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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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bei und nach der Operation sehr heftig werden kann. Der wichtigste Uebelstand, welcher nach ihr nicht sel- ten entstand, war eine Verengerung der Harnröhre, welche zuweilen bis zur gänzlichen Verwachsung der Mündung an der Operationsfläche ging und stets Harn- beschwerden, Schmerzen, Abmagerung, und in einzel- nen Fällen selbst den Tod zur Folge hatte. Dennoch ist die Operation zur Beseitigung der geuannten krank- haften Zustände das einzige Mittel. Die Heilung der qurch sie verursachten Wunde am Penis erfolgt ge- wöhnlich in 3 6 Wochen, aber die Verschlieſsung der Harnröhrenmündung macht sich zuweilen erst spä- ter bemerkbar. §. 137.

Huzard ¹) und Chabert*) scheinen unter den wirklichen Thierärzten diese Operation zuerst(1777 pis 1779) gemacht zu haben. Sie bewirkten die Tren- nung des kranken Theils von dem gesunden durch eine fest um das Glied umgelegte Ligatur, nachdem vorher eine Röhre von verzinntem Blech in die Harnröhre ge- legt worden war. Ihnen folgten Dupont*), Noi- rot¹) und Aundere. Dieterichs*) beschrieb die Ope- ration 1822 nach der Methode des Abbindens und des Abschneidens mit messerförmigen glühenden Eisen. Bar- thelemy 5) beschrieb 1828 eine Amputation mit dem Bistouri, welche er 1825 gemacht hatte, und Favre) theilte 1839 ein ähnliches Verfahren mit. Dieterichs hat Letzteres in seiner Akiurgie mit angegeben. Dem- nach giebt es jetzt drei Methoden dieser Operation, nämlich a) die Amputation durch die Ligatur, 5) durch das glühende Eisen, und c) durch das Messer.

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a) Die Ligatur gewährt vor den beiden andern Me- thoden den Vortheil, daſs bei ihr die Blutung ganz oder fast gänzlich vermieden wird, und sie könnte deshalb bei sehr geschwächten Thieren und in solchen Fällen, wo es an geschickten Gehülfen fehlt, den Vorzug ver- dienen. Aber ihre Anwendung ist wegen des mehr- mals nothwendigen Nachschnürens der Ligatur und we- gen der eintretenden grofsen Geschwolst und Jauche- absonderung u. s. w. beschwerlicher für den Operateur und lästiger für das Thier, als es die beiden andern Methoden sind. Auſserdem wird die Ligatur von Die- terichs beschuldiget, dafs sie die Haut der Harnröhre zu sehr zusammendrücke und diese hiernach sich zurück- und zusammenziehe. Diesen Nachtheil kann mau jedoch ziemlich sicher vermeiden. Bei Hunden ist die Ligatur wegen des Ruthenknochens gar nicht anwendbar.

Zur Ausführung dieses Verfahrens gebraucht man: 1) eine gerade Röhre von starkem Weiſsblech, je nach der Weite der Harnröhre(für Pferde 3 4 Linien) dick und nach der Länge des abzunehmenden Theils 6

¹) Instruct. et observ. vétérin. T. V. p. 338. Paris 1790. *) Rozier, Dictionn. universel d'Agricult. T. III. p. 335. Paris, 1779.

³) Gohier, Mémoires et observat. sur la chirurgie etc. T. II. p. 351. Lyon, 1816.

*) Journ. de méd. vétér. 1831. p. 302. ⁵³) Veter. Chirurgie, 1822.§. 351 u. f. ⁶⁴) Recueil de méd. vétér. 1828. p. 71. *) Ebendaselbst, 1839. p. 5 u. 117.

bis 12 Zoll lang, so dafs sie in der Harnröhre noch 3 6 Zoll über die Ligaturstelle hinaufreichen muls; ihre Oberfläche soll glatt, ihr vorderes Ende mit stum- pfem Rande, das hintere Ende mit einem ovalen(für pferde 2 Zoll breiten) Queerblatt, in welchem sich an jedem Ende ein 2 Liuien breites Loch befindet, verse- hen sein; 2) eine runde glatte feste Unterbindungs- schuur, gegen 1 Linie dick, und für Pferde gegen 2 Fufs lang; und 3) eine Heftuadel von mäſsiger Stärke, mit einem gewächsten Bindfaden oder mit mehrfachem gewächsten Zwirn.

Das Thier wird gebremset, auf die linke Seite oder auf den Bücken gelegt, worauf ihm die Beine wie zur Castration zusammengebunden werden.

Hängt der abzunehmende Theil des Penis nicht so weit aus dem Schlauche heraus, daſs die Ligatur ohne Weiteres an gesunder Substanz angelegt werden könnte, so mufs er genügend hervorgezogen werden; und, wenn die Entartungen zu hoch nach oben sitzen, würde man selbst die Vorhaut von der Oeffuung her 2 3 Zoll lang in der Mittellinie spalten müssen, wie ich dies bei zwei mit Krebs bis über die Mitte des Gliedes hin- auf behafteten Pferden mit gutem Erfolge gethan habe.

Die eigentliche Operation beginnt damit, dals man den vordern(kranken) Theil des Penis, etwa 1 2 Zoll hinter der Eichel, mit der Heftnadel queer durch- sticht und den Bindfaden oder die Zwirnfäden durch ihn zieht, so dafs ein Ende derselben an jeder Seite her- aushängt. An diesen Enden kann Zuerst das Glied in gerader Richtung durch einen Gehülfen aus dem Schlauch hervorgezogen gehalten werden. Man bringt dann die bezeichnete Röhre durch die Mündung der Harnröhre in diese so weit hinein, daſs ihr vorderes Ende noch einige Zoll über die zur Aulage der Ligatur bestimmte Stelle reicht. Hierauf legt man an diese das Unterbindungs- band in Form einer nicht nachgebenden Schlinge, am besten folgendermaafsen an: das Band wird gerade in seiner Mitte doppelt zusammengelegt, damit es an einem

Ende gleichsam eine Oehse bilde; so doppelt liegend

führt man es um das Glied und steckt das freie Ende des einen Theils durch die Oehse von oben, das freie Ende des andern Theils aber von unten durch, so daſs sie sich innerhalb der Oehse kreuzen, zieht dann beide Enden zugleich(allenfalls mit Hülfe angebundener Kne- bel von Holz) möglichst kräftig an und schnürt so die Schlinge fest zu. Diese Schlinge hält, ohne einen dar- auf gemachten Knoten, ganz fest und sogar um so fe- ster, je gröfser ein Druck von innen her gegen sie wirkt; von aufsen her gestattet sie aber leicht ein feste- res Zuschnüren. Wendet man eine einfache Schlinge an, so muſs, da dieselbe nach 2 3 Tagen deren Wir- kung nachläſst, später eine zweite Schlinge an die näm- liche Stelle gelegt werden. Nachdem die Schlinge angelegt ist, führt man die Enden des vorher durch den vordern Theil des Penis gezogenen Bandes durch die Oeffnungen, welche sich an dem Queerblatte der Metall- röhre befinden, bindet sie hier fest an und erhält hier- durch diese Röhre in der Harnröhre.

Das Thier wird euntfesselt und in den Stall ge- bracht. Hier zieht man dann die Ligatur täglich ein-

oder