mich zuletzt an. Ja, ein„Menſch des verfehlten Berufs“, es iſt ein gar bittres Wort, was Bismarck einſt für uns mehr oder minder unfreiwillige Journaliſten gebraucht hat, und für mich ſelbſt war das Gefühl der vorerſt verſperrten Carriere, der beküm⸗ merten Mutter gegenüber, um ſo ſchmerzlicher, als meine beiden heimathlichen Studien⸗ und Altersgenoſſen vorſchriftsmäßig das eine Exramen nach dem andern machten. Ich dachte ſtets an jenen Vers des römiſchen Dichters, den ich auch vor den Reſidenz⸗Aſſiſen, Angeſichts der das Barreau umlagernden zahlreichen nichtcompro⸗ mittirten Acceſſiſten, mit gewiſſer Bitterkeit citirte: es ſei für die ſicher am Ufer Stehenden ein behagliches Gefühl, zu ſehen, wie im toſenden nahen Meere ein Schiff ſcheitert!“ Das ihrige lag im ſichren Hafen, das meine, von widrigen Stürmen zurückgeſchleudert, ſteuerte noch, ohne daß nur vorerſt ein Leuchtthurm winkte, in offener See.„Wie viel Geld haſt Du mich ſchon gekoſtet und was haben wir nun davon?“ ſo ſtöhnte oft halblaut Abends die Mutter, die, ohne dem Idealis⸗ mus der Jugend ihrer eignen ganzen Natur nach Rechnung tragen zu können, ſtets nur das nächſte praktiſche Ziel der materiellen Verſorgung im Auge hatte, gleich der Mutter Clärchens, wenn ſie ihrer Tochter ſagt:„Ja, es kommt eine Zeit, wo die Jugend und die ſchöne Liebe vorbeigeht und man froh iſt, wenn man irgendwo unterkriechen kann.“ Was für das Brüſſeler Bürgermädchen die„ſchöne Liebe“, das war für mich naiven Studenten der Enthuſiasmus für die Republik, von der die alte Frau mir ſtets zu ſagen pflegte:„Und wenn ihr euch, Du und Deine Genoſſen, alle mit einander auf den Kopf ſtellt, die bringt ihr doch nicht fertig! Mit dem Schädel wirſt Du niemals durch die Wand rennen!“—
Da ſie mir, um über meine Zukunft endlich ins Klare zu kommen, durchaus keine Ruhe ließ, ſo entſchloß ich mich mit Widerſtreben dazu, etwa ein halbes Jahr nach meiner Freilaſſung folgende Vorſtellung an das Miniſterium zu richten, deren Authen⸗ ticität ich mir, um etwaigen ſpäteren Mißdeutungen durch die Re⸗ gierungspreſſe vorzubeugen, von meinem Freunde Auguſt Becker ausdrücklich auf dem vor mir liegenden Concepte beglaubigen ließ.
„An das Großherzogliche Miniſterium des Innern zu Darmſtadt. „betr.: ergebenſte Anfrage des unter⸗ zeichneten R. F., Studiosus juris aus Se en, in Bezug auf ſeine Zu⸗ laſſung zum juriſtiſchen Facultäts⸗ und Staats⸗Examen reſp. zum Acceß. „Wie es einer hohen Behörde wohl nicht unbekannt geblieben


