nicht einzuſehen, warum man nicht den Wechſelſtrom einer Dynamo⸗ maſchine ebenfalls durch ſolche Schwingungskreiſe ſenden ſoll, um ſo zu der von der Antenne auszuſtrahlenden hohen Frequenz zu gelangen. Das Jahr 1907 ſah die fertige Idee, das Jahr 1911 die Umſetzung in die Tat. Damals wurde eine Hochfrequenzmaſchine vollendet, deren Stator und Rotor je 150 Elektromagnete auf⸗ wieſen. Die Umdrehungszahl des Rotors betrug 4500 in der Mi⸗ nute oder 75 in der Sekunde. Daraus ergibt ſich, daß die Maſchine einen Wechſelſtrom von 10 000 Perioden erzeugte. Dieſer Wechſel⸗ ſtrom, der vom Rotor der Maſchine abgenommen wird, muß nun erſt einen geſchloſſenen Schwingungskreis paſſieren, der ebenfalls auf 10 000 Perioden abgeſtimmt iſt. Dadurch wird die Amplitude, d. h. der Schwingungsausſchlag des Stromes außerordentlich verſtärkt und wirkt ihrerſeits kräftig auf den Stator, den feſiſtehenden Teil des Rotors. Zu den 10 000 an ſich vorhandenen ſekundlichen Schwingungen kommen nun die 10 000 aus dem geſchloſſenen Kreis hinzu, es entſtehen 10 000+ 10 000= 20 000 Perioden.
Dieſes Spiel kann man nun theoretiſch ſo oft wiederholen, wie man will. Praktiſch geſchieht das nur viermal, weil ſonſt die Energie zu gering wird. Jedesmal wird der Wechſelſtrom des Rotors in einen geſchloſſenen Schwingungskreis geſchickt. Der Stator wirkt mit ſeiner erhöhten Schwingungszahl auf den Rotor zurück. 20 000 Perioden wirken über einen weiteren geſchloſſenen Schwingungskreis wiederum auf den Stator, zu deſſen 10 000 Grundperioden ſie ſich geſellen, ſo daß 30 000 Perioden entſtehen. Und wenn dieſe 30 000 Perioden noch einmal einen auf ſie ab⸗ geſtimmten Schwingungskreis paſſiert haben, dann entſtehen im Stator 40 000 Perioden, die Zahl, mit der Goldſchmidts Maſchine arbeitete. Dieſe 40 000 Wechſel entſprachen einer Wellenlänge von
7500 Meter, die nunmehr von der Antenne ausgeſtrahlt wurden.
Dabei wirkte die Selbſtinduktionsſpule des letzteren zur Frequenz⸗ ſteigerung benutzten Schwingungskreiſes als Antennenkoppelungs⸗ ſpule. Die Elektromagneten erregte Goldſchmidt durch eine Gleich⸗ ſtrommaſchine, wobei er dem Wechſelſtrom durch Droſſelſpulen den Weg verſperrte. Die Maſchine wäre bei ihren Arbeiten ſehr großer Erwärmung ausgeſetzt, wenn nicht der Stator durch Waſſer und der Rotor durch Luft gekühlt wären. Um die Bildung von Wirbelſtrömen innerhalb der Maſchine zu vermeiden, wurden Stator und Rotor aus Tauſenden von dünnen Eiſenblechen ge⸗
bildet, die voneinander durch beſonders präparierte Papier⸗
ſchichten iſoliert wurden. Die Hauptſchwierigkeit bei der Maſchine Goldſchmidts beſteht darin, dieſen aus ſo vielen Einzelblechen zu⸗ ſammengefügten Rotor ſo ſtabil zu bauen, daß er den immerhin noch recht erheblichen Fliehkräften gewachſen iſt. Die verſchie⸗ denen echſelſtröme der Maſchine müſſen oft die gleiche Leitung paſſieren. So wie man auf der gleichen Telegraphenleitung mit Wechſelſtrömen verſchiedener Frequenz gleichzeitig telegraphieren kann, ſo paſſieren auch die verſchiedenen Ströme der Maſchine von Goldſchmidt dieſelben Wege, ohne ſich zu ſtören. Goldſchmidts Begabung drängte ihn von Jugend an zur Technik. Sein Vater wünſchte, daß der am 19. März 1876 zu Neu⸗ buckow in Mecklenburg geborener Sohn Kaufmann werden ſolle, wie er ſelbſt. Trotz größten Widerſtrebens ſchickte er ihn als Lehr⸗ ling in eine Fabrik für landwirtſchaftliche Maſchinen. Dann ſtu⸗ dierte der junge Goldſchmidt an den Techniſchen Hochſchulen zu Charlottenburg und Darmſtadt. Hier wandte er ſich bereits der Wechſelſtromtechnik zu. Als Ingenieur wirkte Goldſchmidt nach Abſchluß ſeiner Studien u. a. bei der AEG. In England ergriff ihn das Intereſſe für die drahtloſe Kunſt, durch die er ſpäter ſo berühmt werden ſollte. Er gab den Dienſt in der Induſtrie auf, ging als Dozent an die Techniſche Hochſchule in Darmſtadt, wo er zur Schaffung ſeiner Hochfrequenzmaſchine kam, deren geiſtreiche Theorie ihn mit einem Schlage in die erſte Reihe der Funkpioniere ſtellte. W. M.
