„Papa und Mama werden nichts zu eſſen haben. Sie werden ſterben, und ich werde mit meinem Pferdchen allein auf der Weli bleiben.“
Am folgenden Morgen ſtand ſein Entſchluß feſt. er mußte ſich von ſeinem Gefährten trennen. Es war ihm nicht leicht ge⸗ fallen, denn nichts ging dem Kleinen über ſein Hottehüh.
Er nahm das Tier unter den Arm und öffnete dann geräuſch⸗ los die Tür. Seine Mutter ſah ihn fortgehen, glaubte aber, er wolle auf dem Flur ſpielen..
Stephan ſtieg haſtig die fünf Treppen hinab. Er ſagte zu ſeinem Spielgenoſſen:. 3
„Armer Kerl, es tut mir leid, daß du es ſo ſchlecht getroffen haſt und zu ſo armen Leuten gekommen biſt; aber damit mußt du dich jetzt abfinden. Ich werde dich aber nie vergeſſen; wenn ich erſt groß bin und mich ſelbſt ernähren kann, dann hol' ich dich beſtimmt wieder ab; dann werden wir gemütlich beiſammen ſein und uns über die verlorene Zeit tröſten“..
Bei dieſen Worten rollte eine verſtohlene Träne über ſein Geſicht. Ja, trotz allem; fiel ihm der Abſchied doch recht ſchwer.
Bald befand er ſich vor der Zweigſtelle des Leihhauſes. Er
kannte den Raum genau, wo er, an den Rockſchoß ſeiner Mutter
geklammert, mehr als einmal geweſen war, er etrachtete die
mürriſchen, ernſten Angeſtellten mit einer Art ſchüchterner Ehr⸗ furcht.
„Wem gehört der Bengel?“ fragte ein nicht übermäßig höf⸗ licher Aufſeher.
Aber ſchon war Stephan an einen Schalter getreten und ſtotterte voller Angſt: 3
„Verzeihung, können Sie mir vielleicht etwas auf mein Pferd⸗ chen leihen?“ 3
Einen Augenblick ſah der Beamte den ſchmierigen Bengel, der die Augen niederſchlug, als hätte er ein Verbrechen begangen, groß an; dann platzte er los:
„Auf dein Spielzeug ſoll ich dir was leihen?⸗
Dieſe Worte waren von allen Anweſenden vernommen worden.
Jetzt verzerrte ſich das Geſicht des Kleinen. Sein erer Körper wurde von krampfhaftem Schluchzen geſchüttelt, denn er hatte ſchrecklich Angſt vor dem Mann, dem er gegenüberſtand. Er erklärte mit abgehackten Worten die traurige Lage ſeiner Fa⸗ milie: man hatte ſchon alles hierher gebracht, es war nichts mehr zum Beleihen da, und morgen würde ſogar die Suppe fehlen...
Hinter dem Schalter ſah man lächelnde und mitleidige Mie⸗ nen, hörte man tuſcheln. Stephan machte ſich ſchon darauf gefaßt,
unſanft beim Kragen genommen und an die Luft geſetzt zu wer⸗
den; aber das machte ihm nichts aus. In ſeiner Ergebung lag ſchon etwas Heldenhaftes.
Seine Kopf brummte dermaßen, daß er gar nicht hörte, wie jemand ſagte:
„Das iſt ja ein Prachtjunge, ihr Leute! Sollen wir uns von dem beſchämen laſſen?“— 1¹
Und die Geldſtücke regneten nur ſo in den Hut. Jeder wollte ſein Scherflein beitragen.
Als Stephan, etwas ruhiger geworden, ſein ſchmächtiges Ge⸗ ſicht wieder erhob, ſah er, wie der Mann hinter dem Schalter ihm etwas Weißes hinhielt. Er hatte das Ergebnis der Sammlung in einen Umſchlag geſteckt.
Und als Stephan ihm ſein Hottehüh mit einem ſchüchternen:
„ Danke, danke... Da haben Sie das Pferdchen,“ reichen wollte, verſetzte der Beamte:
„Behalt' dein Spielzeug und mach, daß du fortkommſt.“
O, das ließ ſich Stephan nicht zweimal ſagen.
Als er atemlos vor der Tür der kleinen Wohnung anlangte, be⸗ kam er einen Huſtenanfall, der von der Erregung noch verſchlim⸗ mert wurde. Seine Mutter erwartete ihn ſchon mit erhobener
and.
„Wo biſt du wiedev herumgeſtrolcht, du Taugenichts? Hab' ich dir nicht verboten, fortzugehen?“
„Aber Stephan, deſſen Augen noch gerötet waren, hielt ihr das Päckchen hin und ſagte triumphierend:
„Siehſt du, Mama, das hat man mir im Leihhaus auf mein Pferdchen geliehen, und ich habe es trotzdem behalten dürfen. Sie haben gewiß geſehen. daß ich es ſehr lieb habe.
