VI. Nachwehen.
Die Zeit nach meiner Entlaſſung aus dem Correctionshauſe will ich zum Schluſſe hier nur flüchtig berühren, obgleich ſie mir noch gar manche bittre Enttäuſchung als Folge der mißliebigen politiſchen Vergangenheit bot.
Am„Morgen des 15. März 1851,— gerade 2 Tage vor
meinem 24&. Geburtstage— wo ich meiner Haft endlich entlaſſen
werden ſollte, wurden wir in einer beſondren Zelle des unteren Stocks ſchlafenden ſogen. Correctionshaus⸗„Honoratioren“(ein weiland Diſtrictseinnehmer, ein Handlungs⸗Commis und ſonſtige büßende„Standes-Perſonen“) durch einen gerade an dieſem Kalendertage bisher ganz ungewohnten frühen Kanonendonner von unſern Strohſäcken aufgejagt.„Was iſt los?“ fragten wir uns alle, die Augen mit einem gewiſſen Katzenjammer reibend, ſintemalen wir am Abend zuvor bei verſtohlenem Lichte und mit Teppichen verhängten Gitterfenſtern zur Feier meines Abſchieds bis in die tiefe Nacht fröhlich„gekneipt“ hatten. Keiner konnte ſich die feſtliche Veranlaſſung zu dieſer dröhnenden Demonſtration denken. „Gebt Acht!“ rief ich mit einem ſchlechten Witze dazwiſchen.„Das „geſchieht am Ende gar mir zu Ehren, weil ich heute loskomme!“ Darauf erſchallte einſtimmiges„Hohngelächter der Hölle“, wie einer meiner Univerſitätsfreunde in ſolchen Situationen zu ſagen pflegte. Wie ich nachträglich außerhalb der Gefängnißmauern erfuhr und in einem beſonderen Artikel des Frankfurter Journals von dem⸗ ſelben Tage beſtätigt fand, wurde gerade damals der Geburts⸗ und Namenstag der inzwiſchen verſtorbenen Großherzogin Mathilde zum erſten Male in ſo geräuſchvoller Weiſe eingeleitet und hatte der Volkswitz der Reſidenz ſich allerdings dieſes dem großen Publi⸗ kum noch nicht verſtändlichen quid pro quo ſofort bemächtigt, da, wie mein derzeitiger, an jener erſtmaligen Feſtkanonade artille⸗


