— 198
letztere mit einer Fläche gegen die Haut gekehrt, zwi- schen die Haut und das Schienbein und trennt mit die- sen Iustrumenten das verbindende Zellgewebe zwischen diesen Theilen in der ganzen Länge des Ueberbeius. Nun bringt man das Periosteotom, die Schneide gegen das Ueberbein gerichtet, in die Oeffnung, setzt es in der Längenrichtung auf die Mittellinie desselben und schneidet die Beinhaut vollständig auf dem ganzen Ueberbeine durch, indem man das Messer zweimal über dasselbe mit mäſsi- Das Thier zeigt da- Mittelst einer
dünnen Sonde kann man sich uüberzeugen, ob die Bein-
gem Druck hin- und herbewegt.
bei stets nur einen mäfsigen Schmerz.
haut überall durchschnitten ist.
LlI. Die §. 175.
Da in den meisten Fällen die sogenannten Gallen selbst mit den kräftigsten Zertheilungsmitteln nicht weg- geschafft werden können, so ist man schon in älteren Zeiten zu der Ansicht gelangt: daſs die Heilung dieser Geschwülste am besten durch die Ausleerung der in ih- nen enthaltenen Flüssigkeit bewirkt werden könnte. Jordanus Rufus spricht schon hiervon(Hippiatria, p. 78), später haben Robertson, Sind, Vitet, Ker- sting(in ihren bekannten Werken), Busch(Archiv für Roſsärzte etc. III. 71) u. A. dies Verfahren in ver- schiedenen Modifikationen beschrieben und neuerlichst ist es besonders von Röttger empfohlen worden(Ma- gazin f. Thierheilk. XI. S. 314). Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, dals auch die Operation sehr oft kein sicheres Heilmittel war, ja dafs durch sie in einzelnen Fällen sehr üble Zufälle, namentlich heftige Entzündung so wie nachfolgend Verdickung und Verwachsung der Gelenke herbeigeführt worden sind. Indeſs scheint es, dafs diese Uebelstände dadurch bedingt wurden, dals man:) die Gallen ohne Unterschied ihres Sitzes und ihrer Beschaffenheit der Operation unterwarf;— 5) daſs man die letztere auf eine mangelhaſte Art ausführte, und—) dals nicht immer eine zweckmäſsige Nach- behandlung statt fand.
In Betreff des ersteren Punktes gilt jetzt bei den erfahrensten Thierärzten als Grundsatz: daſs man naur solche Gallen, welche ohne Schmerz bestehen, öffnet, dagegen diejenigen, welche in Folge heſtiger Anstren- gungen, oder von Schlägen und dergl. Verletzungen frisch entstanden, und noch mit Entzündung und vielem Schmerz begleitet sind, der Operation nicht unterwirft.
Die beiden andern Punkte finden in dem Folgenden ihre Erledigung.
§. 176.
Die operative Eröffnung der Gallen kann, wie be- reits oben erwähnt, in mehrfachen Modifikationen(nicht Methoden) geschehen, und zwar: 1) durch einen ein- fachen Einstich in gerader Richtung durch die Haut bis in die Höhle der Galle, vermittelst eines spitzen Mes- sers, einer Lanzette, eines Schneppers oder eines Troi- kars;— 2) durch einen Einstich in schräger Richtung unter der, die Galle bedeckenden Haut, so daſs die Oeff- nung der Galle gewissermaaſsen subcutan geschieht;—
Eroffn
—
Ist unter der Beinhaut eine flüssige oder eine schon geronnene Feuchtigkeit ergossen, so entleere man die- selbe durch gelinden Druck und lege dann für die er- sten 2 Tage einen mäſsig festen Verband, aus etwas Werg und einer Binde bestehend, auf den Theil. In andern Fällen, bei schon festen Ueberbeinen, ist ein solcher Verband nicht erforderlich. Die Nachbehandlung besteht zuerst in der Anwendung kalter Waschungen oder Fufsbäder zur Minderung der Entzündung, später, wenn Eiterung eintritt, in bloſser Reinigung. Die Hei- lung erfolgt gewöhnlich in 8— 12 Tagen vollständig und mit einer nar kleinen Narbe.
u n 9 der Gallen.
3) durch einen gröſseren Einschnitt;— 4) mittelst Durchführung eines Troikars durch die Galle und Ein- ziehung eines kleinen Eiterbandes durch die gemachten Oeffnungen, und— 5) durch Brennen mit einem spitzen glühenden Eisen(Sind) oder mit einem glühenden Pfriemen(Robertson).
Das erstere Verfahren ist leicht ausführbar und war früher das gebräuchlichste; jetzt hält man es nicht fär recht zweckmälsig, weil die Luft unmittelbar auf die innere Fläche der Galle(wie auf alle seröse und Sy- novialhäute) zu reizend einwirkt und zu heftiger Entzün- dung Veraunlassung giebt. Deshalb ist in neuerer Zeit das zweite Verfahren erfunden und überall, wo man dasselbe anbringen kann, jetzt als das vorzüglichste ge- bräuchlich.— Die dritte Verfahrungsweise ist von Busch im Allgemeinen bei Sehnenscheidengallen empfohlen, ich möchte es jedoch nur, wie Röttger, speziell bei den-
jenigen, welche in der Scheide der Strecksehne des
Kronen- und Hufbeins an der vordern Fläche des Fces-
Bei Gelenkgal- len darf dies Verfahren durchaus nicht angewendet wer-
selgelenks ihren Sitz haben, benutzen.
den, da es immer eine groſse Gelenkwunde mit allen üblen Folgen derselben mit sich führt.— Die sub 4 u. 5. bezeichneten Verfahren sind mit zu vieler Reizung im Innern der Galle verbunden, und daher beide nur da brauchbar, wo groſse Torpidität besteht und wo man absichtlich eine starke Reizung hervorrufen will, um die Resorption anzuregen. §. 177.
Die zu diesen Operationen nöthigen Instrumente sind: ad 1 und 2 ein schmales spitzes Bistouri, eine Lanzette oder ein spitzes Tenotom, oder ein Troikar mit zweischneidiger Spitze und silberner Canüle, welche gegen 3 Zoll lang, 2 Linien breit, in der Mitte 1 ½ Li- nien dick und mit kleinen Seitenöffuungen versehen ist; das Stilet wird mittelst einer Druckfeder an den 1 ¼ Zoll langen Handgriff befestiget und ist durch Oeffnen dieser Feder von dem Letztern zu trennen. Der von Busch erfundene Gallenschnepper ist ganz eutbehrlich.
ad 3 kann jedes gerade oder geballte Bistouri dienen;
ad 4 benutzt man den sub 1 beschriebenen Troikar, nebst einem Bündel von 4— 6 Zwirn- oder Seidenfäden;
und ad 5 ist zu bemerken, daſs die Brenneisen mit einer etwa ¾ Zoll langen Spitze versehen sein


