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Hunger! Niemals habe ich ſolchen Hunger gehabt..Ich muß
anlegen laſſen.
Zeit, zurücktreten müſſen hinter den Pflichten gegen den Mann, der noch auf dem Standpunkt jeines alten, für ihn bequeneren Beſttzrechtes ſteht.
Ein anderes tragiſches Kapitel iſt die Konkurrenz⸗
frage, Auch im Berufe war ſeither der Mann der Beſitzende, der
aberlegene. Er hatte ſich nicht nur eine Reihe von Berufen als Privileg geſichert; er hatte auch ganz andere Ausbildungsmöglich⸗ keiten als die Frau. Der Kampf gegen Frauenarbeit iſt noch längſt nicht entſchieden. Wir ſind augenblicklich im Stadium des Wett⸗ laufs, und die Frau hat den Mann überflügelt, nicht etwa in eiſtiger oder kaweriſcho⸗ oder beruflicher Erztehung, ſondern ein⸗ jfach in Hezug auf die daſcher durchſetzt, weil ſie ihr Gewinn bringt, ſelbſt wo ſie ſich deſſen nicht bewußt iſt. Auch der Männertypus wird ſich ändern, und erſt, wenn die vſchlechter in Kameradſchaft Hand in Hand der neuen Zeit entgegengehen, wird das verſchwinden, was uns heute noch als Disharmonie erſcheint. Anna Blos(Stuttgart).
Seekſches und geſellſchaftliches Leben der Tiere
Die methodiſche Erſorſchung des Seelenlebens der Tiere geht von amerikaniſchen und engliſchen Pſychologen aus, welche den Verſuch machten, die Verhaltungsweiſen von Lebeweſen in natür⸗ lichen, nur vorſichtig varlierten Situationen von außen her ſyſte⸗
matiſch zu beobachten, um auf dieſe Weiſe Aufſchluß über deren
geiſtige und ſeeliſche Fähigkeiten zu erhalten. Deutſche Gelehrten Übernahmen dieſe Methode, an exakte Beobachtung Deutung ſinn⸗ vollen Verhaltens fügend. Eine der intereſſanteſten Arbeiten aus dieſem Problemkreis iſt die von W. Köhler„Intelligenzprü⸗ fungen an Anthropoiden“(Abhandlungen der preußiſchen Aka⸗ demie der Wiſſenſchaften). In der zu Teneriffa unterhalte⸗ nen Schimpanſenverſuchsſtation wurde das Verhalten dieſer Tiere bei geſtellten Aufgaben, wie ſolche ihnen auch im Leben in der Freiheit vielfach erwachſen, genau beobachtet und regiſtriert. Dabei handelt es ſich um ein oft erſtmaliges Finden von Löſungen, alſo um Verſtandesleiſtungen, keineswegs nur um eingelernte Tätigkeiten(Dreſſur) oder durch häufige Wiederholung zuſtande gekommene. Die Aufgabe eine Banane oder ſonſt eine beliebte Frucht hereinzuholen, die das Tier vom Gitter aus jehen, zu der es aber nur auf dem Umweg durch eine hinter ihm gelegene Käfigtüre gelangen kann, wird leicht gelöſt. Auch Hunde brachten
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ndlung in der neuen Zeit, die ſich bei ihr
dies fertig, während Hühner dazu nicht imſtande waren. Schwieriger ſchon war es, ſich ein Ziel zu verſchafſen, das außer⸗ halb des geſchloſſenen Käfigs lag und mit den Armen nicht er⸗ reichbar war. Stöcke, die im Käfig lagen, wurden bald zu Hilſe euommen, als„Werkzeug“ benützt, wenn ſie ſich in derſelben
ichtung wie das Ziel befanden, alſo mit dieſem zuſammen ge⸗ ſehen werden konnten. Lagen ſie in einer Ecke, ſo ſchien es ſchwerer auf ihre Verwendbarkeit zu kommen. War dieſe aber einmal ent⸗ dectt, he wurden ſie herbeigeholt, wo immer ſie ſich befanden. In ähnlicher Weiſe wurden Decken, Lappen, Stäbe verwendet. Die Tiere riſſen ſogar Zweige von einem im Hintergrund des Käfigs frehenden Baum ab und beniützten ſie als Armverlängerung. Eine andere Situation lag vor, wenn ein Körbchen von der Decke herab⸗ hing, in dem ſich eine Frucht befand. Waren Stöcke zur Hand, ſo wurde ſo lange auf das Körbchen geſchlagen bis die Frucht heraus⸗ fiel. Fehlten dieſe, ſtanden aber Kiſten im Raum, ſo wurden ſie unter das Ziel geſchoben und übereinander getürmt, der„Bau“ vorſichtig erſtiegen und das Ziel heruntergeholt. Auch wenn keine
