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Volk-Kunst-Wissen / für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint
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Schon früher wurde hervorgehoben, daß Stöcke, die mit dem Ziel nicht zuſammengeſehen werden konnten, nicht ſo leicht als Werk⸗ zeug benützt wurden. Steht nun ein Tiſch feſt in einer Ecke, ſo kommt der Schimpanſe nicht darauf, ihn als Werkzeug zu verwen⸗ den, auch wenn er ſonſt keinen brauchbaren Gegenſtand findet. Er wird dann nicht alseinzeln exiſtierend aufgefaßt.Es gibt eine Art optiſcher Feſtigkeit, ſagt Köhler. die das Abtrennen als Ver⸗ ſtandesleiſtung ebenſo erſchwert, wie die ſtärkſten Nägel das prak⸗ tiſche Losreiſen verhindern.

Das genaue Studium beſtätigt auch die von Tierliebhabern oft gemachte Beobachtung von der Verſchiedenheit der tieriſchen Individualitäten. Wer kennt nicht aus dem Umgang mit Hunden beiſpielsweiſe die großen Unterſchiede ihrer Charaktere und ihrer Intelligenz? Im hochbegabten und leicht reizbaren Sultan, der Wutanfälle bekommt, wenn ihm nicht ſofort alles gelingt, in dem tückiſchen, bösartigen Grande, der Hühner heranlockt, um ſie zu quälen, der dummen gutmütigen Rana, die das Geflügel füttert und die kleine Koko betreut, dagegen alles verſucht, ohne je zu einem Ziel zu kommen, der Sportdame Chika und derrätſelhaft bleibenden Tercera haben wir ganz verſchiedene, eigenartige Per⸗ ſönlichkeiten vor uns.

Geben Köhlers Unterſuchungen ein Bild von den geiſtigen Fähigkeiten der Schimpanſen, wie es ſich im Werkzeuggebrauch Bauen uſw. offenbart und von einigen Erſcheinungen ihres ſozialen Lebens Spiel, Mode, Sport, ſo gewinnen wir aus den Beobachtungen Schjelderupp⸗Ebbes Aufſſchluß über andere Bereiche des geſellſchaftlichen Verhaltens der Tiere. So jand dieſer Forſcher, daß ſich auf einem Hühnerhoſe nach kurzer Zeit eine Rangordnung herausbildet, derzufolge ein Huhn nach einem zweiten hackt, während dieſes zwar ein drittes h

hackt jetzt das nächſte, wieder nicht die Angreiferin. Schjelderupp⸗ Ebbe nennt das eine Hackliſte im Dreieck. Nur zuweilen findet Auflehnung eines untergeordneten Individuums ſtatt, dann wird durch Kampf das für die Zukunft wieder bindende Verhältnis ent⸗ ſchieden. Das geſellige Leben der Tiere in Herden, Schwärmen, Staaten, Rudeln, das frühere Forſcher aus der Familie abzulelten ſuchten, beruht nach neuerer Beobachtung auf einem eigenen ſozialen Trieb. Alverdes*) unterſcheidet in ſeiner Tierſoziologie ſolitäre(einſame) und geſellige Tiere, zu denen nur die höchſt ent⸗ wickelten Tierarten: Tintenfiſche, Inſekten, Wirbeltiere, gehören. Das Bedürfnis nach gemeinſamem Leben mit ihren Artgenoſſen iſt bei dieſen Tieren ſo entwickelt, daß es ſie gelegentlich ſogar dazu treibt, günſtigere Lebensumſtände mit ſchlechteren zu vertauſchen. Während es bei einſamen Tieren nur zuAnſammlungen kommt (Mücken, Schmetterlingen an einer Lichtquelle, Totengräber an Mäuſeleichen, Blattläuſen auf Blättern uſw.), bilden ſich bei ſozialen Tieren, die durch Zufall zuſammengeführt werden, bald die mannigfachſten Beziehungen: Führer⸗ und Anhängertum, Schutzverhältnis(Krapotkinsgegenſeitige Hilfe), Spiel⸗ und Kampfgemeinſchaften heraus.

Die Staatenbildungen der Inſekten haben ſeit langem die Forſcher beſchäftigt; ihre Ergebniſſe ſind in weite Kreiſe ge⸗ drungen. Bekannte Darſtellungen in leicht faßlicher Form ſind Maurice MaeterlincksLeben der Bienen und Bonſels Biene Maja. Der Fortpflanzungs⸗ und Brutpflegeinſtinkt führt zu den verſchiedenſten Formen der Eheſchließung und im Falle ſich beide Elternteile oder einer derſelben der Aufzucht der Jungen widmet, zu Elternfamilien, Vater⸗ und Mutterfamilien. Vom regelloſen Geſchlechtsverkehr an, der ſelten iſt, ſich vorwiegend nur bei ſolitären Tieren findet, kommen alle möglichen Geſchlechts⸗ beziehungen vor, ähnlich wie ſie das Studium der primitiven Völker aufgedeckt hat. Einehe und Vielweiberei, Dauerehe und Zeitehe(ſie überdauert nicht eine Fortpflanzungsperiode) uſw. und zwar ſowohl bei einſamem Leben wie auch innerhalb der Herde. So hat jeder Hahn ſeinen Harem, der Haremsbeſitzſtand der männlichen Tiere bleibt aber auch bei den in Herden lebenden Zebras, Känguruhs, Makaken(einer Affenart) bewahrt. Be⸗ ſonders bemerkenswert iſt es, daß ſich die Geſchlechter mancher Tierarten, die in Saiſonehe leben, nach der Fortpflanzung trennen und männliche und weibliche Verbände bilden. Bei Wildſchwein, Edelhirſch und Damhirſch werden die in einem Verband leben⸗ den Weibchen bis zum nächſten Frühling von den Jungen begleitet; 3 entſtehen Mütterherden, während die jüngeren zeugungs⸗ fähigen Männchen ſich zu Männerrudeln zuſammenſchließen und die älteren Männchen einſiedleriſch leben. Hier werden wir an Männer⸗ und Frauenhäuſer bei manchen Naturvölkern erinnert. 3 Die wiſſenſchaftliche ſyſtematiſche Tierbeobachtung gewährt uns Einblick in die Welt von Lebeweſen, in die wir bisher nur auf dem Wege von Phantaſie und Spekulation gelangen konnten, ein Weg, der ſich oft als irreführend erwies. Constanze Glaser.