Das männliche Schönheitsideal im Film
Während der Kanon des weiblichen Schönheitsideals ſich aus den Bildwerken und literariſchen Dokumenten einer jeden Zeit mit Leichtigkeit feſtſtellen läßt, fehlt uns ein ſolcher für das männ⸗ liche Ideal vollkommen, wenigſtens vom Standpunkt der Frau aus betrachtet. Die Sehnſucht der meiſten Frauen iſt nicht der ſchöne, ſondern der„intereſſante“ Mann. Dem Helden des Films müſſen ſo viel äußerliche Vollkommenheiten eigen ſein, daß die weiblichen Zuſchauer es begreifen, wenn die Heldin ſich in ihn verliebt und nur den einen Wunſch kennt, ihm als Geliebte oder Gattin anzugehören. Der Typ, der dieſen Vorbedingungen vollauf entſpricht, darf als das moderne männliche Schönheitsideal an⸗ geſprochen werden.„Er muß groß und ſchlank ſein und ein ener⸗ giſches Geſicht haben— wie in Damenbüchern geſchrieben ſteht— regelmäßige, ſcharfgeſchnittene Züge und breite Schultern“, be⸗ merkt Urban Gad und fährt fort:„Als Filmfachverſtändiger er⸗ laube ich mir noch hinzuzufügen, daß er ſympathiſch ſein, ein
hübſches Lächeln und einen ausgeprägt männlichen Typ haben muß.“ Von erheblicher Wichtigkeit iſt ferner noch, daß er ſich ele⸗ gant zu kleiden und ſchneidig zu bewegen weiß, daß er Überlegen⸗
heit offenbart und den Mann von Welt markiert.
Selten wird, ſo lieſt man in dem ſoeben im Paul Aretz⸗Ver⸗ lag zu Dresden erſchienenen, großangelegten Werk„Sittenge⸗ ſchichte des Kinos“ von Curt Moreck, eine Frau danach fragen,
ob ein Mann ſchön iſt, andere Eigenſchaften ſind für ſie eniſchei⸗ dend. In ihre Vorſtellung vom männlichen Ideal miſchen ſich vielfach noch ſtark uinantiſche Züge, und dieſer Vorſtellung kommt der Film mit ſeinem Helden entgegen. Er zeigt den Mann in voller, in ſympathiegewinnender Aktivität, er zeigt ihn ſpielend mit ſeiner phyſiſchen oder geiſtigen Kraft, mit ſeinem Mut und ſeiner Entſchloſſenheit. Der Held reitet, fährt, ſchwimmt, lenkt Auto und Flugzeug, gebietet über ein Heer von Arbeitern als Fabrikherr oder verfügt über ungeheure Summen als Finanz⸗ genie; als Lebenskünſtler genießt er lächelnd alle Freuden des Da⸗ ſeins, oder er beherrſcht als Erfinder die geheimnisvollen Kräfte der Natur. Sein Feld iſt die Tat, deren Gelingen ihn mit Glorie umgibt, mag er nun die ſilberne Rüſtung der Ritterzeit oder den tadelloſen Frack eines erſtklaſſigen Schneiders tragen, mit dem blanken Schwert oder mit dem Füllfederhalter ſeine großen Ent⸗ ſcheidungen treffen. Zeigt er ſich allen Situationen gewachſen, ſo iſt ihm die Bewunderung der Frauen ſicher, und wo Frauen be⸗ wundern, da lieben ſie auch, wo ſie aber lieben, da finden ſie den Mann auch ſchön, ſelbſt wenn er anders ausſieht als das Ideal mit dem beſtimmten Gepräge, das„von Modeblättern und An⸗ zeigen für Barbierſeife und Hoſenträger genügend“ bekannt iſt. Mit dem männlichen Schönheitsideal hat es eine eigene Be⸗ wandtnis. Es läßt ſich nicht ſo leicht normieren als das weibliche, das ſich vielfach nach einem zur Mode gewordenen Typ bildet. Daher ſehen wir den weiblichen Kinoſtar bemüht, ſich durch kos⸗ metiſche Künſte jenem einmal zur Beliebtheit gelangten Tyn anzunähern, während die männlichen Sterne ihre Eigenart zu wahren trachten, ſie ſogar kultivieren und beſonders betonen. Eine männliche Schönheitsgalerie des Films zeigt eine größere Varia⸗ bilität als die weibliche, ſie offenbart außer den ſcharf ausgepräg⸗ ten nationalen Anterſthieden