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gar Dunkelarreſt ſicher zu erwarten. Wir wünſchen Dich nun ſchwurgerichtlich unter uns abzuurtheilen, wobei Du jedenfalls glimpflicher wegkommſt, und werden, ſalls Du damit einverſtanden biſt, die vorſchriftsmäßige Anzeige unterlaſſen. Du haſt nun die Wahl. Willſt Du Dich dem Spruche Deiner Kameraden unterwerfen oder der Strafe des Verwalters?“
Der kurfürſtliche Excavalleriſt, obſchon die Thatſache fort⸗ während leugnend, überlegte nicht lange, ſondern erklärte reſignirt, daß er ſich denn doch„lieber von ſeinen eignen Leuten abthun laſſen wolle!“ 1
Somit beſaßen wir denn für den bevorſtehenden Act unſerer Volksjuſtiz die Genehmigung der zunächſt intereſſirten Theile, der Gefängnißbehörde, wie des Uebelthäters, und nun konnte die Sache losgehen. Punkt 12 Uhr, nachdem wir abgeſpeiſt, ſchloß der Werk⸗ meiſter die Ausgangsthüre und begab ſich in ſeine benachbarte Wohnung, um erſt nach 1 Uhr zurückzukehren. Wir hatten demnach eine volle Stunde frei, und nachdem die Katze fort war, konnten die Mäuſe auf den Tiſchen herumtanzen.
In meiner Eigenſchaft als einſtimmig deſignirter Staatsanwalt leitete ich ſofort in dem Arbeitszimmer des Eingangs erwähnten Schuſters eine höchſt ſummariſche Vorunterſuchung ein, verhörte raſch unter vier Augen die einzelnen Zeugen, ſowie den Angeklagten ſelbſt, und machte mir meine flüchtigen Notigen. Dem Letzteren gab ich als Vertheidiger, in Ermangelung eines Beſſeren, den genannten Schuſter, der, mit ſeinem geſunden Humor ſich bald in die Situation findend, ſeine delicate Stellung unter vergnügtem Grinſen antrat und ſogleich mit feierlicher Amtsmiene den Clienten bei Seite führte. Nachdem dieſe unerläßlichen Präliminarien abgemacht, ſchritt ich, als einziger Juriſt des Correctionshauſes mit Erledigung aller einſchlagenden Formalitäten betraut, zur Ernennung des Aſſiſen⸗ hofs. Ich bildete denſelben des beſſeren Eſſects halber aus drei „Honoratioren“ unſrer Geſellſchaft. Zum Präſidenten wählte ich einen wegen Caſſenunterſchleifs urſprünglich zu Zuchthaus verurtheil⸗ ten ehemaligen Steuereinnehmer, unſern„Zimmer⸗Commandanten“, der wenigſtens einige allgemeine Bildung beſaß und dem ich ſeine Rolle raſch einſtudirte, zu Beiſitzern die zwei früher erwähnten Er⸗Gemeinderäthe. Dieſes edle Kleeblatt begriff ſeine Miſſion voll⸗ ſtändig, und ihre während der Verhandlung in ernſte Falten gelegten Geſichter gaben der Amtswürde eines ganzen Collegiums von Hof⸗ gerichtsräthen Nichts heraus. Sodann ſchrieb ich behuſs der Ge⸗ ſchwornenwahl die Namen von 12 der Anſtändigſten unſerer Leute auf Zettel, für welche die noch mit ſchwarz⸗roth⸗goldener Kokarde dekorirte wachstuchene Bürgerwehr⸗Mütze des republikaniſchen Schuſters als Stimm⸗Urne dienen mußte. Damit waren die letzten Vorberei⸗


