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gen oder um gewisse Fehler und Gebrechen zu besei- tigen. Auſser den a. a. O. genannten Fehlern ist auch noch die unheilbare Verkrümmung des Schweifs, wie sie zuweilen nach Brüchen der Schweifwirbel oder in seltenen Fällen nach miſsglücktem Schweifkerben ent- steht, zu nennen. Für den ersten Zweck wird die Operation jetzt weit seltener unternommen als früher, wo man es fast allgemein für schön hielt, wenn ein Pferd einen sogenannten Stutzschweif hatte. Auch wurden nur Pferde mit solchem Schweif als englisirt betrach- tet und mit dem Namen:„ Engländer“ bezeichnet. Das Coupiren für diesen Zweck geschieht gewöhnlich nach dem Schweifkerben, wenn die Schnittwunden völlig geheilt sind; Robertson empfahl es aber zugleich mit dem Kerben auszuführen, weil dann die Wunden von beiden Operationen gleichzeitig heilen und die Pferde früher in Gebrauch genommen werden können. Allein die Erfahrung zeigt: daſs bei Ausführung der doppelten Operation üble Zufälle, namentlich der Tetanus häufiger eintreten, als wenn die eine nach der andern unternom- men wird; und aufserdem braucht des Coupirens wegen nur selten ein Pferd nach demselben von der Arbeit zurückgehalten zu werden.— Bei Pferden, welche viel Feuer und Kraft besitzen und den Schweif von selbst etwas in die Höhe nehmen, ist oft das Coupiren allein, ohne vorausgegangenes Kerben, hinreichend, um das Hochtragen des Schweifs bedeutend zu vermehren. Dii Stelle, an welcher die Schweifrübe durchschnit- ten werden soll, ist bei krankhaften Zuständen von dem Sitze derselben abhängig und vor diesem zu wählen, so dafs man alles Entartete oder die starken Verkrümmun- gen durch das Coupiren entfernt. In andern Fällen wird die Operationsstelle entweder von dem bloſsen Willen des Eigenthümers, von der Gebrauchsbestimmung des Pferdes,— von der Art, wie dasselbe den Schweif trägt, oder auch von der Mode bestimmt. Kurzschweif nach alter Weise zu machen, nimmt man gewöhnlich die Schweifspitze so weit weg, dals ein etwa 12— 14 Zoll langer Stumpf, vom After an ge- rechnet, übrig bleibt; groſsen Pferden und solchen, die den Schweif sehr in die Höhe tragen, läſst man deusel- ben etwas länger als solchen, die klein sind und den Schweif wenig aufuehmen. Edlen Reitpferden nimmt man nur einen kleinen Theil der Schweifspitze fort.
In früherer Zeit durchschnitt man die Schweifrübe an der gewählten Stelle ohne weitere Untersuchung dar- über: ob man einen Wirbel oder ein Gelenk trennte; jetzt wählt man gewöhnlich hierzu ein Gelenk und sucht deshalb an der Stelle denjenigen Punkt, der sich unter den Schweifmuskeln als eine rundliche Erhöhung fäh- len läſst. den Vorzug verdient.
Es ist noch zweifelhaft, welches Verfahren Das Durchschneiden des Gelenk-
knorpels gelingt mit zu schwachen oder stumpfen Instru-
menten allerdings besser als das eines Wirbels, und letz-
terer ist unter diesen Umständen der Gefahr des Zer- splitterns ausgesetzt, wodurch üble Zufalle verursacht werden können; bei dem Gebrauch einer guten Engli- sirscheere wird aber auch der Wirbel leicht und glatt durchtrennt und man hat jene Zufälle nicht zu fürchten. Wichtiger ist daher folgende Rücksicht: Weder der
Um einen
zurchschnittene Knorpel noch der Knochen überheilen direkt, sondern erst nachdem sie durch Exfoliation oder durch Eiterung abgestoſsen sind. Da nun zur Blutstil- lung aus den durchschnittenen Arterien gewöhnlich das Glüheisen angewendet wird, so wird in Folge dessen fast immer nicht allein der Knorpel, nächste Wirbel ausgeschieden. Letzteres geschieht aber jeichter und schneller und mit einer kleinern Lücke bei einem halben als bei einem ganzen Wirbel. §. 112.
Zur Operation des Schweifstutzens gebraucht man entweder die sogenannte Englisir- oder Coupir-Schee- re*), oder ein starkes Messer, oder ein Hufwirkmes- ser; aufserdem eine gewöhnliche Scheere, ein Stück Bindfaden, und ein Brenneisen mit ringförmigem oder birnförmigem Knopf.
Die Operation wird immer am stehenden Pferde un- ternommen und dasselbe hierzu folgendermaaſsen vorbe- reitet: Ein Gehülfe setzt ihm eine Bremse auf die Ober- lippe, richtet ihm den Kopf in die Höhe und hält es fest; ein zweiter Gehülfe hält ihm den linken Vorder- fuls in die Höhe; der Operateur scheitelt an der be- stimmten Stelle des Schweifs die Haare auf demselben in einer Queerlinie, legt die obern nach der Schweif- wurzel zurück und bindet sie mit einer Schnur in die-
sondern auch der
ser Lage fest an die Schweifrübe, so dafs diese selbst hierdurch von allen Seiten comprimirt und die Blutung aus den Arterien nach dem Durchschneiden gehindert wird. Hierauf scheert er an der Grenze der zurückge- bundenen Haare von den frei gebliebenen Haaren einen 4— 6 Linien breiten Streif ab, freie Einwirkung auf die Haut zu verschaffen,— läſst den Schweif am Ende der langen Haare von einem Ge- hülfen erfassen und horizontal in die Höhe halten,— stellt sich neben den hintern Rand des linken Hinter- schenkels, legt die Schweifrübe genau mit dem Theil, wo die Durchschneidung geschehen soll, in den halb- mondförmigen Ausschnitt an der Scheide des einen Arms der Coupirscheere, welchen man mit der linken Hand hält, führt mit der rechten Hand den andern Arm der Scheere so auf den Schweifrücken, daſs die Klinge queer über demselben steht und schneidet mit einem kräf-
um dem Messer eine
tigen Druck oder mit einem kurzen Schlage auf diesen obern Arm die Schweifrübe queer durch.
Hat man keine Coupirscheere, so kann man den, auf die bezeichnete Art vorbereiteten Schweif mit der betreffenden Stelle horizontal auf ein Holzstück mit eb- ner Oberfläche legen, dann auf den Rücken des Schweifs ein Wirkmesser oder ein anderes groſses Messer queer aufsetzen und mit einem kräftigen Schlage es durch ihn treiben.
Nach
*) Das Instrument besteht aus zwei etwa 16— 18 Zoll langen Hälften oder Armen, die an dem einen Ende durch ein Charnier mit ein- ander verbunden sind und somit zwei einarmige Hebel darstellen. Nahe dem Charnier besitzt der eine Arm eine fast 2 Zoll lange und eben so breite Messerklinge, deren Schneide nach hinten in
schräger Richtung zurücktritt; der andere Arm hat, gegenüber der Klinge, eine metallene Scheide für dieselbe mit einem halbmond- förmigen Ausschnitt am freien Rande und in der Grösse, dass er die Schweifrübe aufnehmen kann.


