Das II. Buch/
712 das Augenrund/ Augenleiſſe. Eine Kruͤm⸗ me oder Hoͤle/(ſinus) hat insgemein ei⸗ nen engen Zugang/ aber einen breiten Bo⸗ den/ dergleichen ſind auff dem Grunde des Stirn⸗Beins anzutreffen. Auſſer die⸗ ſem hat man noch die jenigen Hoͤlen/ ſo der Eingliederung halber denen Beinen den Sitz verſtatten/ die da/ wenn ſie tieff und groß ſeyn mit groſſen Raͤndern und Leff⸗ zen verſehen/ heiſſen coryle, pyxis, aceta- bulum, wie zu ſehen im Huͤfft⸗Beine/ ſo des dicken Schenckels Haupt auffnimmet; wenn ſie weniger und nur mittelmaſſig tieff/ alſo mehr flach ſeyn/ heiſſen ſie glene, gle- noides, von der Form der Augen⸗Hoͤlen/ wenn ihre Augen⸗Lieder geſchloſſen ſeyn/ dergleichen ſind an dem Schulterblatt/ wo das Haupt des Achſel⸗Beines eingelaſ⸗ ſen wird; gantz klein und flach/ dahero faſt unkaͤntlich/ ſeynd an denen Enden de⸗ rer Beine der erſten Finger⸗Reihe/ ſo der Mittel⸗Hand Knochen Haͤuptergen an⸗ nehmen: und dieſe ſind ihrer Figur und Zahl nach unterſchieden/ denn es iſt eine runde Hoͤle zu finden im Schulterblatt/ ei⸗
ne Winden oder Rollen foͤrmige/ in des
Achſel⸗Beins inwendigem Haupte des un⸗ terſten Anhanges/ welches die groſſe Ellen⸗ bogen⸗Roͤhre auffnimmet/ andere in Form des gehoͤrnten Monds/ in des Ellenbogen Knochens obern Theile; doppelt aber/ einfolglich zwey Haͤupter auffnehmende/ nemlich die zwey unterſten Haͤupter des di⸗ cken Schenckels/ nimmt die groſſe Schien⸗ Roͤhre an/ und die Enden derer Knochen/ der zwey aͤuſſerſten Finger⸗Ordnungen. Die Zuſammenfugung derer vielen Bei⸗ ne des gantzen menſchlichen Leibes/ damit ſie gleichſam eins werden durch die Folge und aneinander ſtoſſen/ iſt gar verwunder⸗ lich/ und ſo manchfaltig als ſie und die Structur ſelbſten der Beine auch iſt/ war
ſolches erforderlich zu ſo mancherley Art der bequemen Bewegung; die Art aber ſolcher Vereinigung der Beine iſt zweyerley/ nemlich die Einlenckung (articulatio) und Zuſammenwach ſung (Symphyſis) jene iſt eine natuͤrliche Zu⸗ ſammenſetzung/ da zweyer Beine Ende
ſich beruͤhren mit einer Bewegung/ und
wenn dieſe Fuͤgung ſchlaff und weit iſt mit einer augenſcheinlichen freyen und ſtar⸗ cken Bewegung/ heiſſet ſie Diarthroſis, dearticulatio, die wiederum dreyerley vor⸗ fommt/ enarthroſis, inarticulatio, tieffe Einlenckung/ wenn ein groß und laͤnglich rundes Haupt von einer ebenfalls runden und tieffen Hoͤle/ ſo man eine Pfanne nennet/ aufgenommen wird/ wie zu ſehen an dem dicken Schenckel mit dem Huͤfft⸗ Beine: Archrodia, adarticulatio, flache Einlenckung iſt/ wann die aufnehmen⸗ de Hoͤle flach iſt/ ſo wohl als das ange⸗ nommene niedrige Haupt des andern Bei⸗ nes/ wie zu ſehen bey der Arm⸗Schiene
mit den Ellenbogen/ als auch mit dem Ach⸗
ſel⸗Beine/ bey dieſen mit dem Schulter⸗
Blatte/ ſolche machen der untere Kien⸗
backen mit den Schlaff⸗Gebeinen des hin⸗ ter Haupts Bein mit dem erſten. Halß⸗ Würbel/ die andere und dritte Finger Gelencks⸗Beiner miteinander/ ingleichen werden die Haͤupter der Hand⸗Wurtzel und Mittel⸗Fuſſes Knochen von denen
Hoͤhlen der erſten Finger⸗Reyhe Bein⸗
gen alſo angenommen; ginglymus, car- dinario, wechſelsweiſe oder Wieder⸗Ge⸗ lencke/ da ein Bein mit ſeiner Hoͤhle auf⸗ nimmet/ und wieder mit ſeinem Haupte aufgenommen wird/ auf dreyerley Weiſe/ erſtlich/ wenn ein Bein von einem eintzigen Beine aufgenommen wird/ und ſolches wieder aufnimmt/ welches thun die beyden Arm und Ellenbogen Beine; zum andern/ wenn


