einen Augenblick daran, den Leuten hier alles zu erzählen, wie Robespierre damals ihr Haus verlaſſen hatte, doch gab ſie es auf, denn wer— außer Danton vielleicht— hätte es gewagt, über jemanden zu lachen, der die Macht über Leben und Tod beſaß? ſaſß, bospiere aber ſaß mit erregt ſpielenden Fingern oben auf ſeinem Tiſch, die kalten Mörderaugen auf jene Frau ge⸗ richtet, der einzigen, der er ſich jemals in ſeinem mönchiſche Leben genähert hatte und die ihn auf ſo eine furchtbar lächer⸗ liche Weiſe zum Teufel gejagt hatte, er aber würde ſie jetzt zu einem anderen Teufel jagen. Und noch einmal zogen die Ereig⸗ niſſe von damals an ihm vorüber, während die Federn der Schreiber das Todesurteil kratzten. Ein Bekannter hatte ihn damals, als er noch nicht dieſer zuge⸗ knöpfte Zelot geweſen war, mit in das Haus der Gräfin ge⸗ ſchleift. Er trug damals, ſchlicht, wie er war, die langen Bein⸗
kleider der Sansculotten, die Pantalons. Die Gräfin kokettierte
ſehr ſtark mit ihm, da man ihn einen ſehr begabten Menſchen nannte; ſchließlich verlockte ſie ihn dazu, ſich in ihre Schlaf⸗ gemächer zu begeben, forderte ihn auf, ſich einſtweilen zu ent⸗ kleiden, ſie käme nach. Man beobachtete ihn durch das Schlüſſel⸗
loch; das Schlafpulver, das die Gräfin ihm in einem Weinglas
zugeführt hatte, wirkte raſch, er ſchlief ein, man ſtahl ihm die Hoſe. Als er aufwachte, war es Morgen, er fand ſich allein, be⸗ ſann ſich, wurde finſter vor Wut, klingelte, befahl ſeine Kleider und da vermißte man ſeine Hoſe. Im ganzen Hauſe war ſie nir⸗ gends zu finden. Die Gräfin war ausgefahren. Man bot ihm andere an. Aber es waren natürlich nur Kniehoſen in dieſem Hauſe. Wie der Adel ſie trug. Aber wie konnte er, Robespierre, der das Volk erlöſen wollte, in den Kleidern der Vornehmen ſich in Paris ſehen laſſen? Das hätte man nun gar zu gerne geſehen und nur dieſerhalb war das ganze inſzeniert. Aber Robespierre war das, was die Geſchichte von ihm behauptet, einer, der ſeinen Idealen niemals untreu wurde und er ließ eine
Droſchke kommen an das Haus der Gräfin, beſtieg ſie in ſeinen
wollenen Unterhoſen, fuhr, bleich vor Demütigung, nach Hauſe und viele Leute hatten ihn auf dieſer Fahrt, beim Ein⸗ und Ausſteigen beſonders, mit brüllendem Gelächter überſchüttet. Aber er glaubte, von keinem Bekannten geſehen worden zu ſein — jedenfalls hat ihm gegenüber niemals jemand davon ge⸗
ſprochen; das geſchah aber nur deshalb, weil bereits einige Tage
darauf ſeine Karriere begann; in Wirklichkeit hatten alle ſeine Bekannten Spalier gebildet, um dieſen Anblick zu haben.
„Sagen Sie noch, Bürgerin,“ begann Robespierre noch ein⸗ mal,„was wollte eigentlich der Graf von Ihnen?“
„Geld.“ ſagte Madame Fifo.
„Fifo, ja, Fifo, aber natürlich, Fifo,“ ſchrie da Danton, das iſt der Bankier, der dem Tribunal eine ſo große Zuwendung gemacht hat! Robespierre— Fifo! weißt du denn gar nicht
mehr? Eine Million Frank hat der wackere Mann für das Vater⸗
land geſtiftet und wir ſind imſtande und ſchicken ſeine Frau— und ſogar noch ſo eine reizende Frau— auf das Schafott. Die Hände frei, ſage ich—— k!!“—
„Geduld, Geduld, nicht ſo haſtig,— Robespierre trommelte
auf der Tiſchplatte, er machte ein Geſicht, als hätte er Salz und
Zitronen verſchluckt— wenn es ſo iſt, müſſen wir die Ange⸗
legenheit vertagen!“ Da der Graf Lagrace bereits ſchon einen
Tag vorher hingerichtet worden war, der Bankier bereit war, der
neuen Verfaſſung mit einigen weiteren Millionen unter die
Arme zu greifen und Robespierre um des Anſehens ſeiner Ge⸗ rechtigkeit willen die perſönlichen Motive ſeiner Nachſucht nicht
auf die. Wagſchale legen durfte, war Angslique Fifo nach zwei
Tagen auf Dantons Betreiben ihrer Haft entſetzt.
Sie ſoll ihm vieles gewährt haben, aber was zwiſchen ihr
und Robespierre damals geweſen iſt, das gab ſie niemals preis,
wie ſehr Danton ſie auch danach gefragt. Manchmal, in ſchlaf⸗ loſen Nächten, ſpürte ſie noch den Todesſchweiß von neuem im
Geſicht wie damals, als ſie vor dem Konvent in die böſe lächeln⸗ den Augen des Robespierre ſehen mußte.
Warum Schwarzes und Roles Meer?
