V. Im Correctionshauſe*).
Zu den beziehungsweiſe heiterſten Erinnerungen meines im Grunde wohlfeilen politiſchen Märtyrerthums gehört, ſo ſonderbar es klingen mag, meine wegen Amtsehrenbeleidigung der Jaup'ſchen miniſteriellen Excellenz mit beſter Miene zum böſen Spiel verbüßte ſechsmonatliche Correctionshaushaft. Und warum auch nicht? Von den ſchwerſten Anklagen, darunter Hoch⸗ und Landesverrath u. ſ. w., durch die Jury freigeſprochen, hatte ich als Denkzettel für den ſtudentiſchen Uebermuth meiner republikaniſchen Weltverbeſſerung nach langer Unterſuchungshaft nur jene verhältnißmäßig unbedeutende Strafe davongetragen, die mich nach den Beſtimmungen unſres Geſetzbuchs im Vollgenuſſe meiner ſtaatsbürgerlichen Rechte nicht im Geringſten beeinträchtigte. Nachdem ich mich ſchon auf etliche Jahre Zuchthaus gefaßt gemacht, war das alſo eine ſehr gnädige Strafe, und ich hatte die tröſtliche Ausſicht, nach der Freilaſſung meine durch die Revolution unterbrochenen juriſtiſchen Studien wieder fortſetzen und„trotz alle dem und alle dem“ die Advokaten⸗Carriere einſchlagen zu können. Somit waren jene paar Monate Cor⸗ rectionshaus⸗Arreſt nur eine Art Fegefeuer für meinen von Haus —.. *) Aus der Didaskalia vom Jahr 1853, deren Redaction das von ihr vielfach geſtrichene Originalmanuſcript anf mein Erſuchen dem damals ſehr hülfsbedürftigen, in Naſſau wohlbekannten Ex⸗Demagogen aus den 30er Jahren, Emminghaus aus Uſingen, behufs einesvon ihm veranlaßten und mit beſtem Erfolge colportirten Separatabdrucks überlaſſen hatte. Der arme Schlucker ſagte mir ſpäter ſelbſt, daß er damit ein ſehr gutes Geſchäft gemacht habe, was ich ihm natürlich von ganzem Herzen gönnte. Einige kleine Textänderungen waren mit Rückſicht darauf, daß ich in der urſprünglichen Handſchrift, um nicht gleich direct auf mich als Verfaſſer rathen zu laſſen, Manches gefliſſentlich ver⸗ wiſcht hatte, unvermeidlich, und auch in dem jetzigen, den Urtext möglichſt getreu wiedergebenden Abdruck mußte ich noch Manches ändern. D. V.


