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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
Entstehung
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henden angedeutet, an der Vene angebracht wird, schwillt

dieselbe nicht mehr wie im gesunden Zustande durch die Blutanhäufung an.— Jene oberflächliche Entzün- dung findet sich gegen 24 Stunden nach geschehenem

Aderlaſs ein, und erreicht mit etwa 48 Stunden bis späte- stens drei Tagen den höchsten Grad; sie zertheilt sich

oder es entsteht im Zellgewebe Eiter, der durch die Hautwunde aussickert, und in etwa 6— 8 Tagen sich allmählig verliert. Zuweilen bleibt etwas Verdickung der Hautränder und des Zellgewebes für längere Zeit zurück.

Die Entzündung der Vene beginnt in einzelnen Fäl- len ebenfalls mit etwa 24 Stunden, und erreicht zuwei- len schon in 3— 4 Tagen einen sehr hohen Grad, in den meisten Fällen aber beginnt sie erst nach mehreren

Tagen und entwickelt sich langsam bis zur Degeneration

der Vene. Die Aderlaſswunde bricht auf und sickert Eiter oder Jauche(die sogenannte Aderfistel); es entsteht

Ausschwitzung von Faserstoff an der innern Fläche des

Gefäſses, welcher in Schichten allmählig bis zur Mitte desselben gelangt, so das Lumen der Vene beengt und den Durchgang des Blutes durch sie beschränkt oder zuletzt ganz hindert. Wenn dies in kurzer Zeit ge- schieht, sieht man immer an der leidenden Seite die Ohr- drüse durch die darunter liegenden Venen-Aeste, die

Gesichts-Venen, und selbst das Zellgewebe in deren

Umgegend anschwellen; die Thiere kauen mühsam, sind eihgenommen im Kopf und können den Hals nur unvoll- ständig und mit Schmerzen bewegen. Bei einer lang- samen Entwickelung jener Degeneration der Vene tre- ten die bezeichneten Zufälle in viel minderm Grade, zu- weilen auch gar nicht ein.— In den meisten Fällen schreitet die Entzündung von der Aderlafsstelle dem Strome des Blutes entgegen, also an der Drosselvene nach dem Kopfe zu, fort; 2u weilen geschieht dies aber

auch in der Richtung nach dem Herzen zu. Im letztern Falle fiaden sich in der Regel Blutungen aus der Ader-

lalswunde ein und wiederholen sich fast immer wenn das Thier kaut. 482 no0b guns Die Ursachen dieser 3 Eutzündungen sind mannig- fach, namentlich mechanische Reizungen der Aderlaſs- stelle, veranlafst durch Reiben und Scheuern derselben, durch Druck von umgelegten Stricken, oder vom Ge- schirr oder vom Rande der Krippe, durch das Einbinden von Haaren zwischen die Wundränder beim Verschlie- ſsen der Wande, durch zu festes Zuschnüren der Haut- ränder mittelst der umgelegten Haare oder Fäden, durch Verunreinigung der Wunde mit Medicamenten bei deren Injection in die Adern, durch zu starkes Gegenschlagen

gegen die Haut beim Aderlassen mittelst der Fliete u. dgl. m.

Auch werden stumpſe und rostige oder verunreinigte Instrumente, und das Verletzen der V enenklappen beim Aderlassen beschuldigt, letzteres jedoch ohne bestimmte Beweise*). Nicht selten ist wohl eine eigenthümliche

*) Man soll deshalb auch beim Aderlassen diejenigen Stellen der Vene vermeiden, wo sich Klappen befinden. Letztere sind jedoch äusserlich höchst selten zu erkennen. Ich habe eine grosse An- zahl Experimente in der Art gemacht: dass ich die Drosselvene öffnete, eine Sonde von unten nach oben in i6 bis 24 den Klap- „pen führte, hier eine oder selbst zwei Oeffnungen machte, Blut

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ausfliessen liess und dann die Wunde in gewöhnlicher Art schloss.

