über dies hinweg iſt das Werk der treubeſorgten Schweſter „Svens“ ein ſchlichter Geſang auf die Liebe zum Bruder, zu den Eltern und zur Heimat. Keine hochtönenden Phraſen! Wahre Vor⸗ nehmheit, wahre Liebe, wahre Größe!— Eigenſchaften, wie ſie heutzutage ſtark in Vergeſſenheit zu geraten drohen, wie ſie aber doch wieder zu Ehren kommen ſollen. Dazu verhelfe das einzig⸗ artige Büchlein!
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Geſchichte als Entwicklungsmotor
Von S. Grünebaum
Die Reaktion weiß, weshalb ſie ſich einer umwälzenden Re⸗ form der Geſchichtsbetrachtung im allgemeinen und des Geſchichts⸗ unterrichts im beſonderen mit allen Mitteln widerſetzt. Nur zu gut iſt ihr bekaant, wie ſehr durch den Hinweis auf Ver⸗ gangenes die Denkart der Gegenwart beſtimmt wird, wie ſehr gerade in Kriſenzeiten der Blick romantiſcher Naturen ſich gern in eine phantaſtiſch zurechtgeſtutzte Vergangenheit richtet, um tatkräftige Gegenwartsarbeit, die in eine beſſere Zukunft führen würde, umſo ſicherer verhindern zu können. Der bekannte Satz „Die Geſchichte iſt ſtets von den Siegern geſchrieben worden“, ſcheint für die deutſche Republik nicht zu exiſtieren. Sonſt hätten die Unterrichtsminiſterien der deutſchen Freiſtaaten längſt die Be⸗ deutung der Geſchichte für die Meinungsbeeinfluſſung erkannt und Bemühungen unternommen, dieſe Frage im Sinne einer republi⸗ kaniſchen Fortentwicklung zu löſen.
Vom Standpunkt altgewohnter Geſchichtsbetrachtung aus, ſcheint es allerdings unmöglich, die Geſchichte als Entwicklungs⸗ motor zu benutzen. Wo immer wir die hergebrachte Geſchichts⸗ betrachtung am Werke ſehen, da finden wir ſie als konſervative Anbeterin der Vergangenheit zur Verherrlichung deſſen, was war, gewiſſermaßen als ſchriftliche Ergänzung der erzenen Denkmäler, die ſich die Dynaſtien von den babyloniſchen, ägyptiſchen und per⸗ ſiſchen Königen bis zu den Habsburgern und Hohenzollern zu ihrer Beweihräncherung haben ſetzen laſſen. Die herrſchenden Dyna⸗ ſtien und die herrſchenden Stände verkünden, wie Wilhelm Hans in einem ausgezeichneten Aufſatz„Geſchichte im Dienſte der Ge⸗ meinſchaft“ in der Zeitſchrift„Ethos“ nachweiſt, durch den Mund der Geſchichte, was ſie geleiſtet und geſchaffen haben. Sie be⸗ kunden ſo ihren eigenen Wert und begründen damit die Not⸗ wendigkeit des Fortbeſtehens der herrſchenden Verhältniſſe. Daß dieſe konſervative Tendenz der Geſchichte,„Hüterin der Tradition“ gegenüber dem ſtürmiſchen Revolutionär und ſchöpferiſchen Neuerer zu ſein, Gefahren von lähmender Wirkung hat, indem ſie vor allem das Alte auf Koſten des Neuen feiert, dürfte nur allzu klar ſein und große hiſtoriſche Perſönlichkeiten wie Nietzſche und Ibſen empfinden daher meiſt antihiſtoriſch und ſind gleich großen Revolutionen geſchichtsfeindlich, weil ſie erkennen, daß große Menſchheitsfortſchritte über den Bruch mit der Vergangen⸗ heit gehen und rationaliſtiſcher Art ſind. 4
Im Gegenſatz zur alten Geſchichtsſchreibung der Hofhiſtorio⸗ graphen, die auftragsgemäß die Geſchichtsentwicklung als ein Werk der Herrſcher, Heerführer und hödelejſchichten zeichnen, hat die moderne Geſchichte die Aufgabe, die kulturellen Leiſtungen auf dem Gebiete der Wirtſchaft und des Rechtslebens, der ſozialen
auf der
Entwicklung und der Wiſſenſchaft, Kunſt und Dichtung heraus⸗
zuheben und darf dabei unter Würdigung der großen führenden Perlunlichtekten nicht die markanten Strömungen des Volks⸗ ebens und ſeiner ſozialen Struktur überſehen. Führer wird ns
hierbei die ökonomiſche Geſchichtsbetrachtung von Karl Marx ſein,
die— fundamentiert auf den materiellen Grundlagen— unter Berückſichtigung des Auseinanderwirkens der geiſtigen, ſittlichen,
ſhaglichen und individuellen Mächte uns ein grandioſes Bild ge⸗
chichtlicher Aufwärtsentwicklung aufzurollen vermag. Nicht im
Sinne einer unwahrhaften Verklärung der Vergangenheit Ge⸗
Wichte zu ſchreiben, iſt die Aufgabe unſerer Zeit, ſondern die ellenlinien der Aufwärtsentwicklung der Menſchheit zu künden, muß das Ziel der Geſchichtsbetrachtung ſein.
