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Stelle erhalten werden.— Nach dem einen wie nach dem andern Verfahren giebt man den Thieren weiche Nahrungsmittel in nur mäſsiger Quantität und erleich- tert die Kothentleerungen durch Klystire von schleimi-
XXX. Die künstliche
§. 117.
Bei sämmtlichen Arten der Haussäugethiere haben sich, obgleich nur sehr selten, neugeborne Junge vor- gefunden, denen die Afteröffnung fehlte. Man wird auf das Vorhandensein dieser Atresie gewöhnlich dadurch aufmerksam gemacht, daſs die Thiere während längerer Zeit keinen Koth entleeren. Weiterhin treibt ihnen der Leib auf, sie werden etwas unruhig und einzelne neh- men auch das Euter nicht mehr. Beim Nachsehen fin- det man entweder noch eine Andeutung von dem Schlieſs- muskel, aber die Mündung verschlossen und mit der äulsern Haut überwachsen;— oder das Mittelfleisch ist an der betreffenden Stelle ganz glatt und ohne eine Spur des Schlieſsmuskels.
In dem letztern Falle halte ich Hülfe nicht für mög- lich, weil bei den mir vorgekommenen Individuen dieser Art der Mastdarm von der Haut, bis in die Beckenhöhle hinein fehlte; dagegen waren in den Fällen der er- steren Art die Thiere durch die künstliche Eröffnung des Afters zu retten. Man bewirkt dieselbe, nachdem das Thier auf eine Seite niedergelegt, von Gehülfen fest gehalten und ihm der Schwanz in die Höhe gezogen st, dadurch: dafs man mit einem schmalen Bistouri die Haut in der Mitte des von dem Schlieſsmuskel gebilde- ten Kreises kreuzweis durchsticht, dann die einzelnen kleinen Lappen mit der Pinzette erfaſst, sie ein wenig hervorzieht uud nahe am Schlieſsmuskel sie abschneidet. Zuweilen kommt gleich bei dem Durchstechen der Haut
XXXI. 5 as Einbringen des
§. 118.
Wenn ein Thier an Haruverhaltung in der Art lei- det, daſs: 1) die Harnblase durch den Mastdarm, an der untern Wand desselben sehr voll und ausgedehnt, wie eine rundliche Erhöhung zu fühlen ist;— 2) das Thier sich hierbei unruhig benimmt, selbst sich von Zeit zu Zeit, wie bei Kolik, niederwirft, und bei diesem Be- nehmen eine Berstung der Blase erfolgen könnte; und — 3) wenn die Ursache der Harnverhaltung nicht in einer Verstopfung der Haruröhre durch einen in ihr ein- geklemmten Stein, oder durch einen Pfropf von erbär- tetem Hauttalg an ihrer Mündung besteht, so erscheint die Einbringung des Katheters*) durch die Harnröhre
*) Die Katheter sind Röhren von Metall oder von einem, mit einer Harzmasse überzogenen Geflecht von Zwirn, in der Dicke der Harnröhre und von angemessener Länge. Ihr vorderes Ende ist oval und geschlossen, aber mit einer oder zwei Seitenöffnungen versehen; das hintere Ende ist offen und bei denen, die aus einer Harzmasse bereitet sind, in einem kleinen trichterförmigen Ansatz von Horn oder Holz befestiget. In der Röhre liegt eine Sonde von Metall oder Fischbein.— Die gewöhnlichen metallenen Kathe- ter sind bei keinem männlichen Säugethier durch die Mündung der Harnröhre in die Blase zu bringen, weil die Steifigkeit des In- struments und die Krümmungen der Harnröhre dies verhindern. Französische Thierärzte hatten deshalb schon gegen Ende des vo- rigen Jahrhunderts einen biegsamen Katheter anfertigen lassen, der
gen Flüssigkeiten, bis die Vernarbung der verletzten
Stelle erfolgt ist. Anmerkung. Scheiden- und Gebärmutter-Polypen werden eben so wie die Mastdarm-Polypen entfernt.
Eroffnung 6d e s 4/42 77 s.
etwas schwärzlicher Koth zum Vorschein und es ist dann leicht, mit einer Fingerspitze, oder bei kleinen Thieren mit einer dicken Sonde in den Mastdarm einzu- dringen und denselben etwas zu erweitern; in andern Fällen liegt jedoch unter der Haut eine Schicht Zellge- webe, bald dicker bald dünner, und verschlieſst den Darm. Diese Schicht durchsticht man entweder in der Richtung nach dem Darm zu mit einem Troikar, oder man erfaſst das Zellgewebe mit der Pinzette und trägt es bis zum Eingange in den Darm ab. Hierauf bestreicht
man die Wundränder mit einer Bleisalbe täglich 2 bis
3mal, um bald eine Verdickung und Vernarbung ihrer Oberfläche zu bewirken, und applizirt während dieser
Zeit Klystire von schleimigen Mitteln.
Anmerkung. Bei erwachsenen Schweinen sahe der Thierarzt Volk in Folge brandiger Absterbung eines vorgefallenen Theiles des Mastdarms eine fast gänz- liche Verwachsung des Afters und einen warzen- ähnlichen Auswuchs auf demselben. Die Thiere litten seit 4 Tagen an gänzlich gehinderter Koth- entleerung. Er durchschnitt den Auswuchs nebst dem Schliefsmuskel kreuzweis, nahm die hierdurch entstandenen Läppchen mit dem Messer weg, stillte die Blutung mit Essigwasser und gab später Kly- stire von Leinsaamenabkochung. Die Heilung er- folgte; doch zog sich nach Kothentleerungen der After nicht so schnell zusammen wie bei den
andern Schweinen.
Katheters in Aie Harnbluase.
in die Blase, um hierdurch dem Urin einen Ausweg aus derselben zu verschaffen, dringend angezeigt. Aufserdem wird das Instrument zuweilen auch an- gewendet, um das Vorhandensein und den Sitz eines Steins in der Harnröhre oder Verengerung derselben zu erforschen, oder auch um bei dem sogenannten Stein- schnitt die Harnröhre sicherer zu treffen. 3 Harnverhaltungen der bezeichneten Art, und eben so die zuletzt bezeichneten Umstände finden sich nur selten und die Applikation des Katheters ist daher auch
nur eine seltene Aufgabe, wenn man sie nicht,— wie Dieterichs vorschreibt(Akiurgie S. 419. und Chirur- gie,
aus einer Anzahl metallener Glieder bestand, welche an dem einen Ende ein Köpfchen, am andern aber eine Höhle besalsen und ge- lenkartig in einander griffen. Der Thierarzt Gosau machte einen biegsamen Katheter aus einen, um einen Eisenstab gewickelten Spi- raldrath, welcher auf diesem Stabe breit geschlagen wurde(Vi- borg, Veter. Selsk. Skrift. 1. Deel. S. 382). Diese Katheter hatten jedoch groſse Mängel. Die jetzt gebräuchlichen Harz-Ka- theter oder sog. elastischen Katheter sind zwar theuer und wenig dauerhaft, da sie in den Salzen des Urins erweichen und den Harz- überzug theilweis abblättern, aber sie sind ihrer Glätte und Bieg- samkeit wegen sehr brauchbar. Für Pferde sind dieselben gegen 3 ½ Fuls dang und 2% bis 3 ½ Linien dick, je nach der Gräſse der Thiere.
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