Es entstand nie eine Venenentzündung, obgleich bei der späteren Sektion déer Thiere stets die Klappen sich verletzt zeigten. 192.

Disposition zur Venen-Entzündung in den Thieren vor- handen, besonders während des Bestehens rheumatischer Krankheiten; denn man sieht oft diese Entzündungen bei mehrern Thieren zu gleicher Zeit oder bald nach einander entstehen, und ohne daſs eine der genannten Ursachen statt gefunden hat. Die Cur der oberflächlichen Entzündungen der Haut und des Zellgewebes besteht in der Entfernung der etwa noch in den Wandrändern steckenden Nadel, und während der Entzündung in Anwendung des kal- ten Wassers, dann in dem gelinden Ausdräcken des Eiters, in Waschungen mit einer Auflösung von Pott- asche; in Einreibung der grauen Merkurialsalbe, und in Vermeidung jeder fernern mechanischen Reizung. Für letztern Zweck muſs das Thier so angebunden werden, dals es mit der Aderlaſsstelle weder die Krippe noch einen Standbaum erreichen kann. all nedoll Die Entzündung der Vene wird in der ersten Zeit eben so behandelt; ist aber die Behandlung fruchtlos, sind die Schmerzen sehr groſs, so applicirt man auf die ganze geschwollene Parthie warme Breiumschläge von

schleimigen und von narcotischen Pflanzen. Sind die

Schmerzen nicht bedeutend, so ist die Einreibung der Canthariden-Salbe auf die Haut an der angeschwolle- nen Parthie der Vene, etwa 1 ½— 2 Zoll breit und so lang als die Geschwulst ist, sehr zweckmäſsig; dieselbe muſs jedoch nach Zwischenzeiten von 6— 8 Tagen so oft wiederholt werden, bis die Geschwulst sich entwe- der zertheilt oder an einzelnen Stellen in Eiterung über- geht. Ist Letzteres geschehen, so öffnet man die wei- chen Stellen ganz so wie einen andern Abscefs. In recht hartnäckigen Fällen, oder wo die Cur möglichst wohlfeil sein soll, ist auch die Anwendung des glühen- den Eisens in Punkten oder in 2— 3 Strichen auf die Haut an der angeschwollenen Vene zu empfehlen. Ist die Vene unmittelbar über der äufsern Oeffnung sehr verengt, darüber aber erweitert und mit beweglichen Fa- serstoffstücken versehen, so ist die Erweiterung des en- gen Theils mittelst Hohlsonde und Messer angezeigt. Doch darf das Sondiren der Vene nur äuſserst selten und stets nur mit der Vorsicht geschehen, daſs der in ihr befindliche festsitzende Pfropf von Faserstoff nicht durchstofsen werde, damit nicht Blutungen entstehen,

die oft schwer zu stillen sind. Treten dieselben ein,

so kann man versuchen, sie durch einen in das Ge- schwür gebrachten Werg-Tampon zu stillen, wobei aber das Thier möglichst ruhig gehalten und besonders vom Kauen abgelalten werden muſs. Man darf deshalb solchen Pferden während einiger Tage nur weiches Fut- ter und des Tages nur einmal geben. Reicht dies Ver- fahren zur Stllung der vorhandenen Blutung oder zur Verhütung ihres Wiederkehrens nicht hin,— was meh- rentheils da der Fall ist, wo unterhalb der Aderlaſs- Wunde die Vene verwachsen oder sehr verengert ist,— so bleibt nichts anders übrig, als die Unterbindung der Vene über der verletzten Stelle, wenn es sein kann, in gesunder Substanz. Diese Operation ist aber zuwei- len wegen der Entartung des Zellgewebes im Umfange der kranken Ader schwierig. Nach geschehener Un- terbindung mufs die Ader zwischen der Ligatur und der

kranken