Den dpyuaſtiſchen Kriegsgötzen ſind das ſchaffende Volk und ſeine ſchöpferiſchen Geſtalten entgegenzuhalten; der Vergött⸗
lichung des national⸗egoiſtiſchen Machtſtaates iſt der gerade heute
immer greifbarer werdende Begriff eines Bundes der geſamten Menſchheit, und dem zerfahrenen Chaos unſyſtematiſcher Auf⸗ zählung einzelner Ergebniſſe iſt die— wenn auch unter Rück⸗ fällen— klare Linie zum Auſſtieg ſich ſelbſt regierender Völker gegenüberzuſetzen. So kann, richtig gelehrt— einen Anfänger⸗ verſuch in dieſer Richtung ſtellen die„Grundlinien der Welt⸗ geſchichte“ von H. G. Wells und die„Allgemeine Rulturgeſchichten von Charles Richet dar—, die bisher konſervativen Zwecken dienende Geſchichtsbetrachtung zu einem Mittel werden, um der Jugend Verſtändnis dafür beizubringen, wie allmählich die Menſchheit fortſchreitet, wie unter furchtbaren Geburtswehen neue, höhere Entwicklungen alte Zuſtände verdrängen, wie nach und nach an Stelle blutiger Kämpfe geiſtiges Ringen den Weg für höhere Formen des Staates und der Geſellſchaft ebnet— kurz: wie, unter welthiſtoriſchen Geſichtspunkten geſehen, die Ge⸗ ſchichte den Entwicklungsmotor der Menſchheit darſtellt.
Pioniere der Funktechnik Rudolf Goldſchmidt
In der deutſchen Großſtation Eilveſe bei Hannover und in Tuckerton bei Neuyork arbeiten Hochfrequenzmaſchinenſender, die nach dem Syſtem des deutſchen Profeſſors Goldſchmidt hergeſtellt wurden. In jahrelangem Dauerbetrieb haben ſie ſich bewährt, ohne jedoch auf dem Gebiete des Hochfrequenzmaſchinenbaus führend werden zu können.
Profeſſor Goldſchmidt hat die erſte deutſche Hochfrequenz⸗ maſchine geſchaffen. Er iſt hier ganz neue Wege gegangen. Ihm ge⸗ nügte die einfache überlegung nicht, daß man die Zahl der Pole und die Umlaufgeſchwindigkeit einer Dynamomaſchine vermehren müſſe, um zu einem Wechſelſtrom hoher Frequenz zu gelangen. Er ging bei ſeiner Maſchine von folgenden Gedanken aus: Er ſagte ſich, wenn man mit einem gewöhnlichen Braunſchen Funk⸗ ſender Wechſelſtrom von beſtimmter Periodenzahl dadurch er⸗ zeugt, daß man den Funken in einen geſchloſſenen Schwingungs⸗ kreis ſchickt, den man durch Veränderung der Kapazität oder der Selbſtinduktion abſtimmen kann und bei dem der Antennenkreis nmit ihm gekoppelten Schwingungskreis zurückwirkt, ſo iſt
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Erziehungstalent beieiſen ſollen, befinden. An den älteren ÄAſten der Haſel hängen grünlichgelbe lange Würſtchen herab, die jeden Tag ihren goldgelben Blütenſtaub ausſtreuen können. Dieſe Würſtchen vereinigen an einer langen Spindel die männlichen Blüten des Haſelſtrauches. Nüſſe können aus ihnen nicht erwachſen. Dies iſt nur möglich in den weiblichen Blüten, die wir erſt bei genauem Nachſchauen an den Spitzen mancher Zweige ſitzen ſehen. Es ſind kleine, unſcheinbare, aus grünen Schuppen geformte Gebilde, aus deren Spitze ein paar purpurfarbene Fäden heraus⸗ greifen. Dieſe Fäden fangen den aus den männlichen Kätzchen vom Winde herausgetriebenen goldgelben Blütenſtaub auf und führen dieſen dann zu dem unter den Schuppen verborgenen Fruchtknoten. Dort reift dann allmählich die Nuß, die unſere Jugend ſo gern unterm Weihnachtsbaum ſucht, heran. Blätter treibt der Haſelſtrauch erſt, nachdem die Blumen ihren Dienſt verſehen haben.
