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Thierarztliche Operationslehre.
Erste AtAeilung.
Von den thierarzilichen Operationen im Allgemeinen.
Erstes KaPftei.
Begriff von Lpafien und Operationslehre, nöthige Eigenschaften eines Operateurs, allgemeine Ver Schiedenheiten der Operationen. 1
§.ail. uaib Als thierärztliche(veterinär-=chirurgische, zoo- chirur- gische) Operation betrachtet man jede mechauische Ver- richtung, die mit den Händen allein oder mit Iustrumen- ten, Bandagen und andern Vorrichtungen am lebenden Thierkörper kunstmäſsig ausgeführt wird, um entweder 4) das Leben eines Thieres zu- erhalten; oder 5) um Krankheiten zu heilen und fehlerhaſte Bildungen zu be- seitigen; oder c) um Thiere für bestimmte Zwecke brauchbarer zu machen; oder auch d) um ihnen ein schöneres(wenigsteus der menschlichen Einbildung und dem herrschenden Geschmack mehr entsprechendes) Ausehen zu geben.
§. 2.
Eine wissenschaftliche Darstellung der umtlichen mechauischen Verrichtungen, die zur Erreichung der eben genannten vier verschiedenen Zwecke benutzt wer- den, ist die thierärztliche Operationslehre. Diese Lehre hat die Aufgabe: a) die einzelnen Ope- rationen und ihre verschiedenen Methoden zu beschrei- ben und die gegeuseitigen Vorzüge der letztern zu zei- gen; 5) die Krankheitszustände oder die ander weitigen Verhältnisse anzugeben, durch welche an den Thieren eine Operation indicirt oder contraindicirt ist; c) die Wirkungen und die Folgen einer jeden Operation auf den thierischen Organismus zu erklären; d) die widri- gen Zufälle, die während der Verrichtung einer Opera- tion eintreten können, und die Hölfsmittel, durch welche diesen Zufällen entgegen zu wirken ist, kennen zu leh- ren; und e) die Regeln zu eiuer zweckmäſsigen Nach- behandlung des operirten Thieres, und besonders des Theils, an welchem die Operation verrichtet ist, auf- zustellen. 49
Man hat die thierärztliche Operationslehre nach der Art der im§. 1. angedeuteten, bei den Operationen nö- thigen Hülſsmittel in verschiedene Abtheilungen gebracht und namentlich den Theil, welcher von den Operationen mit stechenden und schneidenden Iustrumenten haudelt, für sich allein dargestellt, und denselben mit dem Na- men: Akiurgie(von xn, die Spitze, und o⸗νν, das
Werk) bezeichnet. Dieser Theil soll auch in vorliegen- der Schrift allein abgehaudelt werden.
„d§-i 3. 1
Wer alle thierärztliche Operationen mit Glück aus- üben will, muſs nicht nur die Operationslehre in der, im Vorstehenden angedeuteten Vollständigkeit gründlich studirt haben, sondern er muſs überhaupt folgende Ei- genschaften besitzen:
1) Er muſs als Thierarat vollkommo aus gebildet sein. Die bloſse theoretische Kenntniſs der Regeln zur Aus- übung einer Operation ist eben so wenig hiureichend für einen guten Operateur, wie es die geschickte Ausübung blos mechanisch erlernter Handgriffe ist, und wie man die letztern z. B. von manchen Pferdehändlern bei dem
Euglisiren, von herumziehenden Kastrirern bei der Ka-
stration u. s. w. verrichten siehet. Denn jedes Thier, an Welchem eine Operation gemacht werden soll, erfor- dert nach seiner ganzen Individualität(uach Gattung, Geschlecht, Alter, Ragçe, nach Art und Grad der Krank- heit, nach dem Maaſse der Kräfte u. s. w.) eine spe- zielle Beurtheilung, die nur derjenige gründlich machen kann, der den gesunden und kranken Organismus ge- nau kennt. Besonders ist aber diese umfasseude thier- ärztliche Bildung nöthig, um an dem kranken Thiere diejenigen Zufälle richtig zu würdigen, durch welche eine Operation als nöthig oder als nützlich angezeigt, oder als schädlich verboten wird; eben so, um den we- sentlichen Zusammenhang eines örtlich erscheinenden Leidens mit einem innerlichen krankhaften Zustande einzusehen,— die fär die Umstände passende Opera- tionsmethode richtig auszuwählen oder selbst nach der Eigenthümlichkeit des Falles neu zu erfinden und,— die nach der Operation eintretenden Folgen hinsichtlich ihrer Gefahr richtig zu schätzen und die passenden Mittel ge- gen sie auszuwählen.
2) Er muſs vorzüglich mit der Anatomie des Kör- pers der verschiedenen Hausthiere vertrauet sein, und besonders die gegenseitige Lage, Gröſse und Verbin- dung der einzelnen Theile, so wie den Verlauf der grö- ſseren Gefäſse und Nerven auf das genaueste und durch
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