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Geſinnung zeuge“, die Correctionshausſtrafe in Feſtungshaft umgewandelt werden könne(nicht ſolle!), und in dieſem Sinne haben denn auch ſchon im Jahre 1849 einige liberale heſſiſche Abgeordnete den wohlbegründeten Antrag geſtellt, daß nach Maß⸗ gabe der ſittlichen Verwerflichkeit der betreffenden Ver⸗ brechen und Vergehen in den Correctionsanſtalten wenigſtens eine Scheidung in zwei Claſſen ſnattfinden ſolle. Leider iſt dieſer durch meine eigne Erfahrung hinlänglich gerechtfertigte An⸗ trag, gleich manchem andern, mit dem Wiedereintritt der Reaction in den Papierkorb gewandert und ſeitdem nicht wieder aufgenom⸗ men worden. Ich lege ihn ſpäteren liberalen Ständekammern hiermit dringend an's Herz.
Ich ſelbſt hatte bei Antritt meiner Haft des Grundſatzes halber wenigſtens den Verſuch gemacht, eine Separirung für mich zu erwirken, und gewiß war ich um ſo mehr zu der Hoffnung auf günſtigen Beſcheid berechtigt, als ſelbſt der Staatsanwalt in ſeinem Strafantrag gegen die eventuelle Verwandlung meiner Strafe in Feſtungsarreſt keinen Einwand erhoben hatte. Ich ließ durch meinen Anwalt unter dem Erbieten der Selbſtverköſtigung um Anweiſung einer beſonderen Zelle behufs der Fortſetzung meiner juriſtiſchen Studien, reſp. um Dispenſation von den üblichen Sträflings-Arbeiten nachſuchen, erhielt aber darauf ſofort einen gänzlich unmotivirten abſchläglichen Beſcheid. Ich war kaum 14 Tage im Correctionshauſe, als ſich plötzlich die Thüre unſres Arbeitsſaals öffnete und mit einigem Geräuſch ein mir unbekannter Mann im Civilrock mit dem Werkmeiſter eintrat. Ein leiſes Geflüſter lief durch die Reihen, und ich hörte den Namen: „Regierungsrath H.!“ Natürlich warf ich mich ſofort in Poſitur und hantirte mit möglichſt gleichgültiger Miene an meinem obli⸗ gaten Schwefelholz⸗„Rähmchen“ weiter. Der mir durchaus nicht vorgeſtellte, alſo nur vermuthungsweiſe Herr Regierungsrath, deſſen ganzer Beſuch nur mir zu gelten ſchien, poſtirte ſich gerade hinter mich, und nachdem er eine Zeitlang ſchweigend meiner Arbeit, zu⸗ geſchaut, fragte er:„Nun, Herr F., wie geht es Ihnen?“ Ich drehte mich überraſcht um und erwiederte lakoniſch:„Je nun, ganz gut, mein Herr, Alles nach Umſtänden! Jedes Ding hat auch ſeine luſtige Seite, und ich finde meine Situation, ſo uner⸗ wünſcht ſie mir Anfangs war, beziehungsweiſe jetzt ganz amüſant.“ „Es iſt mir lieb, Das von Ihnen zu hören“, bemerkte der Herr Regierungsrath.„Sie ſind bei dem Miniſterium um Geſtattung der Einzelhaft mit eigner Verköſtigung eingekommen. Ihr Geſuch mußte natürlich abgewieſen werden, und hat es mich um ſo mehr überraſcht, daß gerade Sie eine ſolche Bevorzugung verlangten, da Sie doch als entſchiedner Demokrat für die Gleichheit