Kiſten da waren, wußten die Schimpanſen ſich zu helfen. Der durch
den Raum gehende Verſuchsleiter oder Wärter wurde bei der Hand genommen, trotz ſeines Sträubens unter das Ziel gezerrt und als Leiter benützt. Ebenſo verſuchte Sultan, der intelligenteſte der Affen, der immer als erſter die Löſung der Aufgaben fand, einen Kollegen zu benützen, der aber ſeine Abſichten nicht ver⸗ ſtund oder ſich nicht als Leiter gebrauchen laſſen wollte. Der Deckel er Abflußgrube, der mit Eiſenriegeln verſchloſſen war, wurde von den Tieren beſeitigt; als der Verſchluß feſter gemacht worden war, wurde ein Stock zu Hilfe genommen: der„Hebel“ war entdeckt. Ge⸗ tränke wurden mit Strohhalmen aus einer Trinkſchale ausge⸗ löfſelt. Ein bei einzelnen Schimpanſen, ſo der fleißigen Chika, be⸗ liebtes Spiel war der Kletterſprung: ſie lief auf einem mit den Händen gehaltenen Stock in die Höhe und ſprang ſchnell ab, bevor derſelbe noch umfallen konnte. Das Spiel ging in Ernſt über, ſo⸗ bald der Kletterſprung zum Herunterholen eines Zieles ver⸗
wendet wurde.
Zu beſtimmten Zeiten wurden beſondere Spiele bevorzugt.
Es entfaltete ſich etwas wie Sport oder Mode. So war vorüber⸗
gehend das Fiſchen ſehr beliebt. Mit den aus dem Gitter hinaus⸗ gehaltenen Halmen, die vorher abgeleckt worden waren, ſtanden die Schimpanſen und harrten der Ameiſenzüge. Oder das Malen kam in Mode; mit Ton wurde dann alles angepinſelt. Auch
Koſtümfeſte wurden mit Hilfe bunter Lappen aufgeführt.— Die
Tiere boten ein ganz anderes Bild, je nachdem ſie nur ſielten
oder mit Löſung einer Aufgabe beſchäftigt waren. Eine große Rolle ſpielte das optiſche un beſch 4 i
ut in ihren Leiſtungen.
mich beherrſchen, um nicht die Blumen und die Kränze zu ver⸗
ſchlingen. Aber jetzt ſitze ich in der Patſche und kann nicht mehr
zurück. Hoffen wir wenigſtens, dan ſich der Vetter Vogellaus meines Magens erbarmt und mi e 4 zu einem anſtändigen Happen⸗Pappen einlädt, wie es in ſolchen Fällen üblich iſt.“
Eine Grabesſtimme wird vernehmbar:
„Die Herren von der Familie.“—.
Und Tuellerich fühlt, wie ihn der Witwer beim Arm packt.
„Bleiben Sie in meiner Nähe Sie ſind der einzige, der mir wmpathiſch iſt. Sie hätten ſicher nicht die Siegel von Gerichtwegen .. Aber denen werde ich ſchon noch einen Streich pielen, an den ſie denken werden. Oh, dieſe ſelbſtſüchtigen Menſchen! Sie wenigſtens ſind ganz ſelbſtlos gekommen, nur um eine Pflicht zu erfüllen. Das werde ich Ihnen nie vergeſſen.
Und er deückte Tuellerichs Hand mit aller Kraft.
Tuellerich iſt dazu verdammt, hinter dem Sarge herzugehen;
2n. ſeiner Seite ſchreitet Vogellaus, der ihn unter den Arm ge⸗ faßt hat.
„Werde ich bis zum Ende durchhalten können?“ meint der Unglückliche mit einer Leichenbittermiene, die ſo recht zu der trau⸗ rigen Zeremonie paßt.„Wieviel Kilometer werde ich noch mit knurrendem Magen zurücklegen müſſen?“
Diesmal überkommt Tuellerich die Wut. Die Ttränen ſteigen ihm in die Augen.
