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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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verlief. Es waren das ebenle mie prigioni wie Silvio Pellico ſeine Erlebniſſe als politiſcher Gefangener vom öſterreichiſchen Spielberg betitelte. Freilich mit dem vieljährigen Märtyrerthum des berühmten italieniſchen Patrioten nicht im Entfernteſten zu vergleichen. Dafür war ich auch glücklicher Weiſe der Gefahr nicht ausgeſetzt, zuletzt, gleich JFenem, dem Myſticismus zu verfallen. Vielmehr geht aus Vorliegendem, vielleicht zum Mißbehagen man⸗ ches gläubig loyalen, hinter den Kerkergittern die obligateZer⸗ knirſchung bei mir vorausſetzenden Leſers, klar genug hervor, daß ich, durch dieſe mit gründlicher Privatlectüre und ſtiller Rück⸗ und Selbſtſchau verbundene unfreiwillige Muße und den meinerſeits ungeſuchten Verkehr mit früheren akademiſchen Fachgenoſſen von derMutter Kirche in meiner antitheologiſchen und politiſchen Ketzerei nur noch mehr beſtärkt, meinen früheren unverwüſtlichen Humor, ſowie den Leſſing'ſchenZweifel lange nicht verloren hatte. Schrieb ich doch, als ich noch aus der Unterſuchungshaft heraus jener in den Straßburger Flüchtlings⸗Erinnerungen kurz erwähntenblonden Sie heimlich mein Bild ſandte, voll ſieges⸗ gewiſſer Hoffnung auf die demnächſtige, uns Alle im Triumphe befreiende(?) ſiegreiche Revolution die Verſe G. Herwegh's darunter:

Vom hohen Thurme ſchauet ein Aar

Denk' mein, Feinliebchen, o denke!

Dort ruhet mein Arm, dort bleichet mein Haar;() Doch über drei Tage und über ein Jahr Schenk' ein, mein Liebchen, o ſchenke!

Da läuten die Völker zum heiligen Sturm, Wir leeren die Gläſer und ſteigen vom Thurm! Gott grüße Dich, Liebchen!

Das waren freilich hinterdrein getäuſchte Hoffnungen. Nach meiner Entlaſſung aus dem Correctionshauſe von einemhohen Thurme, etwa mit dumpfem Verließ, worinmein Haar bleichte, konnte ſelbſtverſtändlich keine Rede ſein! haben die Völker, welche im Gegentheil das alte humoriſtiſche StudentenliedEuropia braucht Ruh' fortwährend im vollſten Ernſte ſingen, noch bis heute nichtzum heiligen Sturm geläutet, undSie, jetzt ehrſame wohlconditionirte Frau Pfarrerin, war bräutlich zu der von mir ſchnöde verlaſſenen Theo⸗

eyniſchen Lachen,hoffentlich ſehen wir uns in Rockenberg! Nit dieſem tröſt⸗ lichen au revoir! ging ich kopfſchüttelnd weiter und dachte ſeufzend an die alte Reichspolizei⸗Verordnung, welcheStudenten, Seiltänzer, öffentliche Dirnen und anderes Lumpengeſindel bekanntlich in einen Topf wirft. Daß meine Kameradſchaft von ſolcher Seite reclamirt werden würde, hätte ich mir nicht träumen laſſen.

. V.