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§ as macht den eigentlichen Unterſchied der bürgerlichen und proletariſchen Politik aus: die erſtere ſpricht fortwährend von llgemein⸗ ntereſſen, will aber den Staat nur ihrem Sonderintereſſe dienſtbar machen und kann auch gar nichts anderes, Es gehört zum Weſen
der bürgerlichen Politik, die Worte von Bolkswohl und Volksfreiheit zu bloſzen Phraſen und Verhüllungen von partiellen Herrſchafts⸗
intereſſen zu machen. Die proletariſche Politik dagegen ſpricht prinzipiell nur von Klaſſenintereſſen, ſie will das Intereſſe der Beſitzloſen und Kus⸗
gebeuteten zur Herrſchaft bringen, aber nur damit Beſitzloſigkeit und AKusbeutung überhaupt verſchwinden. Während alſo die proletariſche Polltik
nur für Sonderintereſſen des Proletariats zu wirken ſcheint, vertritt ſie in dOer Tat— und ſie allein— Allgemeinintereſſen. Denn ſie will den Staat
nur erobern, um an ſeine Stelle eine ſolidariſche Geſellſchaft zu ſetzen, eine Geſellſchaft, in der die Laſten der Gemelnſchaft auf alle gleichmäſzig ver⸗
teilt werden, aber auch der Genuſz der geſellſchaftlichen Kultur allen gleichmäſzig zuteil werden wird.
May Adler.
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Anſere Aufgabe Ein Wort zur Gaukonferenz der Jungſozialiſten
Kd. Nach den neueſten Beſchlüſſen des Reichsausſchuſſes der Jungſoßtaliſten und des Parteivorſtandes in Berlin hören die Jungſozialiſten endgültig auf, eine ſelbſtändige Or⸗ ganiſation innerhalb der Geſamtpartei darzuſtellen. Wären wir bisher überhaupt eine ſelbſtändige Organiſation geweſen,
hätten wir nicht ſtillſchweigend und ohne Diskuſſion dieſen Be⸗ ij
ſchluß entgegengenommen. Unſer gleichgültiges Verhalten gegen⸗
über der innerorganiſatoriſchen Veränderung beweiſt nicht etwa
unſere Müdigkeit, ſendern nur die ſchon alte Tatſache, daß wir uns keineswegs als ſelbſtändige Organiſation innerhalb einer Organiſation fühlten. Dieſe irrtümliche Auffaſſung, die in die Partei durch einige der Jugend und den Jungſozialiſten fern⸗ ſtehenden Genoſſen hineingetragen wurde, führte auch zu ſelt⸗ ſamſten Vorſtellungen über das Weſen und über die Ziele der Jungſozialiſten.
„Wenn wir eine Gaukonferenz der Jungſozia⸗ liſten abhalten und über einige innerorganiſatoriſchen Fragen
ſprechen wollen, dann darf von den älteren Parteigenoſſen eine
derartige Konferenz nicht als überflüſſig und gar ſchädlich be⸗ zeichnet werden, ſondern unſere älteren Parteigenoſſen ſollten einmal darüber nachdenken, warum die Jungen in der Partei ſich enger zuſammenſchließen wollen, und warum ſie für Whren Zu⸗ ſammenſchluß gerade die Form der jungſozialiſtiſchen Gemeinſchaften gewählt haben. Denn die Jungſozialiſten⸗ gruppen ſind nicht aus einer organiſatoriſchen Spielerei heraus
entſtanden, ſondern aus dem Willen heraus, als Jun geſelb⸗
ſtändig mitzugeſtalten an dem Werk des politiſchen und ſozialen Aufbaus.
Lag es allein an den Jungen, daß ſie dieſe Aufgabe nicht er⸗ füllen konnten? Frage erzwingt Antwort: Haben alle verant⸗ wortlichen Kräfte an der geſtaltenden Arbeit ihr Ziel erreicht und verwirklicht? Keine Schuldfrage ſoll aufgerollt werden, und kein Vorwurf der Jungen gegen die Alten erhoben werden, denn wird die Frage an uns gerichtet, was wir in den letzten Jahren Poſitives geleiſtet haben, dann verſchweigen wir ver⸗ ſchämt die Antwort.
