VI
III. Ordnung der Saecularfeier.
Die Feier der dreihundertjährigen Stiftung der Landesschule soll, Allerhöchster Bestimmung Sr. Majestät des Königs gemäss, wie vor hundert Jahren, drei Tage dauern, so dass das Fest am 20. Abends mit einer religiösen Vorfeier beginnt, die Hauptfeier am 21. die Schul- feier mit dem Redeactus am 22. und eine Nachfeier im Kreise der Schule am 23. statt findet.
Am Sonnabend Nachmittage, den 20., werden die einziehenden Fremden hier erwartet und die Deputirten und sonstigen Ehrengäste in dem dazu eingerichteten Auditorium von Ober-Secunda vom Lehrercollegium empfangen. Jeder Besuchende, der an dem Feste und dem Ehrenmahle Theil zu neh- men beabsichtigt, wird ersucht, gleich beim Eintritt in der Wohnung des Professors Wolff seinen Na- men in ein dazu bereit liegendes Säcular-Album einzutragen. Hier wird auch das Festpro- gramm und die Festordnung ausgegeben. Die von Hermann Kirchner gedichtete und vom Musikdirector Kötschau melodramatisch componirte Fest-Cantate zur dreihundertjähri-
en Stiftungsfeier der Schulpforte ist für die Vorfeier bestimmt. Später versammeln sich sämmtliche Anwesende mit dem Cötus der Alumnen im Schulgarten, wo unter dem Einläuten des Festes mit allen Glocken, von der ganzen Versammlung ein Choral mit Musikbegleitung abgesungen wird. Dann folgt die religiöõse Vorfeier in der Kirche, worüber die Festordnung das Nähere angiebt.
Das Hauptfest am eigentlichen Stiftungstage, Sonntags den 21., wird früh halb 6 Uhr mit 21 Kanonenschüssen begrüsst, hierauf um 6 Uhr mit einer feierlichen Choral-Musik von der Gallerie vor dem Portal der Kirche herab eröffnet. Zwischen 7—8 versammeln sich sämmtliche Anwesende im Schulgarten, von wo aus der feierliche Zug zur Kirche unter Absingung eines Chorals und dem Vortragen der von des Königs Majestät der Pforte geschenkten Ehrenfahne beginnt. In der Kirche werden den Ehrengästen ihre Plätze von den dazu bestellten Marschällen angewiesen. Der kirch- liche Gottesdienst mit der Predigt des geistlichen Inspectors Niese dauert von 8 bis halb 10 Uhr. Die gedruckten Lieder werden dazu ausgetheilt, wie auch zu allen übrigen gemeinschaftlichen Ge- sängen. Nach einer Stunde begiebt sich die Versammlung aus dem Schulhause von Neuem in die Kirche, wo das vom Rector verfasste und vom Musikdirector Kötschau in antiker Weise com- ponirte Carmen saeculare in Chören abgesungen wird. Dann folgt die Lateinische Festrede des Rectors und mit der Aufführung des Te Deum vom Sängerchor wird beschlossen. Mittags um 1 Uhr werden die Alumnen nebst den Extraneern von Seiten der Anstalt festlich bewirthet, so wie auch an den beiden folgenden Tagen, und die Alumnen eben so alle drei Abende. Die Mittagstafel für die sämmtlichen eingeschriebenen Gäste beginnt um 2 Uhr in der zu diesem Behufe im Schul- garten erbauten Festhalle. An diesem Tage wird nur eine bestimmte Anzahl festlicher Toasts ausgebracht und keine Reden gehalten, welche für den zweiten und dritten Festtag, nach vorher bestimmter Angabe, aufbehalten bleiben. Die Alumnen vergnügen sich an diesem Nachmittage mit gymnastischen Spielen, Caroussel u. s. w. im Schulgarten. Abends wird an diesem wie an den fol- genden Tagen in der Festhalle nach der Karte gespeist. Nach Tische wird der ganze Schulgarten nebst dem Walde in demselben und die öffentlichen Wege in der Pforte mit farbigen Lampen fest- lich beleuchtet, welches auch an den folgenden Abenden wiederholt wird.
Der Morgen des zweiten Festtages, am Montage dem 22., beginnt wieder um 6 Uhr mit ei- ner feierlichen Choral-Musik von der Gallerie des Kirchenportals. Dieser Morgen ist dem Decla- mir- und Redeactus der Schule gewidmet, welcher um 9 Uhr in der Kirche mit einer Lateini- schen Rede des Professors Dr. Wolff eröffnet wird. Sodann treten verschiedene Zöglinge aus den beiden obern Klassen mit selbstverfassten Reden und Gedichten in Griechischer, Lateinischèr und Deutscher Sprache in folgender Ordnung auf:
A) Aus Ober-Secunda: 1) Ewald Gr. v. Kleist, aus Olbernhau: Heinrich der Löwe, Gedicht. 2) Bernhard v. Holleben, aus Rudolstadt: Ludwig der Eiserne und der Schmied, Gedicht. 3) Carl v. Marschall, aus Alten-Gottern: Siegfrieds Tod, Gedicht.
4) Gustav Weber, aus Burg, Lateinische Rede: Quibus de causis amicitia inter juvenes facilius Portae quam aliis in scholis nascatur.
5) Ludicig Keil, aus Weissenfels: Rüdigers Tod, Gedicht. 6) Woldemar Heffter, aus Sorau: Der Kaiser und die Schlange, Gedicht. 7) Rudolph Kirchner, aus Stralsund: Adalbert von Babenberg, Gedicht. B) Aus Prima: 1) Friedrich Koch, aus Erfurt: Ad veteres Portenses,“ Carmen Sapphicum.


