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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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dehnten Blasenhalse und der Blase selbst und führt dann, von dem Finger geleitet, einen beölten Troikar mit zurückgezogener Spitze zu der Blase, so daſs das vordere Eude der Röhre dieselbe fast berührt. Man schiebt nun die Spitze des Instruments hervor und drückt dasselbe schnell und kräftig gegen 2— 3 Zoll tief hin- ein. Je nachdem man zuerst neben dem Blasenhalse die Bahn im Zellgewebe bloſs seitlich oder ein wenig schräg nach oben geführt hat, kann auch der Einstich- punkt seitlich oder mehr oben an dem Blasenhalse gewählt werden,— was nach den bisherigen wenigen Beobach-

tungen von gleicher Bedeutung für die Folgen ist.

XXXIII. Der Blasensteinschnitt(Cystolomiu,

§. 124.

Diese Operation besteht in dem kunstmäſsigen Er- öffnen der Harnblase und in dem Herausholen von stei- nigen, sandigen oder erdigen Concrementen aus dersel- ben.— Ihr Zweck ist eben die Entfernung der Steine u. s. w., um Harnverhaltungen, Reizungen und Entzün- dungen der Harnblase und deren üble Folgen zu ver- hüten oder zu beseitigen. Sie ist deshalb bei männli- chen und(seltener) bei weiblichen Thieren indizirt, wenn die gleich anzugebenden Symptome und der Be- fund das Dasein eines Steins in der Blase erkennen lassen. Denn andere Mittel gewähren keine Hülfe, und je früber ein Stein entfernt wird, um so mehr ist Hoff- nung zur gründlichen Heilung des Uebels.

Das Vorhandensein eines Steins in der Blase ist zu vermuthen, wenn ein Thier sich oft zum Uriniren stellt, den Rücken krümmt, drängt, oder zuweilen selbst ko- likähnliche Schmerzen zeigt, der Urin entweder nur in Tropfen oder in einem dünnen, zuweilen unterbrochenem Strahle abgeht, und wenn er blutig oder dick und schlei- mig ist und einen starken Bodensatz bildet; sehr groſse Steine oder erdige u. dgl. Massen verursachen zuwei- len ein fortdauerndes unwillkührliches Abgehen des Urins; einzelne Pferde lahmen auch bei diesen Sympto- men von Zeit zu Zeit ohne äufsere Veranlassung;— aber die Gewifsheit von dem Dasein eines Steins oder erdiger und sandiger Ansammlungen erhält man erst, wenn man mit der Hand, oder bei kleinen Thieren mit einem Finger in den Mastdarm eingeht und durch die untere Wand des letztern die Blase so vollständig als möglich fühlend untersucht. Man muls auf diesem Wege nicht allein das Dasein des Steins, sondern auch so- gleich seine Gröſse und Form, die Stelle seines Sitzes und seine freie, bewegliche oder entgegengesetzt seine eingesackte, unbewegliche Lage an derselben genau zu Denn diese Eigenschaften kommen bei der Operation sehr in Betracht, wie besonders bei

erforschen suchen.

der Gröſse der zu machenden Wunde, bei dem mehr oder weniger tiefen Einführen der Steinzange und bei der Sicherheit des Ergreifens des Steins. §. 125. Der Blasensteinschnitt an Thieren soll, nach Angabe H. D'Arboval's ¹) und Dieterichs*²), schon von Ve-

¹) Wörterb. d. Thierheilk. Nach d. Franz. von Renner. Weimar 1830. Bd. I. S. 229. ²) Akiurgie, S. 473.

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Nach gemachtem Einstich hält man mit der linken Hand die Röhre fest, zieht das Stilet aus ihr, läfst den Urin abflieſsen und entfernt dann die Röhre.

Auch hier zieht sich die Stichwunde der Blase fast jedesmal bald zusammen und verheilt ohne künstliche die Wunde im Zellgewebe heilt und sie wird dem-

Behandlung; aber durch Eiterung und Granulation, gemäls nach den allgemeinen Regeln behandelt.

In jedem Falle muſs nach gemachtem Blasenstich noch eine gründliche Kur der eigentlichen Haruverhal-

tung statt finden.

der Chirurgie

Cyslidotomia, Urethro- Cystotomiu, Litho- Cystolomia).

getius empfohlen sein“), was jedoch uurichtig ist, in- dem dieser Autor nur von dem Herausnehmen der Steine aus der Blase spricht, wenn dieselbe und der Mastdarm in Folge des Steinleidens geborsten ist. Vitet*²) und Lafosse d. S.*) haben die erste Beschreibung der Operation in thierärztlichen Lehrbüchern gegeben, Er- sterer jedoch ganz nach den damals in der Menschen- Chirurgie geltenden Ausichten. Dagegen sind die Au- gaben Lafosse's ganz sachgemäfs, obgleich er ge- steht, den Steinschnitt nur an einem Pferde gemacht zu haben, welchem er des Versuchs wegen einen Kiesel- stein in die Blase gebracht hatte. Nach ihm machte 1773 der französische Wundarzt Déal wahrscheinlich zuerst die Operation bei einem wirklich vorhandenen Stein an einem Wallach und wiederholte sie 1774 an demselben Thiere, weil sich ein zweiter Stein einge- funden hatte*). Später ist dieselbe von verschiedenen Thierärzten mit Glück ausgeführt worden, und unter andern namentlich von Poincelot(der sechs kleine Steine ans der Blase eines 6jährigen Pferdes nahm), von Giraud(der einen 1 ½ Pfund wiegenden Stein auszog); dagegen starb ein von Verrier operirtes Pferd in Folge der zu tiefen seitlichen Verletzung der Blase und der hiernach entstandenen Ergiefsung des Urins in Auch Chabert hatte die Opera- tion mehrmals ohne günstigen Erfolg gemacht.

Auſfser Lafosse haben Pilger*) und Schre- ger ⁵)(ganz jenem folgend), Fromage de Feu- gre), Ségala ⁵), Girard ⁹), Hurtrel D'Arbo-

val

das Becken u. s. w.

¹) Vegetii Renati artis veterinariae etc. Lib. I. c. XLVI.(Edit. Manh. 1781. p. 66.).

*) Médecine vétérinaire. T. II. Lyon 1771.— Deutsch: Vitet's Unterricht u. s. w. von Hennemann. 2. Th. 1r Bd. S. 96.

²) Cours d'Hippiatrique. Paris 1772, p. 305.— Lehrbegriff der Pferdearznei. Aus dem Franz. nach dem Cours etc. von Knob- loch. Bd. 4. S. 122.

*¹) Lafosse, Dietionnaire d'Hippiatrique. T. II. p. 146.

³) Systemat. Handbuch u. s. w. S. 1555.

⁸) Operationslehre f. Thierärzte. Fürth, 1803. S. 201.

7„. 7. ) Correspondance sur la conservation et amélioration des animaux domest. Paris 1810.

⁸) Annales de l'agricult. franc. 2. Série. T. 22. p. 345

*) Mémoires sur les calculs vésicaux et l'opération de la Taille dans le cheval. Paris, 1823.