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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
Entstehung
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die übliche Buß⸗ und Strafpredigt, und es zwang mir jedesmal

ein Lächeln ab, mich ſammt meinen in der Regel nicht beſonders

zerknirſchten Kameraden aus dem Munde eines alten Univerſitäts⸗

genoſſen, der mich als einen ehemaligen ſchwachgläubigen Mit⸗

Befliſſenen ſeines Faches kannte und meine Anſichten ehedem

mehr oder minder getheilt hatte, nun als gerichtlich verurtheilte

Sünder unter eindringlichen Ermahnungen zur Beſſerung der Gnade

des Himmels empfehlen zu hören. Das hatte wohl Keiner von uns

gedacht, als wir noch ſelbander hinter dem Glaſe Bier mit höchſt

philoſophiſcher Scepſis über die logiſchen Schwächen der chriſtlichen

Dogmatik disputirt, daß wir uns in einem ſolchen Raume, der

Eine in geiſtlichem Ornat als ofſicieller Gewiſſensſchärfer und ich,

in der Sträflingstracht, als unfreiwilliger, zur Bekehrung aufge⸗

forderter Zuhörer, wiederfinden würden! Gar NMancher gerieth,

eingedenk der inzwiſchen mit ihm vordeßanenen Wandlung, bei

meinem unerwarteten Anblick in ſichtliche⸗ Verlegenheit, und wir

ſchienen für einen Moment, wo wir den erſten Erkennungsblick

wechſelten, faſt die Rollen mit einander getauſcht zu haben.Weißt

du noch? dieſes Fragezeichen mißliebiger akademiſcher Erinnerungen

ſtand dann klar auf meinem Geſichte, und das ſpöttiſche Zucken um

meine Mundwinkel mochte dem jungen Züchtlings⸗Bußprediger mitten

in der ſalbungsvollſten Periode ſeines Straf⸗Sermons das alte

rident haruspices ins Gedächtniß rufen. Natürlich wußte ich

bei dieſen ſtummen Wiedererkennungs⸗Scenen alles Aufſehen, was

die erforderliche Andacht meiner Kameraden hätte ſtören können, zu

vermeiden. Der ganze Austauſch beſchränkte ſich auf die ſtille

Augenſprache, und nach geſchloſſenem Gottesdienſt bekam ich die

Herren in der Regel gar nicht mehr zu Geſichte. Nur ein einziges

Mal brach ich unter dem Eindruck des plötzlichen Aufeinander⸗

prallens unwillkürlich mein gewohntes Schweigen und erregte damit

unter meinen Mitgefangenen eine beiſpielloſe Senſation. Als ich,

mein Geſangbuch unter'm Arm, in Geſellſchaft der Uebrigen gerade

auf dem Gange nach unſrem improviſirten Betſaale war, trat mir

auf einmal, als Paſtor du jour durch die Außenthüre herein einer

meiner vertrauteren Univerſitätsfreunde unmittelbar gegenüber: ein,

ſehr talentvoller, ehedem meinen eigenen ketzeriſchen Anſichten ent⸗

ſchieden zugeneigter junger Mann, der ſich inzwiſchen als Volks⸗ 2

ſchriftſteller einen Namen gemacht, leider! aber auch(aus Gründe u

der Verwaltung?) den üblichen orthodoxen Anſtrich angenommen hat. Wir hatten uns ſeit dem Jahre 1848 nicht mehr geſehen,

und da, als wir ſo gänzlich unvorbereitet und unter ſo veränderten

Verhältniſſen einander Aug' in Auge ſtanden, platzte ich, ohne

momentan an meine Umgebung zu denken, mit dem höchſt burſchi⸗

koſen Rufe heraus:Donerwetter, 3... lich 85 te ſeinen

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