ten). Man macht von demselben entweder eine einfache Schleife, die man über die, durch einen Gehülfen von dem Ellbogen etwas abgezogene Beule legt, dann die mit hölzernen Knebeln versehenen Enden des Drahtes möglichst fest anzieht und sie sogleich fest zusammen- drehet oder sie in einen festen Knoten bindet; oder— man legt die Schleife nur locker an die Beule, bindet die Drahtenden fest zusammen, steckt unter die Schleife einen Knebel und drehet sie mittelst desselben lang- sam so fest zusammen, daſs der Draht fast in die Haut einschneidet. Wählt man die letztere Art des Zuschnü- rens der Schleife, so ist es zweckmäſsig, diese aus zweifach zusammengelegten Draht zu machen, weil der einfache Draht bei dem Zusammendrehen zuweilen zer- reilst.— Wenn die angelegte Schleife nach einigen Tagen lockerer wird und nicht mehr gehörig wirkt, muſs man dieselbe fester zudrehen oder eine zweite möglichst fest um die Beule legen, nachdem man die erste abgenommen hat, und so fortfahren, bis wenigstens die Hälfte der Masse
mit der Ligatur durchschnitten ist. Letzteres findet sich,
je nach der Dicke und Festigkeit der Geschwulst und nach dem Grade des Druckes, mit welchem die Ligatur wirkt, gewöhnlich zwischen 8— 14 Tagen. Man löst dann mit dem Messer die abgestorbene Masse vollends ab, stillt die etwa entstehende Blutung mit dem Brenn- eisen und behandelt die Wunde fernerhin so, dals nur eine möglichst geringe Eiterung und Granulation ent- steht, damit die Bildung eines neuen schwammigen Ge- webes vermieden werde. Digestivsalben sind deshalb fast durchaus zu vermeiden, dagegen austrocknende Mit- tel, wie Kohlenpulver mit pulv. Enzianwurzel, selbst Aetzmittel von Zeit zu Zeit wiederholt, anzuwenden. Aufserdem ist es zweckmälsig, die Pferde während der Cur im Hängegurt stehen und sie erst nach gröſsten- theils erfolgter Vernarbung mit Vorsicht bewegen zu lassen.
5) Die Eutfernung der veralteten Stollbeulen mit dem Messer bewirkt man entweder durch Ausschä-
lung oder durch Abtragung derselben. Beides ge-
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schieht stets am besten am liegenden Pferde, und zwar im Wesentlichen ganz so, wie im§. 55. sub 4 ⁴— angegeben worden. Es ist jedoch zu bemerken: daſs die Ausschälung der Stollbeulen mit Schonung der Haut (selbst wenn man von ihr nur so viel übrig läfst, wie zum Bedecken der Wunde nöthig ist,) sehr oft eine schlechte Heilung zur Folge hat, indem theils die Wund- ränder der Haut, wenn man dieselben durch die Naht ver- einigt, von der letztern fast immer durchrissen und un- eben werden, sich verdicken und verhärten,— theils auch vom Grunde der Wunde her neue schwammige Substanz wächst. Daher erfolgt die Heilung gewöhn- lich erst nach 4— 8 Wochen, und nach derselben ist oſt das Aussehen durch den neugebildeten Schwamm oder durch breite haarlose Narben noch übler als vor der Operation, so daſs die letztere zuweilen wiederholt werden muſs.
Dagegen hat man nach dem Abtragen dieser Ge- schwülste, welches man durch einen von oben nach un- ten verlaufenden länglich-runden Schnitt um ihre Basis, mit wenig oder gar keiner Schonung der Haut,— durch glattes Abschneiden der Masse von dem Ellbogen, und die Blutstillung mit den gewöhulichen Mitteln bewirkt, — stets die Heilung mit einer glatten Narbe und ohne jene üble Zufälle erfolgen sehen. Es entsteht zwar bei dieser Operation eine grofse Wundfläche, indem die Hautränder sich sogleich nach allen Seiten zurückzie- hen; aber nach dem Eintritt der Eiterung verlängern sie sich allmälig und die Vernarbung erfolgt fast in dersel- ben Zeit wie nach der Ausschälung mit Schonung der Haut. achteten und viel beschäftigten Thierärzte Jessen und
Diesen Erfolg bestätigen namentlich die sehr ge-
Schäütt in Petersburg durch ihre Erfahrungen hierüber.
Die Nachbehandlung nach dem Ausschälen wie nach dem Abtragen der Stollschwämme muſs zuerst auf Min- derung der Wundentzündung und dann auf Minderung der Eiterung und Granulation gerichtet sein(wie nach dem Abbinden); das Thier mufs während der Heilung ruhig und stehend erhalten werden.
XLIII. Die Durchschneidung des Muskels der breiten Sohen KorDAe.
§. 158.
Wenn die Bewegung eines Hinterschenkels in der Art gestört ist, daſs das Aufheben desselben mit zu grolser Kraſt und Schnelligkeit, gleichsam schleudernd nach vorn und zu hoch gegen die Brust, das Nieder- setzen aber zu langsam geschieht,— dabei an der gan- zen Gliedmaafse keine materielle Ursache dieser Stö- rung zu entdecken ist, aber die Auf hebemuskeln des Schenkels stark entwickelt oder auch nur sehr gespannt erscheinen, und wenn der Zustand seit längerer Zeit allen Mitteln trotzt, so kann man annehmen, daſs der- selbe in ungleicher, zu heftiger Aktion der Aufhebe- muskeln begründet sei. Bei diesem Zustande erscheint die Durchschneidung des einen oder des andern dieser Muskeln angezeigt, um die heftige Bewegung zu min- dern. Hierzu eignet sich besonders der Muskel der breiten Schenkelbinde am meisten, weil er bei seiner
oberflächlichen Lage am besten zu erreichen und seine
Verletzung mit der wenigsten Gefahr verbunden ist. Ich habe in einem solchen Falle diese Operation mit dem Erfolge augenblicklicher Beseitigung und Heilung der Lahmheit ausgeführt.
Das Verfahren ist sehr einfach. Das Pferd wird auf die gesunde Seite niedergelegt und seine Füfse wer- den einfach zusammengeschnürt. Man unterrichtet sich durch Befühlen des genannten Muskels in der Richtung von dem äufsern Darmbeinswinkel nach der Kniescheibe zu, von der Lage und dem Umfange desselben, macht dann an seinem äufsern Rande und etwa 3 Zoll unter dem Darmbeinswinkel(weil er hier weniger ausgebrei- tet ist als weiter unten), einen 1 ½ Zoll langen Schnitt durch die Haut,— führt durch die Oeffnung eine stumpf- spitzige, etwas gebogene Hohlsonde, die Rinne dersel- ben nach aufsen gerichtet, unter den Muskel, zwischen diesen und die sehnige Ausbreitung in queerer Richtung bis zum innern Rande desselben, und schneidet ihn mit
einem


