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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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gewesen sein soll. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts und bis jetzt haben dann Erxleben, Sick, Salmuth, Fink, Lullin de Chateavieux, Grognier, Gi- rard, Pessina, Liebbald, Waldinger, Morel, Kausch und Mäller, Krüger, König u. A. die Im- pfung vielfältig ausgeführt und den Nutzen derselben im Grofsen nachgewiesen. Doch haben sich auch Stimmen gegen sie erhoben, indem man sie beschuldiget, die Ur- sache zur Verbreitung und dauernden Unterhaltung der Schaafpocken in manchen Gegenden zu sein.

Die Impfung wird am besten durch die wasserhelle Lymphe, wie dieselbe um den zehnten, eilften Tag nach geschehener Ansteckung sich in den Schaafpocken vor- findet, vermittelt. Früher benutzte man dazu auch Blut aus Pocken, welche noch nicht vollständig entwickelt waren, und eben so auch Schorfe von Pocken, welche im Vertrocknen begriffen waren, Eiter und Nasenschleim. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daſs diese Stoffe nur unvollständig entwickelte, nicht gehörig schützende Pok- ken erzeugen und zuweilen gar nicht wirken.

Die Lymphe zum Impfen wird entweder unmittelbar aus den Pocken auf die zu impfenden Schaafe übertra- gen, oder sie wird für diesen Zweck auf verschiedene Weise aufbewabrt und vorräthig gehalten. Letzteres geschieht am zweckmälsigsten, indem man aus den durch mehre Eiustiche verletzten Pocken die aussikernde Lym- phe in kleinen Glasröhrchen, am besten in feine Haar- röhrchen, auffängt, und die Enden derselben mit etwas geschmolzenem Siegellack verschlieſst; bei dem Gebrauch werden die zugeschmolzenen Eunden dieser Röbrchen abgebrochen, worauf man die Lymphe durch einen auf das Röhrchen aufgesetzten Strohhalm mit dem Munde herausbläst und sie auf einer Lancette oder auf einer Glasplatte auffängt. Oder man fängt sie unmittelbar aus der Pocke auf einer kleinen Glasplatte auf, läſst sie auf der Letztern an der Luft halb trocken werden, legt eine zweite genau passende Glasplatte darauf, verklebt die Ränder und Fugen mit Wachs, und wickelt das Ganze in dichtes Papier. Zur Anwendung nimmt man die Glasplatten auseinander, und erweicht die vertrock- nete Lymphe in warmen Wasserdampf. Oder man fängt die Lymphe auf kleinen feinen Stäbchen von El- fenbein oder auf spitz zugeschnittenen Federposen auf, lälst sie an der Luft antrocknen, und erweicht sie vor

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der Anwendung ebenfalls mit warmen Wasserdampf.

Auch kann man die Lymphe in kleinen Stückchen eines recht reinen Waschschwammes auffangen, oder baum- wollene Fäden damit tränken, beide trocken werden lassen, in reinen Gläschen aufbewahren, vor der An- wendung erweichen, den Schwamm auf die Lancetten- spitze auspressen, den Faden aber bei der Impfung selbt unter die Haut legen. Endlich kann man auch noch die Lymphe in kleinen Medicingläschen sammelu und sie dann flüssig anwenden. Letzteres ist jedoch nur dann passend, wenn die Weiterimpfung binnen we- nigen Tagen nach der Abnahme der Lymphe stattfindet, weil sonst diese Flüssigkeit sich durch beginnende Fäulniſs zersetzt, und dann schlechte Pocken lieſfert. In jedem Falle muſs die Aufbewahrung der Lymphe an einem kühlen Orte und wo möglich so geschehen, daſs

Licht und Luft, so wie die Einwirkung von Säuren und von Cbhlor, abgehalten werden. In dieser Hinsicht ist es zweckmäſsig, die Glasplatten, oder die Glasröhr- chen u. s. w. in graues Papier gewickelt, in eine Schachtel mit Kohlenpulver zu legen, Wo sich dann die Lymphe mehrentheils ein volles Jahr wirksam erhält.

Das Impfen kann mit einer feinen Lancette oder mit besondern Impfuadelu ausgeführt werden. Die Er- stere ist hierzu weniger geeignet, weil sich beim Ein- stechen des Instruments die daran haftende Lymphe leicht abwischt, und, wenn man mebrere Hautschnitte mit der Lanzette machen und den Impfstoff einreiben will, das Impfen einer ganzen Schaafheerde zu viel Zeit verlangt. Uebrigens ist jede schmale(etwa 3 Linien breite) Lan- zette mit feiner Spitze zum Impfen zu gebrauchen.

Die ersten Impfnadeln sind(so viel mir darüber be- kanut ist) von Sick eingeführt. Dieselben sind 3 Zoll (aber besser 4 Zoll) lang, und haben eine Spitze in der Form und Gröfse eines in der Länge durchschnit- tenen Gerstenkorns; die flache Seite der Spitze ist hohl, zur Aufnahme des Impfstoffes; die Höhle geht in die Spitze aus; diese und die Seitenränder sind scharf. Das hintere Ende der Nadel bildet ein gegen 3 4% breites Blatt, welches entweder glatt oder rauh sein kaun. Letzteres trägt zur festern Haltung des lustru- mentes in den Fingeru bei. Pessina empfahl eine Impf- nadel, welche fast die Form einer Hohlsonde hat, in- dem sie, wie diese, eine aber nur gegen 2 lange Rinne bildet, welche in eine feine Spitze übergeht. Kehl gab eine Impfnadel an, welche an der Spitze eine ähnliche Form besitzt wie die von Pessina, einen halben Zoll hinter der Spitze aber in einen runden Löffel von etwa ¼ im Durchmesser übergeht, und der zur Aufnahme einer gröſsern Quantität Lymphe bestimmt ist, damit man mehrere Schaafe hinter einander, ohne die Nadel neu zu befeuchten, impfen kann. Kehl hat auch ein In- strument zum Eröffnen der Pocken, unter dem Namen Pustelstecher angegeben, welches aus 4 runden Nadeln besteht, die im Quadrat au einen Stiel befesti- get sind; es ist eutbehrlich. In neuerer Zeit benutzt man Sick'sche Impfuadeln, welche in ein rundliches hölzernes Heft von 4 Zoll Länge eingeschraubt sind.

Obwohl die Austeckung mit Schaaſpockenlymphe im ganzen Umfange der Haut durch die Impfung bewirkt werden kann, so hat man doch hierzu hauptsächlich die- jenigen Stellen gewählt, welche mit wenig oder gar keiner Wolle besetzt sind, und wo die Haut selbst dünn ist, wie dies namentlich an der innern Fläche der Ohr- muschel, an der innern Seite der Vorder- und Hinter- schenkel, und an der untern Fläche des Schwanzes der Fall ist. Sick empfahl besonders die innere Fläche der Vorderschenkel, welche jedoch aus dem Grunde hierzu nicht recht geeignet erscheint, weil hier die Haut fast unmittelbar auf der sehnigen Ausbreitung des Schenkels liegt, und bei der Impfung dieselbe leicht getroffen wird, und weil sowohl hierdurch, wie auch durch das gegen- seitige Reiben der Schenkel beim Gehen, heftige Ent- zündungen, Abreibungen der Pocken u. s. w. entstehen. Die Unterseite des Schweifes ist besonders von Pessina und von Liebbald als die geeignetste Stelle