Druckschrift 
Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen

eine andere ganz oder zum Theil ianseſüöhet werden könnte.

60 Obgleich durch jede Methode einer Operation der Zwedok derselben erreicht werden soll, so geschieht dies doch unter verschiedenen Umständen durch die eine si- cherer als durch die andere, und der glückliche Erfolg einer Opéeration hängt daher sehr viel von der Wahl der, für den vorhandenen Fall am meisten passenden Methode ab. Im Allgemeinen kann man aber diejenige Methode für die beste halten, welche: 1) den Zweck der Operation vor allen andern am sichersten erfüllt; 2) welche mit möglichst geringen und leicht heilbaren Verletzungen verbunden ist und durch welche weder die Form noch die Verrichtung der Theile mehr gestört wird, als dies die Krankheit oder der Zweck der Ope- ration durchaus nöthig macht; 3) welche mit dem we- nigsten Blutverlust und mit dem geringsten Schmerz be- gleitet ist; 4) die am leichtesten zu erlernen und in der kürzesten Zeit auszuführen ist; 5) bei welcher die we- nigsten und die einfachsten Instrümente und die wenig- sten Gehölfen erforderlich sind; und 6) welche keine suhpierige oder langwierige Nachbehandlung authg macht.

6 H- 7.

Ahanche Operahiomsuethodeh und Verfahrungsweisen sind in ihrer Ausführung beständigen und allgemein gül- tigen Regeln unterworfen, von denen eine Abweichung nur sehr selten nöthig wird(z. B. das Aderlassen, der Steinschnitt); andere dagegen sind nur zum Theil sol- chen festen Regeln unterworfen, sondern sie müssen stets nach der Eigenthümlichkeit des vorhandenen krankhaften Zustandes eingerichtet und abgeändert werden(z. B. die Ausschälung von Geschwülsten, die einen groſsen Umfang haben oder mit Degeneration der begränzenden Theile verbunden sind). Die Operationen der erstern Art sind, ihrer Regelmäſsigkeit wegen und da sie an jedem Thierkörper eingeübt werden können, mehrentheils mit gröſserer Vollkommenheit zu erlernen als die der letztern Art, welche nur an krankhaft ver- änderten Theilen geübt und verrichtet werden können.

§.d8.;

Die Wirkungen der Operationen sind im Algeweie nen von zweifacher Art, nämlich mechanische und

dynamische. Die ersteru treten immer in demsel-

ben Moment ein, in welohem eine Operation verrichtet wird, und man bezeichnet sie daher auch gewöhnlich als primäre Wirkungen. Sie bestehen in gegenseiti- ger Berührung der organischen Gebilde mit einander selbst, oder mit den Händen, mit Binden, mit Instru- menten u. dgl., oder in Reibung, Druck, Ausdehnung, Trennung oder Vereinigung der Theile, in der Auslee- rung von Phhsaahojba inndec Entfernung fremder Kör- Ponſ u. s. W.. Die dynamischen Wirkungen antstehen zum Theil bei, gröfstentheils aber erst nach der Ausführung einer- Operation und geben sich nach der Verschiedenbeit der primären Wirkung, nach der Art der betroffenen Ge- bilde so wie nach dem vorhandenen gesunden oder kran- ken Zustande des Organismus, bald durch Reizung, Schmerz, Entzündung, Fieber, veränderte Bildungsthä-

tigkeit, namentlich veränderte Secretionen, bald auch durch Reiaminderung, Erschlaffung, Lähmung u. dergl. Veränderungen in den betroffenen Theilen oder im gan- zen Körper, zu erkennen. Die meisten von diesen Ver- änderungen kann man als eine Folge der Reaction des lebenden Organismus gegen die Einwirkung der Opera- tion betrachten(namentlich die Entzündung und das Waundfieber); andere entstehen dagegen mehr durch Vernichtung oijer durch neünwune der Funbiiow eines nach ded Durchsehneiden der Fesselnerven; die grö- fsere Zartheit des Fleisches, das leichtere Fettwerden und das in Pohes der Castration). 1 Aih LHaus A 11§.19. 41 4 19 Jede hieratatlioho Operatokn mufs hartiumute Lwooke puhen⸗ und diese sind theils ein allgemeiner, theils ein besonderer. Der allgemeine Zweck ist derjenige, den man überhaupt durch eine Operation beabsichtiget; er kann von vierfacher Verschiedenheit sein und ist bereits im§. 1. angegeben worden. Der besondere oder spe- eielle Zweck richtet sich bei kranken Thieren nach der Eigenthümlichkeit der vorhandenen Krankheit, an ge- sunden Thieren aber nach der besondern Aufgabe(zu- weilen blos nach dem Willen des Thierbesitzers). Der letztere Zweck bestimmt daher auch die Art der Ope- ration, und er kann hiernach im Allgemeinen gerich- tet sein: 1) auf Aenderung des Zusammenhanges, ) durch Vermittelung der organischen Vereini- gung getrennter Theile, 5) durch Trennung des ocgauisuhan Zusammen- hanges; ali 11 t 1 2) auf Aenderung der dags der Gebilde, 2u 44) durch Wiederherstellung der normalen Lase bei hiervon abgewichenen Gebilden, 36) durch Verschiebung normal 2Aaruneer Theile; us)lanui Aenderung in der Existenz der Gebilde, a) durch Ersatz oder ederhsratahluus⸗ verlorner Gebilde, Hoil1x519 1a 0Obei, ua 5) durch Entfernung Gehildes; 84) auf dulenuutg den⸗ Paahalenheit 1 der Gebilde und der Säfte, oiu! 1 bHdis a) durch Huiuchmung Siaheimischer..Snen. 5) durch Aneiguung fremder Stoffe; 4 15) auf veee ere in der V italitit und Funktion der Organe, 6 *3 2) durch nuanchlattde Echohungho oder Vmindeung der Sensibilität, der Irritabilität oder der Bil- dungsthätigkeit eines Organs, k4) durch qualitative Umstimmung. der Vitalitat in ndenselben. nümiig Suli donub

on aoeuinchrere von diesen Zwecken zugleich erfüllt

werden, was in manchen Fällen durch eine einzige Operation, in andern aber nur durch verschiedene Ope- rationen zu erreichen ist, je nach den primären und se- kundären Irlehongens der letztern.

da.§. 10. Die Anzeigen(Indikationen) zur Ausführung einer Operation gründen sich zum Theil auf den Heilzweck, zum Theil aber auf die Berücksichtigung des Körper-

1*