—
Das Theater der künftlichen Menſchen
Vor 14 Jahren machte ein junger italieniſcher Journaliſt und Kritiker, der Doktor Vittorio Podrecca ſich daran, das Mario⸗ nettentheater neu zu beleben. Er ſchon in jahrelanger Arbeit nicht weniger als 600 wertvolle Marionetten und baute nach eige⸗ nen Ideen eine Miniatur⸗Bühne, das Teatro dei Piccoli, mit dem er ſchnell durchſchlagende und über ſeine italieniſche Heimat hinausgreifende Erfolge erzielte. Heute hat das Theater der
künſtlichen Menſchen dank ſeiner künſtleriſchen Vollendung bereits
Weltruf erlangt, hat auch in Deutſchland ſich ſchon viele be⸗
geiſterte Freunde gewonnen. In der zweiten Junihälfte wird
Dr. Podrecca mit ſeinem Teatro dei Piccoli ein Gaſtſpiel in
Mahdehüre auf der Deuiſchen Theater⸗Ausſtellung Magdeburg geben.
Vom Schwaben, der keinen Spaß verſtand
Der junge Löwenwirt erzählte:„No iſcht der Knecht mitten en der Predigt aufg'wacht, wo der Herr⸗ farrer gſait hot: Ond der Prophet fuhr in den Himmel!“— o hot der Knecht grufe:„Halt, i will au mitfahre!“ Der Hansadam hot kei G'ſicht verzoge. „Hoſcht net ver hat d 9 „Was net verſchtandg?“ „Da Schpaß net verſchtanda!“ „Ha, doh Wenn oiner do iſcht, no werd i ehn au ſcho ver⸗ ſchtanda ham!“— „Ha, worom lachſcht no netta?“ „Hal Z'wega was ſoll i lacha?“ „Ha, z'wegn ſellem Schpaß! „Ha, do iſcht doch nix z'lacha!“
netta!:
„Ha, worum werd i denn koin Schpaß net verſchteha?“
„Ha, den hoſcht net zerf oindeſ
„Wenn i ſag, i hau⸗n⸗e verſchtanda, no hau⸗n⸗en verſchtanda! Herrgottſackerment! Do verſchteh i koin Schpaß!“ 3
„Des iſcht's jo eba!“
„Was iſcht'’s eba?“
„Daß du koin Schpaß verſchtohſt!“
„Potz heideblitz! 8 hau⸗n⸗e doch verſchianda!“
„Worum hoſcht no net g'lacht?“?
„J lach, wenn i will! Net wenn du willſcht!“
„Alſo hoſcht au net verſchtanda!“
„Potz heideelement no emol! Jetzt iſcht's genug, jonger Kerle, ſonf ſchlag i di u’gſchpitzt en de Boda nei, wenn du n eimol agſcht, i erſchtand oin Schpaß.— J verſchteh Schpaß! Du Lausbua, verſchtanda! Ond jetzt hältſcht’'s Maul!“—
Alfred Auerbach.
Schach⸗Ecke
Die Schachecke wird bearbeitet von J. Bruchhäuſer⸗ Frantiurt a. M., Waldſchmidtſtraße 29: wohin auch alle Zu⸗ ſchriften und Löſungen zu ſenden ſind.
Aufgabe Nr. 91 M. Winkler, Turuier des Deutſchen Arbeiter⸗Schach⸗Bundes 1922 a b e d e 1 g h 3 M— Sʒh ˖), 3 C 5—, 3 hhhhhöch S)hhhhſß 5 Schſchhc 4 , h, ſc,h, jch, 2 2 2 ſſ„ Gſh— Sſhſhſ ſhhhhchh ſhhſſh ScchhY 3 ſſh Ghh, ſoh G 3 5 Üʒʒ Sʒ˖Sh— d e—
a 9b C f g h
Matt in drei Zügen 8:4
Enoͤſpielftudie Nr. 41 Stellung: Weiß: Kd6, Ld8, Bd 4, 14, g5, 5). Schwarz: Khs, Lh, B d5, d7, f5, g6,(6). Weiß zieht und gewinnt. Löſung: 1. LdS8— f6+, Khs— gs, 2. Kd6— e7, d7— d* 3.L f6— h8l Kgsxl hs8, 4. Ke7— f7, Lh7— gs+, 5. Kf7 g6, Lg8— 06, 6. K g6— f6, Le 6— d7, 7. Kf6— f7 und gewinnt. A&ꝙ
Spielabende des Arbeiter⸗Schachklubs Frankfurt a. M. Sachſenhauſen: Dienstags, bei Adrian, Affentorplatz.
Innenſtadt: Montag,„Zur Pfalz“, Holzgraben 7. Niederrad: Montags,„Schwarze Katze“, Kelſterbacher Str. 28.
Nordend, Dienstags bei Walter, Weberſtraße 84. Bornheim: Mittwoch, Pauly, Germaniaſtraße 49.
Riederwald: Mittwoch, Blank.
Bockenheim: Mittwoch, Moltkeeck, Ecke Varrentrappſtraße.
Rödelheim: Mittwoch, Schwabeneck, Eſchborner Landſtraße 36.
Bahnhofsviertel: Donnerstag, Zum Regenbogen, Gutleutſtr. 151. Für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint.
4
„Ha, worum denn net? Du verſchtoſcht halt koin Schpaß


