sehr empfindliche Thiere legt man nieder und bindet den obern Hinterfuſs an den Vorderfufs. Dann nimmt man in die linke Hand die kranke Zitze und ziehet sie ge- lind in gerader Richtung vom Euter ab, so daſs sie ge- spannt und frei von Falten wird. Hierauf führt man
durch die Mündung ihres Kaunals mit der rechten Hand
eine metallene, mit Oel oder Fett bestrichene Sonde von
etwa 1 Linie Dicke, und schiebt dieselbe langsam vor wärts, bis man an die verwachsene Stelle kommt, welche man durch mäſsigen Druck mit der Sonde zu trennen Im Falle des Gelingens hört der Widerstand auf und es kommt Milch, zum Theil in veränderter Beschaffen- zum Vorschein.
sucht.
heit, selbst mit etwas Blut gemengt, Treten bei wiederholten Versuchen mit der Sonde diese Erscheinungen nicht ein, so ist die Anwendung des Troikars nöthig. Man führt nun zuerst die mit Oel oder Fett bestrichene Hülse desselben auf die nämliche Weise wie die Sonde, so weit in den Kanal eiu, bis sie Wi- derstand findet,— hält sie hier in der gespannten Zitze fest, bringt das spitze Stilet in sie eben so weit und drückt dann den ganzen Troikar gerade vorwärts in die Milch-Cisterne. man aus dem aufgehobenen Widerstande vermuthen. Das
Daſs man in diese gelangt ist, kann
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Stilet wird nun aus der Röhre gezogen, worauf die Milch, pald mehr bald weniger verändert und mit Blut gemengt, jn einem starken Strahl nachfliefst. Nach ihrer gänzli- chen Entleerung kann man die Hälse entfernen oder auch sie während 3— 4 Tagen liegen lassen und sie vermittelst eines an ihr Queerblech gebundenen und durch einen Streifen Heftpflaster an das Euter geklebten Zwirnsfadens befestigen. Im erstern Falle ist es nöthig, sie täglich 2— 3mal wiederholt in die Zitze zu führen, so lange bis dieselbe an der verletzten Stelle des Ka- nals eine ganz glatte Oberfläche erhalten hat und die Milchentleerung beim Melken leicht und in einem dicken Strahle statt findet.— Man kann diesen Zweck auch durch das Einlegen von trockenen Darmsaiten oder von
Bleidrähten erreichen.*)
*) Baerlocher fand bei einer Kuh, welche am linken vordern Strich nicht gemolken werden konnte, an diesem Strich in der Nähe des Euters eine knotige, mit der innern Fläche des Milch- kanals verwachsene Erhabenheit, welche die Oeffnung verschloss. Das Einbringen einer mit Fett bestrichenen Federspule gelang nicht. Die Kuh wurde daher niedergelegt, die Zitze auf der in sie geführten Hohlsonde ¾ Zoll lang gespalten, der Knoten mit einem Häkchen erfasst, hervorgezogen und abgelöst, und dann die Wande durch die Naht vereiniget. Es traten starke venöse Blutungen ein.— Bei fleifsigem Ausmelken erfolgte die Heilung in 14 Tagen.
ALI. pi Ea stir aton. oder Amputation der Euter oder der Brüuste.
§. 154. Wenn bei Scirrhus, welcher aufzubrechen und in den offenen Krebs überzugehen droht, eben so bei dem letztern selbst und bei Brand in einer Brust das betref- fende Thier noch kräftig, ohne Zehrfieber und ohne brandiges Fieber ist und noch erhalten werden soll, ist die Abnahme der entarteten Brust als voehwenebe und letztes Rettungsmittel zu versuchen. Bei sehr schwachen, abgezehrten und sehr alten Thieren, und wo heftiges Fieber oder wo Zufälle eines andern orga- nischen Leidens zugegen sind, but die Operation in der Regel keinen guten Erfolg. Letzterer ist auch unter den zuerst bezeichneten Umständen nur zu hoffen, wenn die Operation ohne weitern Zeitverlust unternommen wird. Moncourt hat die Exstirpation des Euters an Stu- ten mebhrfältig, Flandrin hat sie an einer Kuh, Fro- mage de Feugré ebenfalls an diesem Thiere mit gu- tem Erfolge unternommen(Hu rtreld'Arbovals Wör- terbuch, Artikel Euter), und ich selbst habe sie mit Glück an einer Kuh und an vielen weiblichen Hunden
ausgeführt. §. 155.
Je nachdem eine Brust nur theilweis oder im gan-
zen Umfange entartet ist, oder das Leiden sich über mehrere Brüste(bei Kühen und Stuten über das ganze Euter) erstreckt,
kleinern bald gröſsern Umfange nothwendig. Bei Schwei-
ist auch die Operation in einem bald
nen, Hunden und Katzen schält man stets die ganze leidende Milchdrüse aus; bei Pferden, noch mehr aber bei Kühen beschränkt man sich, wenn nicht ganz un- verkennbar beide Hälften des Euters gleichartig leiden, nur auf die eine Hälfte oder selbst nur auf einen Theil derselben, wenn die Entartung in dem vordern oder dem hintern Ende einer Brust begränzt ist; denn es wird
dadurch eine unnütze Vergröfserung der Wunde ver- mieden und der in gesunder Beschaffenheit zurückblei- bende Theil kann später noch seine sezernirende Funk- tion wiedererhalten, wie dies Fromage de Feugré Indefs ist bei einer solchen Abtragung nur
eines Theiles einer Brust zu bemerken: 4) daſs sie
angiebt.
stets in völlig gesunder Substanz geschehen muſs, weil sonst die Operation in Hinsicht auf die Beseitigung des eigentlichen Leidens nichts nutzen würde; und— 5) daſs man immer eine Zitze in gesunder Beschaffenheit mit dem zurückbleibenden Theile der Milchdrüse in Verbin- dung erhalten mufs, wenn man von der Absonderung in Uebri- gens ist die Ausschälung einer ganzen Milchdrüse im
diesem Theile noch einen Nutzen haben will.
entarteten Zustande als Operation gewöhnlich nicht schwieriger als die theilweise Abtragung, und die Hei- lung der Wanden erfolgt, abgesehen von ihrer verschie- denen Gröfse, im erstern Falle oft leichter und für die Zukunft gründlicher als im letztern.
§. 156.
Das Thier wird zu dieser Operation, nachdem seine beiden Gliedmafsen jeder Seite zusammengebunden und die sonst nöthigen Vorkehrungen getroffen sind, auf den Rücken gelegt und von Gehülfen gehalten. Man reini- get zuerst das Euter oder die Umgegend der kranken Drüse an der Oberfläche und macht dann die Ablösung derselben ganz oder zum Theil, und mit mehr oder we- niger Schonung der Haut, je nach dem Umfange der Entartung in der Drüse und in der Haut, und nach der Gröſse der Geschwulst.
4) Ist bei einer Stute oder bei einer Kuh eine Milchdrüse nur zum Theil entartet, dabei wenig ge- schwollen und die Haut gesund, so führt man mit einem
geballten Bistouri durch die letztere einen Schnitt auf