Das Geheimnis der Kokosperle

Uralte Üüberlieferung weiß zu berichten, daß im Hohlraum der Kokosnuß oftmals eine eigenartige, birn⸗ oder kugelförmige

)Tierſoziologie, Forſchungen zur Völkerpſychologie und Soziologie; Homageehen von Thurnwald; Verlag Hirſchfel? (Leipzig); B. I.

acken, nicht aber ſeine Angreiferin zurückhacken darf; das gehackte Huhn

Steinbildung auftritt. Dieſe Bildung iſt außen vollkommen glatt, in ihrer Färbung milchweiß und ihre chemiſche Zuſammenſetzung ſtimmt ziemlich mit der der Auſternperle überein. Schon der Bo⸗ taniker Rumphius beſchrieb dieſeKokosperle in ſeinem be⸗ rühmten Herbarium. Wiſſenſchaftlich eingebender wurde ſie aber erſt um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ſtudiert, ohne daß man über das Geheimnis ihrer Entſtehung bis in die letzte Zeit Aufklärung erlangt hätte. Nunmehr gelang es Dr. Hunger in

Amſterdam, gelegentlich einer Studienreiſe durch Niederländiſch⸗

Indien, ders Rätſel zu löſen.

Wertvolle Fingerzeige bei ſeinen Forſchungen waren die An⸗ gaben von einheimiſchen Augenzeugen, welche die Kokosperlen immer an jener Stelle im Kokosfleiſch feſtſitzend fanden, wo ſich das Keimblatt bei der Keimung des Samens zu einem Saugorgan (Gauſtorium) ausbildet. In der inneren, ſehr harten Frucht⸗ ſchale finden ſich drei runde, vertiefte Stellen, die ſogenannten Keimlöcher, Eines davon iſt gewöhnlich mit einer häutigen Wand bekleidet, während die anderen durch feſte Wände abge⸗ Gloſen ſind. Der junge Keimprozeß findet nun bei der Keimung urch das erſte Keimloch ſeinen Weg nach außen. Es kann aber vorkommen, daß neben dem erſten Keimloch nur noch ein zweites vorhanden iſt oder daß überhaupt die beiden anderen fehlen. Am ſeltenſten iſt aber der Fall, daß überhaupt gar keine Keimlöcher vorhanden ſind. Solche Kokosnüſſe ohne Keimlöcher werden von den Eingeborenen alsblinde Kokosnüſſe bezeichnet und gelten als beſonderer Talisman. Hunger ping nun von der Annahme aus, daß gerade ſolche Nüſſe für die intereſſante Perlenbildung in Betracht kommen und trachtete, ſolche Kokosnüſſe als Unter⸗ ſuchungsmaterial in die Hand zu bekommen. Seinen Bemühungen gelang es, acht Stück dieſer koſtbaren Kokosnüſſe zu erhalten und ſie zu öffnen. Sieben Nüſſe ergaben kein Reſultat, aber die achte Kokosnuß barg eine wunderbar ausgebildete Perle, die knapy unter der Stelle eingebettet lag, wo normalerweiſe ſonſt die Keimlöcher ihren Platz haben. Die Frage nach der Entſtehung der Kokosperle war nunmehr einfach zu beantworten. Sie ſtellt eigentlich nichts anderes als das verſteinerte Saugorgan dar. Es blieb erhalten, als die Keimung dadurch zum Stillſtand kam, daß die Keimlingſpitze beim fortſchreitenden Wachstum keine Möglichkeit fand, die innere Fruchtwand zu durchbrechen. Durch die vorhandene Kokosmilch überkruſtete ſich das Saugorgan mit Kalkſalzen und wurde ſo zur vielbeſtauntenKokosperle. Ein Seitenſtück zu dieſer intereſſanten Steinbildung erblickt Hunger in der Verſteinerung oder Mumifikation menſchlicher und tieriſcher Embryonen..

Ewald Schild, Leiter des Mikrobiologiſchen Inſtituts in Wien, gibt dieſen Bericht in derUrania.

Schach⸗Ecke

Die Schachecke wird bearbeitet von J. Frankfurt a. M. ſchriften und Löſungen zu ſenden ſind

Aufgabe Nr. 96 E. Opitz(Dresden)

Bruchhäuſer.

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Jlat in Zugen Enoſpielſtudie Nr. 45

HI. Rink Stellung: Weis K d 4, I d, I. d 7. Bf 4(4). Schwarz: Kg I,

B b 2, b 6, g 6(4). Weiß zieht und macht remis. 1 Das B b 2 ist dirékt nicht aufzuhalten, Weiß sucht

Lösung: ein Patt. Also: 1. Ld7 f5, gͤ6 f5; 2. Kd4A4 e, b 2 b1D,; 3. Id8 di+ D X✕ I. Weiß ist Patt.

Für die Schriſtleitung verantwortlich: Oscar Quint.

Waldſchmidtſtraße 29:; wohin auch alle Zu⸗

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