„Begeiſtert war unſer Anſturm auf die neuen Aufgaben der jungen Generation, und wir fühlten uns innerlich beglückt durch die Selbſtauferlegung einer Aufgabe, aber raſchen Laufs erreicht man kein Ziel, wenn der Zielpunkt in weiter Ferne liegt. Wenn wir heute bei ehrlicher Betrachtung eine Bilanz ziehen und uns fragen, welche Wirkung wir als Jungſozialiſten
ausgeſtrahlt haben, dann ſollen wir den Mut aufbringen zur
ehrlichen Bekennung: gering war unſer Erfolg. Und hier kommen wir wieder zu unſerer Ausgangs⸗ betrachtung. Nicht als ſelbſtändige Organiſation haben wir die
Jahre hin verſucht, nach außen oder nach innen zu wirken, Ein⸗
fluß zu gewinnen, oder die Partei in ihren Entſchlüſſen zu be⸗ einfluſſen, obwohl gerade hier eine ſehr dankbare Aufgabe ſür eine politiſch außerordentlich regſame junge Generation in der Partei wäre, ſondern wir haben uns immer als beſcheidene Gruppe zurückgehalten, und nur eine etwas weiter⸗ reichende Erziehungsaufgabe innerhalb der prole⸗ tariſchen Jugendbewegung geleiſtet.... Die Jungſozialiſtenbewegung hat ſich jetzt ſelbſt ihr Urteil geſprochen: der Reichsausſchuß der Jungſozialiſten iſt ein An⸗
hängſel des Reichsausſchuſſes für ſozialiſtiſche Bildungsarbeit geworden. Nun haben wir die endgültige Charakteri⸗ ſierung der Jungſozialiſten als ausgeſprochene Bildungsgemeinſchaft. Hatten wir vorher immer noch in dem Ludergeruch einer ſelbſtändigen und gar vielleicht Politik treibenden Jungſosialiſten„organiſation“ geſtanden, ſo ſind wie jetzt durch die übernahme vollkommen entmündigt worden. Sollen wir dieſer Entmündigung eine Träne nachweinen?
Wenn wir eine aktive und wirkliche Politik treibende Jungſozialiſtenorganiſation geweſen wären, wenn wir die Partei in ihren politiſchen Entſchlüſſen beeinflußt, und wenn wir eine derartige geiſtige Bedeutung innerhalb der Geſamtpartei— hätten, dann wäre ein ſtür⸗ miſcher Proteſt der Jungſozialiſten gegen dieſe„Entmündigung“ los gegangen, es wäre in der Partei zur inneren Revolu⸗ tionierung gekommen. Aber tröſtet euch, liebe älteren Partei⸗ genoſſen, ſo gefährlich waren niemals die Jungſozialiſten geweſen, ihnen fehlte nicht nur der Wille, ſondern weit ſchlimmer, ihnen ſohtt⸗ die klare geiſtige Haltung. Und nun, wo ſich langſam eine ſolche geiſtige Entwicklung herausentwickeln will, iſt es zu ſpät. Schon ſind wir ein Glied des Reichsausſchuſſes für ſozialiſtiſche Bildungsarbeit geworden, und unſere Aufgabe wird zukünftig darin beſtehen, die Bildungsinſtruktionen des Reichsausſchuſſes zu empfangen und in unſeren Gruppen durch⸗ zuführen. Ob man unſere ſcheinbar ſelbſtändigen Gruppen auch
noch auflöſen wird, das iſt noch keine Frage der unmittelbaren
Gegenwart, ſondern eine Frage des geeignetſten Zeit⸗ punktes. Alſo warten wir noch auf die Vollſtreckung des Todesurteils! Eine Bewegung, die aus ſich heraus keine Initiative beſitzt, die mit keiner Idee und mit keinem Gedanken die Geſamtpartei beeinfluſſen und beſtimmen kann, verdient auch. keinen ſchöneren Tod!...
Grotesk hören ſich eigentlich dieſe Worte in einem Be⸗ grüßungsartikel an da wir aber ehrlich ſein und nicht immer die abgegriffenen Phraſen, ſondern ganz nüchtern den geiſtigen Beſtand unſerer Jungſozialiſtenbewegung aufnehmen wollen, des⸗ halb wollen wir auch mit einer ſachlichen Betrachtung unſere Konferenz eröffnen, keine Selbſtbeweihräucherung treiben, ſondern ſehen, was iſt, und nun Aufgaben formulieren, die wir im Rahmen der Geſamtpartei leiſten können. um unſete Exiſtenzberechtigung zu beweiſen...
Ohne euig Ha nen wollen wir einmal feſtſtellen, welche Aufgabe uns eigentlich verblieben iſt. überheblich wäre es, zu ſagen, daß wir andere Aufgaben hätten wie die Partei und die Erwerſſchaften. Man ſoll uns nicht mit der Phraſe kommen, daß wir allein die ſittliche Erziehung zu leiſten hätten, oder gar
ſchon leiſten, denn der vielaerühmte ſozialiſtiſche Menſch iſt noch
nicht aus der jungſozialiſtiſchen Bewegung auferſtanden, und er wird auch ſo bald ſeine Auferſtehung nicht feiern. Was bleibt dann noch übrig, um überhaupt lebensberechtigt zu ſein, und um eine Gaukonferenz abzuhalten? Eigentlich eine ſehr banale Tat⸗ ſache bleibt noch zu erwähnen übrig... Tun wir uns deshalb aber nicht wichtig, und unterſchätzen wir ſie auch nicht. Jetzt kommt eine bittere Feſtſtellung für unſere älteren Parteigenoſſen und ein kleines Lob für unſere Jungſozialiſten. Wo findet man den ehrlichen WMillen zur theoretiſchen Arbheit innerhalb der ſozialiſtiſchen Arbeiterbewegung? Gewiß, auch in unſerer Partei und in den Gewerkſchaften und ſonſtigen Organiſationen wird theoretiſiert“⸗


