enkel des Alexander. Wißt ihr, daß der Held ſeinen Freund Klitus in Samarkand erſchlug, weindumpf und gereizt von trunkenem Spott? Hier regierten griechiſche Generäle als Könige über
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Kläbers Dichtungen üben auf den Leſer eine ſtarke ſuggeſtive Wirkung aus. Der junge Dichter hat das in ſeinen Worten, was uns Georg Groß in ſeinen Zeichnungen gibt. Wir ſehen mit ihm das zermarterte Fabrikgeſicht der grauen Bergarbeiterſtädte. Hohl⸗ wangige Frauen, blaſſe, ärmlichgekleidete Kinder, Männner im Arbeitskittel. Wir wittern den Armeleutegeruch in Hinterhäuſer Enge und ſehnen uns mit dem von Not und Elend niedergedrück⸗ ten Proletariat aus ſtickiger Luft nach Sonne und Weite. Mit den Bergleuten fahren wir in die Schächte, fühlen in dunkler Tiefe die Nähe des Todes.„Wir ſtehen an glühenden Feuern...“ am Martinsofen. Mit Kumpels und Hüttenarbeitern demon⸗ ſtrieren wir auf den Straßen... Marſchtritt hallt... Wir mar⸗ ſchieren. Und die Jugend ſingt:
„Wir Jungen wollen rote Fahnen tragen blutrote, die ſich in den Winden ballen.
Wie Blitze ſich in Wolkenberge krallen,
wie Fäuſte in die blaue Himmelsdemut ſchlagen. Wir Jungen wollen rote Fahnen tragen.“
Ein einfacher Arbeiter ſpricht zu uns. Wie Flammen freſſen ſich eine Worte in unſere Herzen. Sie wecken Begeiſterung und Mut. Sein Ruf:„Empörer empor“.. ſtrafft unſere Rücken. Wir hören von einem beſſeren Daſein, von Kämpfen, Tod und Auf⸗ erſtehungstagen. Hoffnungsvoll weiten ſich unſere Augen, denn wir ſehen das leuchtende Bild der Zukunft im Sozialismus
„Und ahnen tief in unſeren Herzen den neuen Menſchen wie einen Gott.“
So ſtark wirkt Kläbers Dichtung. Seine reifſte Arbeit„Barri⸗
kaden an der Ruhr“, eine Sammlung von Erzählungen. iſt vom
Staatsanwalt beſchlagnahmt worden. In fünf dieſer Erzählungen
werden die Kämpfe ſtreikender oder ausgeſperrter Arbeiter mit
der Polizei oder Soldaten geſchildert, in der ſechſten das hand⸗ heifliche Vorgehen aufgeregter Frauen von ausoeſperrten Ar⸗ eitern gegen den Arbeitgeber ihrer Männer. Die, in blendendem Stil eſchriebene, anſchauliche Darſtellung der Kämpfe wirkt atem⸗ raubend. Das Buch hält den Leſer von der erſten bis zur letzten Seite in Spannung und iſt eine flammende Anklage gegen die
heutige Geſellſchaftsordnung. Dichter, wie Gerhardt Hauptmann
und Mann, verbürgten, ſich für den literariſchen Wert des Buches.
Es hat nichts genützt. Kläbers Verleger und Buchhändler wurden
zu langer Feſtungshaft verurteilt.
Kurt Kläber iſt ſtrenger Marxiſt. Trommler der Revolution. „Ich bin dem Blut und dem Temperament nach mehr Empörer, als ein Reformer.“, ſchreibt er von ſich ſelbſt. Er gleicht dem Ferreol in Jules Romaines„Der Diktator“. Wir achten ſeinen glühenden Idealismus und ſchätzen ſeine Dichtungen. Wen die Not dieſer Tage niederdrückt, wer mit Reſignation auf die Kämpfe der Arbeiterſchaft blickt, aber auch der, welcher mit hoffnungs⸗ vollem Herzen in der Front des Proletariats ſteht— leſe Kläbers Bücher. Sein Blut wird bei dieſer Lektüre raſcher pulſen, ſein Kampefsmut neu erſtarken und er wird ſich mit dem Dichter gläubig nach dem Tage ſehnen wo
„Wir der Arbeit arme Froner ſind befreit von Nucht und Pein, ſind der Erde kühne Throner, ſind ihr Leben und ihr Sein.“ Aus dieſer Sehnſucht werden neue Taten wachſen.
*. Die Gedichtsproben ſind dem Buch„Empörer empor“ ent⸗ nommen.


