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gie, 5. Aufl. S. 636)„je desmal ausführt, wenn ein Pferd heftige Kolik-Symptome zeigt und der Eigenthü- mer glaubt, es könne nicht stallen und leide an Harn- verhaltung.“ Aber auf solche Indikationen unternimmt kein rationeller Thierarzt eine Operation.
§. 119.
Der Katheter kann sowohl am stehenden wie am liegenden Pferde eingebracht werden, je nachdem man dasselbe vorfindet und je nachdem dasselbe das Angrei- fen an dem männlichen Gliede ruhig erträgt oder nicht, Man bremset es, spannt allenfalls die Hinterbeine und hebt einen Vorderfuſs auf; aber gewaltsam niedergewor- fen darf es nicht werden(wie Pilger schon ganz rich- tig bemerkt hat), weil man fürchten muſs, daſs hierbei eine Berstung der stark angefüllten Harnblase entstehen könnte. Liegt es von selbst, so läfst man es von Ge- hülfen niederhalten und setzt ihm ebenfalls eine Bremse auf. Dabei ist es gleichgültig, auf welcher Seite das Thier liegt.
Aus dem Katheter zieht man vor der Anwendung die Sonde, bestreicht sie mit Oel und legt sie dann wieder in die Röhre; eben so bestreicht man die letz- tere äufserlich mit Oel und untersucht, ob die Oeffnun- gen neben der Spitze offen sind.
Hierauf stellt man sich, wenn das Thier steht, an eine Seite desselben(am bequemsten an die rechte); liegt es, so stellt man sich an den Rücken und neigt sich über den Leib des Thieres, um mit den Händen zu dem Schlauch gelangen zu können. Man geht mit einer Hand in den letztern, umfafst die Ruthe hinter der Eichel mit dem um sie gelegten Daumen und Zeigeſin- ger und zieht sie langsam und gleichmäſsig vor die Schlauchöffnung. Mit der andern Hand führt man die Spitze des kurz hinter derselben gehaltenen Katheters in die Mündung der Harnröhre und schiebt sie allmälig immer tiefer in dieselbe hinein, bis sie in die Blase ge- langt ist oder sich irgendwo festgestellt hat. Dals das Erstere geschehen ist, vermuthet man theils aus der Länge, in welcher der Katheter bereits in die Harn- röhre eingeführt ist, theils aus dem plötzlich erfolgenden sehr leichten Vorwärtsdringen nach einer mühsamen Fortbewegung(im Blasenhalse); aufserdem aber kann man auch die Spitze des Katheters in der Blase fühlen, wenn man mit der Hand in den Mastdarm eingeht. Diese Untersuchung macht am besten der Thierarzt selbst, nachdem er vorher die Ruthe nebst dem Kathe- ter einem Gehälfen zum Festhalten in der einmal diesem Theile und dem lustrumente gegebenen Lage übergeben hat. Findet man den Katheter in der Blase, so wird sein hinteres Ende durch festes Umlegen der Finger des Gehäülfen um die Ruthe neben der Eichel in der Harn- röhre erhalten, während man die Sonde aus ihm zieht, worauf nun gewöhnlich der Urin abfliefst. Sollte dies aber nicht geschehen, so mufs man vermuthen: daſs ent- weder die Seitenöffnungen an der Spitze des Instru- ments mit Schleim u. s. w. verstopft sind, oder, dafs dasselbe durch zu starke Contraktur des Blasenhalses ganz zusammengedrückt ist. Letzteres Hinderniſs er- kennt man daran, daſs die in den Katheter wieder ein- geführte Sonde leicht bis zum Blasenhalse vordringt,
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hier aber entweder gar nicht oder nur mit Mäühe weiter vorwärts gebracht werden kann. In diesem Falle sind Klystire von krampfstillenden, namentlich von narkoti- schen Mitteln und Einreibungen einer Salbe von Fett und Belladonna-Extrakt wiederholt zu machen, bis der Krampf nachgelassen hat. Findet man aber dieses Hin- dernifs nicht, und mufs man demnach auf Verstopfung jener Oeffnungen schlieſsen, so macht man in den Kathe- ter Einsprützungen von lauwarmem Wasser recht kräſtig, und wenn hiernach der Urin nicht abflieſst, setzt man das Rohr einer Sprütze recht dicht auf die bintere Mün- dung des Katheters und sucht durch Zurückziehen des Stempels der Sprütze ein Aussaugen des Urins aus der Blase zu bewirken. Jedenfalls ziehe man das Instru- ment nicht eher aus der Haruröhre heraus, bis der Zweck erreicht ist.
Sollte aber der Katheter nur bis zu einer gewissen Länge in die Harnröhre eindringen und dann stocken, so versuche man zunächst durch etwas Zurückziehen und langsames wieder Vorwärtsschieben ihn über die behin- dernde Stelle und weiter zu bringen. Gelingt dies aber nicht, so übergebe man das männliche Glied und den Katheter, so wie letzterer eben liegt, einem Gehälfen num Festhalten und der Operateur selbst sehe und fühle am Mittelfleische, vom Scroto bis zum Aſter nach, wo die Spitze des lIustruments sich festgestellt hat. Ist diese Stelle gefunden, so lasse man letzteres etwa einen halben Zoll zurückziehen, dann aber langsam wieder vorwärts schieben, während der Operateur daselbst einen gelinden Drnck mit den Eingern aubringt und hierdurch die Spitze des lustruments von der hintern Wand der Harnröhre mehr ableitet. Wenn hiernach der Katheter bis zur Sitzbeinszusammenfügung gekommen ist und seine Spitze auch hier nach hinten drängt, drücke man sie auch wieder nach vorwärts und leite sie in den Blasenhals. Um letzteres sicher zu bewirken, mufs man gewöhnlich mit der Hand oder mit einigen Fingern selbst durch den After in den Mastdarm gehen und der Katheterspitze die nöthige Richtung geben, während der Gehülfe das Instrument immer mehr vorwärts schiebt, bis es in die Blase gelangt ist. Nun zieht man die Sonde aus dem Katheter und verfährt übrigens so, wie es im Vorher- gehenden angegeben worden ist.
Nach erfolgter Ausleerung des Harus wird der Ka- theter aus der Harnröhre zurückgezogen, mit Wasser gründlich gereiniget und dann getrocknet, um ihn für die Zukunft zu conserviren. Dabei ist es zweckmäſsig, die Sonde erst nach dem völligen Trocknen der Röhre wieder in dieselbe zu bringen.
§. 120..
Bei den sämmtlichen andern männlichen Haussäuge- thieren ist ein Katheter wegen der schärfern Krümmun- gen der Harnröhre nicht durch die ganze Länge der- selben in die Blase zu bringen, und man muſs deshalb bei ihnen ein anderes Verfahren einschlagen, um diesen Zweck zu erreichen. Eben so bei Pferden, wenn man einen elastischen Katheter nicht zur Hand hat, der Fall aber doch dringend ist.— Die Vorbereitungen des Thie- res zur Operation im Stehen oder im Liegen bleiben dieselben wie bei dem Einbringen des Katheters,—
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