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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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mindeſtens aber bis zum Ende des laufenden Monats zu erweitern, reſp. vorläufig, vor erfolgter Entſcheidung, den Großh. Kreisrath dahier zur einſtweiligen Suspenſion der Ausweiſungs⸗Ordre zu ermächtigen.

Zur weiteren Begründung dieſes meines Geſuchs erlaube ich mir, auf deſſen beiliegende Unterſtützung durch meinen Chef, Herrn J. D. K. dahier, Bezug zu nehmen, und gebe ſchließlich zur Beſeitigung aller etwa noch vorhandenen Bedenken das förmliche Verſprechen, mich für die Dauer meines zu geſtattenden ferneren Aufenthalts aller und jeder Aeußerung in öffentlichen Blättern auf das Strengſte zu enthalten.

In der Hoffnung auf geneigte Berückſichtigung vorliegender Bitte verharre ich

eines Großh. Miniſteriums ergebenſter W.. s, den 2. Mai 1853. R. F.

In einer beſondren Beilage unterſtützte mein Principal, zui⸗ gleich in ſeinem eignen Geſchäfts⸗Intereſſe, nachdrücklichſt obige Vor⸗ ſtellung und bat, eventuell mindeſtens die mir geſtellte Friſt meines dortigen Anfenthalts noch auf ſo lange zu erweitern, bis es ihm möglich geworden ſei, für meinen Poſten als Correſpondent einen geeigneten Stellvertreter zu gewinnen.

Auf dieſe meine gewiß formgerechte Vorſtellung erhielt ich eben ſo wenig eine Antwort, als auf meine frühere wegen Zu⸗ laſſung zum Facultätsexamen, reſp. zur Advokatur. Man ſieht, das Miniſterium v. Dalwigk, dem ich die rückſichtsloſe Verſperrung meiner Carrière ſowohl auf juriſtiſchem, als auf käufmänniſchem Gebiete niemals verziehen habe, obſchon mich unſre Nationallibe⸗ ralen hinterdrein gerne zu deſſen geheimem Bundesgenoſſen ſtempeln wollten, war conſequent in ſchroffer Verletzung derjenigen for⸗ mellen Höflichkeit, welche im geſellſchaftlichen, wie im dienſt⸗ lichen Verkehr ein gebildeter Mann dem andern ſchuldig iſt. Von dem eleganten Cavalier und ſchriftſtelleriſch⸗collegialiſchen Verfaſſer derPiſtoriade hätte ich wohl etwas mehr Curtoiſie erwarten dürfen! Alſo waren abermals 36 Kreuzer für vergeblichen Stempel verloren und der Saldo des heſſiſchen Miniſteriums in meiner ſtudentiſchen Privatbuchhaltung betrug nunmehr für derartige un⸗ nütze Auslagen Summa 8 Flaſchen Bier!

Nachdem ich ſomit aus dem vorübergehenden Domicil einer weiland freien Reichsſtadt des heſſiſchen Inlandes polizeilich aus⸗ gewieſen worden war, ſollte mir unmittelbar darauf das gleiche fatale Loos auch in der damals noch wirklichfreien Reichsſtadt Frankfurt a. M. begegnen.

Zu jener Zeit ſchon mit meiner jetzigen Frau verlobt, hatte ich ein Intereſſe daran, meinen Schwiegervater in spe, einen ſehr