Die Bezeichnungen Schwarzes und Rotes Meer haben ſich ſ eingebürgert, daß man kaum darüber nachdenkt, woher dieſe Namen ſtammen. Es müſſen beſondere Gründe ſein, da weder das eine Meer ſchwarz, noch das andere rot gefärbt iſt. Auch die Deutung, das Schwarze Meer habe ſeinen Namen von den ſchweren Nebeln halten, die zu gewiſſen Sturmzeiten den Horizont gänzlich verdunkeln, iſt wenig ſtichhaltig. Eine Deutung der beiden Namen gibt nun Hirt in der„Geographiſchen Zeit⸗ ſchrift“, wobei er zunächſt feſtſtellt, daß die Bezeichnung„Schwarzes Meer(pontos melas) zum erſtenmal in der Iphigenie auf Tauris des Euripides erwähnt wird. In ganz früher Zeit hatte bei den Griechen das Schwarze Meer das„ungaſtliche Meer“ geheißen, was aber nach ihren Anſchauungen weniger auf unangenehme Er⸗
eigniſſe auf dem Meere deutete, als vielmehr durchblicken ließ,
daß das Meer und ſeine Küſten ihnen noch wenig bekannt waren.
Denn ſpäter, als ſie es kennen
elernt hatten, nannten ſie es gerade umgekehrt: das„gaſtliche
eer“. Immerhin kann man aus
6 dem griechiſchen Wort„axinos“(d. i. ungaſtlich) auch auf einen
anderen Sian ſchließen, nämlich auf die Umſetzung eines iraniſchen
Wortes, das ſoviel wie„dunkelfarbig“ bedeutet. Dies ließe ſich auch inſofern als durchaus glaubhaft annehmen, als die Iranier tatſächlich in alten Zeiten am Schwarzen Meer lebten, o daß die Griechen, als ſie hinkamen und das Wort von ihnen hörten, es einfach beibehielten und überſetzten, aber fälſchlich in einem an⸗ deren Sinn, als es die Iranier gebraucht hatten.
Auch für die Eniſtehung des Namens„Rotes Meer“ hat man verſchiedene Erklärungen herangezogen; denn noch weniger als das Schwarze Meer verdient das Rote Meer, das durch ſein klares Waſſer ſogar ſtark blau gefärbt iſt, ſeine Bezeichnung. Man hat daher angenommen, der Name beziehe ſich vielleicht auf ſeine ſalzreichen Küſtenwäſſer, die manchmal rötlich erſcheinen, oder etwa auf das Auftreten rötlicher Fadenalgen, die das Waſſer oft ſtellenweiſe bedecken; doch geben die Forſchungen Hirts auch hier einen viel ſtichhaltigeren Grund für die Namengebung der Ge⸗ wäſſer an. Das Rote Meer lag einſt ſüdlich vom Weltreich der alten Perſer, hatte alſo auch wohl von ihnen ſeinen Namen er⸗ halten. Nun beſtanden zwiſchen den Anſchauungen der alten Perſer und denen der Chineſen ſchon frühzeitig gewiſſe über⸗ einſtimmungen, und da bei den Chineſen die Farben: Schwarz, Grün, Rot und Peiß den Himmelsrichtungen Nord, Süd und Weſt entſprachen, ſo kann es ſich von ſelbſt ergeben haben, daß man bei den Perſern nach chineſiſchem Vorbild das Meer, das nördlich von ihnen lnge das Schwarze Meer und das ſüdliche, das Rote Meer nannte. In ähnlicher Weiſe nennen die heutigen Türken das Mittelländiſche Meer, das weſtlich von ihrem Lande gelegen iſt, das„weiße Meer“. Jedeafalls kann man annehmen, daß die Bezeichnungen Rotes und Schwarzes Meer von Völkern herſtammen, denen die Küſten der beiden Länder gut bekannt waren. Vielleicht haben ſogar die Perſer ihre Bezeichnungen von einem noch älteren Volk übernommen.
Schach⸗Ecle Aufgabe Nr. 92
P. Lehn Int. Arbeiter-Schach-Turnier Berlin 1922: 3. Preis
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Matt in drei Zügen
Endͤfpielſtudie Nr. 42 Henri Rink
Stellung: Weiß: K0G, Lf 3, B a6, 7 6, f 2(5).— Schwarza Kd8, S0, Ba7, d 4, e 4, e 2(0). Weis zieht und macht remis.
Lösung: I. f6— f7I, e2— el DI. 2. Lf S— h6+, 3. Lh6— g5+, Kd8— c8. 4. Lg5— f4, 5. f 7— f8D+, Df4 X f patt.
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Spielabende des Arbeiter⸗Schachklubs Frankfurt a. M. Sachſenhauſen: Dienstags, bei Adrian, Affentorplatz. Innenſtadt: Montag,„Zur Pfalz“ Holzgraben 7. Niederrad: Montags„Schwarze Katze“, Kelſterbacher Str. 28. Nordend, Dienstags bei Walter, Weberſtraße 84. Bornheim: Mittwoch, Pauly, Germaniaſtraße 49. Riederwald: Mittwoch, Blank.— Bockenheim: Mittwoch, Moltkeeck, Ecke Varrentrappſtraße. Rödelheim: Mittwoch, Schwabeneck, Eſchborner Landſtraße 36. Bahnhofsviertel: Donnerstag, Zum Regenbogen, Gutleutſtr. 151.
Für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint.
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