„Sie ſind bewegt, lieber Vetter,“ murmelt Vogellaus.„Das ſoll Ihnen unvergeſſen bleiben. Ich ſehe, daß Ihre Familie nicht nur aus Lumpen beſteht, daß auch ein Ehrenmann darunter iſt... Daran werde ich denken...“
Und während ſie weitergehen:
„Ach, welch ein Verluſt für mein Haus! Bedenken Sie nur, eine Köchin, die einzig daſtand. Welch eine Künſtlerin war ſie in der Zubereitung eines Ragouts mit Paprika Ich ſehe ſie noch, wie ſie ihre Hammelbruſt auflaufen läßt und Zwiebel und Knoblauch dazu hackt.. Mit wieviel Luſt und Liebe ſchichtete ſie in der Terrine die Speckſchwarten, das Hammelfleiſch, die grünen Bohnen, die Wurſt und das geriebene Brot, um dann alles zu⸗ jammen röſten zu laſſen. Welch ein Duft, mein Lieber, welch ein
Duft! Und dann ihre Seezungen⸗Filets Man kam aus der
Provinz eigens zu uns, um ihre berühmten Seezungen⸗Filets zu koſten. Wenn der Kunde ſie mit Kartoffeln und in Butter ge⸗ bratenen Artiſchocken umrändert auf der Schüſſel erſcheinen ſoh, dann konnte er nicht mehr an ſich halten. Und das geſchmorte
beim Verlaſſen des Friedhofs
auch nach
Rinderfilet, die Spezialität meines Hauſes, und die wundervollen
gefüllten Omeletts! Alle zehn Finger leckte man ſich danach..“ „Oh, hören Sie auf, hören Sie auf,“ murmelte Tuellerich be⸗
ſchwörend.„Mir bricht das Herz dabei.“
„Armer Kerk, wie Sie darunter leiden...“
Tuellerich denkt:
„Ich werde mich beim Leichenſchmaus entſchädigen, aber nicht
zu knapp!
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Endlich, nachdem man zwei Stunden gelaufen iſt, kommt man
zum Friedhof. Die Zeremonie iſt kurz. Tuellerich hört, wie jemand
von der Familie gleichgültig ſagt:
„Alſo, dann ſind wir uns einig; wir treffen uns, wie ver⸗ abredet, in dem kleigen Kaffee an der Ecke, im„Lebensglück““
„Recht ſo, erwartet mich dort.“ meint der Witwer;„beſtellt Wein, Sardinen und Aufſchnitt. Ich gehe ſchnell zum Steinmetz und bin gleich wieder da
Dann ſchiebt er ſeinen Arm unter den Tuellerichs, der wieder
Vertrauen gefaßt hat.
„Kommen Sie mit mir, Sie guter Verwandier, der einzige lelbſtloſe Verwandte..Kümmern Sie ſich nicht um all dieſe
herzloſen Menſchen, die nur an Eſſen und Trinken denken. Wie ſchlecht iſt doch
ie Welt!“ Er ſchleppt Tuellerich mit ſich über den Friedhof. Nachdem ſie ein gutes Stück hin⸗ und hergelaufen ſind, langen
ſie bei der Tür des Kaffees an. Vogellaus beginnt zu lachen:
„Die ſollen warten, bis ſie ſchwarz werden, die Lumpen! Sie lauern nur auf mich, um von der Erbſchaft zu ſprechen. Ekelhaft, Kommen Sie, Sie guter Kerl, Sie dauern mich, Sie ſind gano
Er ſtößt Tuellerich, der einer Ohnmacht nahe iſt, in ein Auto. „Montmartre!“ befiehlt er. Der Wagen ſauſt los. „Jede gute Tat findet ihren Lohn, darum bringe ich Sie jetzt Hauſe. Wie leidend Sie ausſehen. Tuellerich. Die Er⸗ regung, wie? Einen guten Rat epen Sie heute abend nichts. Trinken Sie bloß etwas Kamillentee. Und morgen ein großes Glas Rizinus, damit Sie einmal ordentlich abführen... Laſien Sie bald von ſich hören“
Er ſetzt den Vetter vor ſeiner Tür ab..
„Und vor allem, wenn Sie ſo gegen Mittag mal wieder bei mir vorbeikommen, dann eſſen Sie einen Happen mit mir; laſſen Sie ſich nich lange norigen. Ich mache nicht viel Umſtände, denken Sie daran.“