auch noch jene des Temperaments und des Charakters, und ſie zeigt alle Nuancen vom feinnervigen, ſenſiblen, übernervöſen Manne mit femininem Einſchlag bis zum brutalen Kraft⸗ und Muskelmenſchen. Der po⸗ vuläre Geſchmack allerdings bevorzugt aus dieſer Muſterkarte den tadellos angezogenen Liebhaber mit der unentwegten Bügelfalte und dem durchgezogenen Scheitel, das ſogenannte„Backfiſch⸗ Ideal“. In Straßenanzug oder Frack ſieht er am beſten aus und erobert ſich alle Herzen im Sturm, auf dem Zelluloidband wie auch im Parkett. Daß nicht nur männliche Männer das Ideal des weiblichen Kinopublikums bilden, haben ſeltſamerweiſe die Ameri⸗ kanerinnen bewieſen, die häufig Männer von weiblich⸗zarter Schönheit(Rudolf Valentino!) zu ihren Favoriten machten.
Im Flugzeug zu den Zwergſtämmen im Papualand
Die Expedition des Profeſſors Stirling, die rund 250 Meilen ins Innere von Holländiſch⸗Reuguinea eingedrungen war und ſich im Papualand acht Monate aufgehalten hatte, iſt auf dem Rückweg nach den Vereinigten Staaten jetzt in Singapore eingetroffen. Sie bringt ungefähr 8000 ſeltene ethnologiſche Fundſtücke, eine große botaniſche Sammlung und ein reiches und wertvolles wiſſenſchaftliches Informationsmaterial mit nach Haus, deſſen Bearbeitung neues Licht über das Leben einer der em wenigſten bekannten Zwergraſſen verbreiten wird. Die Ex⸗ pedition wurde von dem amerikaniſchen Smithſonian⸗Inſtitut ausgerüſtet und fand wertvolle Unterſtützung durch die Wiſſen⸗ ſchaftliche Forſchungsgeſellſchaft von Holländiſch⸗Neuguinea. Dank der Verwendung eines Flugzeuges war es der Expedition möglich, tief in das Zentralgebirge Neugnineas einzudringen, die Berg⸗ barrieren zu überfliegen und Karten des Geſamtgebiets am oberen Rouffaer⸗Fluß aufzunehmen. Dieſes Gebiet war bisher
völlig unerforſcht. Die Expedition erreichte Höhen von rund 3000
Metern und verweilte drei volle Monate unter den Zwergſtämmen des Berglandes, die ſich durchaus freundlich und gaſtlich zeigten, im Gegenſatz zu den Papuas der Küſtenzone, die wiederholt das Lager und die Transportzüge angriffen und mit blutigen Köpfen heimgeſchickt werden mußten. Die urſprüngliche Abſicht, von der Küſte aus im Fluge den Habbema⸗See zu erreichen, der nach den Schätzungen in einer Höhe von etwa 4000 Metern liegt, gab man ſchließlich auf, da man ſich das gewünſchte Informationsmaterial über dieſes noch ganz unerforſchte Gebiet anderswo verſchaffen
konnte. Profeſſor Stirling iſt mit dem Ergebnis der Unter⸗ nehmung durchaus zufrieden und ſpricht ſich über die Hilfe, die
er ſeitens der holländiſchen Behörden gefunden hat, in rühmenden Worten aus.
Das Papier als Träger künſtleriſcher Form Im Rahmen der„Jahresſchau deutſcher Arbeit Dresden
1927“ veranſtaltet der Bund Deutſcher Ge rauchsgraphiker E. V. eine Sonderausſtellung unter dem Titel„Das Papier als Träger
künſtleriſcher Form“. Der Bund Deutſcher Gebrauchsgraphiker, die
Standesorganiſation der deutſchen Werbekünſtler und Buch⸗ graphiker, gibt hier zum erſten Male einen umfaſſenden Über⸗
blick über das Geſamtſchaffen der Gebrauchsgraphik. Es werden
gezeigt: Werbegraphik von der kleinſten Geſchäftsdruckſache bis
zum Plakat, Buchkunſt und Proben künſtleriſcher Schriftgeſtal⸗ tung, Beiſpiele repräſentativer Kundenwerbung, amtliche Graphik uſw.
Für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint.
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