Auf braunem Ackerboden, an Gräben und auf feuchtem Brach⸗ land ſind wolliggraue Stengel aus dem Erdreich emporgeſchoſſen, die unter günſtigen Verhältniſſen eine Höhe von ein Viertel Meter erreichen. Dem Schafte liegen eine Anzahl kleiner Schuppen eng an. Oben tront ein Kranz gelber Blüten, in deren Anordnung wir unſchwer die Blütenform des Tauſendſchön wiedererkennen. Es iſt der gemeine Huflattich, deſſen herzförmige, unterſeits weißfilzigen Blätter, wie bei der Haſel, erſt nach den Blüten erſcheinen. Dieſe Blätter haben bei manchem Tabakerſatz eine wenig rühmliche Rolle geſpielt. Tauſenſchön und Huflattich zählen zu der Familie der Korbblütler, ſo genannt, weil ihre aus Scheiben⸗ und Zungenblüten zuſammengeſetzte Blütenſtände in einem Körbchen angeordnet ſind.
„Im Walde begegnen wir einem weiteren Frühblüher, der ſeine Blumen gleichfalls vor den Blättern erſcheinen läßt. Es iſt der Seidelbaſt⸗ oder Kellerhals, ein bis Meter hoch werdender Strauch, den unſere Gärtner oft in die Gärten verpflanzen. Die
roſenroten, in der Form den Syringen, oder Fliederblüten nicht unähnlichen Blüten, ſitzen in kleinen Büſcheln hart am Stengel. Sie verbreiten einen ſüßlichen betäubenden Geruch. Die Pflanze zählt zu den Giftgewächſen.
Reichlicher noch als Blumen iſt in Feld und Wald ſprieße des Grün anzutreffen. Dies ganz beſonders an geſchützten oder von der Sonne ſtärker durchwärmten Stellen. Auch dieſes Grün hat ſeine Reize. Da iſt an Hängen und trockenen Gräben der Thymian, der ſeine zumeiſt niederliegenden Äſte mit einem gar zierlichen Grün bekleidet. Auch das Geſchlecht der Mieren ſchiebt im Schutze vom Gebüſch ſeine zarten lichtgrünen Zweiglein empor, an deren Schönheit wir nicht achtlos vorüber gehen ſollten. Wenn wir den Moder des Laubwaldbodens ein wenig beiſeite räumen, ſo finden wir hier unſchwer eine große Fülle der ver⸗ ſchiedenartigſten Zweiggeſtalten; überall iſt ſproſſendes Grün zu finden; aber es hält ſich noch im Schutze verweſenden Laubes verborgen, auf daß kommende Kälteperioden nicht gleich alles wieder zerſtören können.
überall regt ſich das Leben dem Frühling entgegen. Wollen wir dies Leben und Regen mit etwas größerer Muße betrachten, als es an einem Sonntag nachmittag im Freien möglich iſt, ſo graben wir an einem froſtfreien Tage ein Tauſendſchön aus und ſetzen es mit den umgebenden Gräſern und Kräutern in einem großen Blumentopf in Erde. Oder wir ſchneiden uns ein paar mit Kätzchen beſetzte Zweige von Haſel, Pappel, Erle oder Weide und ſtellen dieſe in eine mit Waſſer gefüllte Vaſe. Am ſonnigen Fenſter unſeres Heimes können wir dann viel Freude erleben an der allmählichen Fortentwicklung des Inhalts von Blumentopf und Vaſe. Das iſt der Frühling im Heim. Und im nächſten Mynat kehrt auch draußen der Frühling ein. Herm. Krafft.
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