die übliche Buß⸗ und Strafpredigt, und es zwang mir jedesmal
ein Lächeln ab, mich ſammt meinen in der Regel nicht beſonders
zerknirſchten Kameraden aus dem Munde eines alten Univerſitäts⸗
genoſſen, der mich als einen ehemaligen ſchwachgläubigen Mit⸗
„Befliſſenen“ ſeines Faches kannte und meine Anſichten ehedem
mehr oder minder getheilt hatte, nun als gerichtlich verurtheilte
„Sünder“ unter eindringlichen Ermahnungen zur Beſſerung der Gnade
des Himmels empfehlen zu hören. Das hatte wohl Keiner von uns
gedacht, als wir noch ſelbander hinter dem Glaſe Bier mit höchſt
philoſophiſcher Scepſis über die logiſchen Schwächen der chriſtlichen
Dogmatik disputirt, daß wir uns in einem ſolchen Raume, der
Eine in geiſtlichem Ornat als ofſicieller Gewiſſensſchärfer und ich,
in der Sträflingstracht, als unfreiwilliger, zur Bekehrung aufge⸗
forderter Zuhörer, wiederfinden würden! Gar NMancher gerieth,
eingedenk der inzwiſchen mit ihm vordeßanenen Wandlung, bei
meinem unerwarteten Anblick in ſichtliche⸗ Verlegenheit, und wir
ſchienen für einen Moment, wo wir den erſten Erkennungsblick
wechſelten, faſt die Rollen mit einander getauſcht zu haben.„Weißt
du noch?“ dieſes Fragezeichen mißliebiger akademiſcher Erinnerungen
ſtand dann klar auf meinem Geſichte, und das ſpöttiſche Zucken um
meine Mundwinkel mochte dem jungen Züchtlings⸗Bußprediger mitten
in der ſalbungsvollſten Periode ſeines Straf⸗Sermons das alte
„rident haruspices“ in’s Gedächtniß rufen. Natürlich wußte ich
bei dieſen ſtummen Wiedererkennungs⸗Scenen alles Aufſehen, was
die erforderliche Andacht meiner Kameraden hätte ſtören können, zu
vermeiden. Der ganze Austauſch beſchränkte ſich auf die ſtille
Augenſprache, und nach geſchloſſenem Gottesdienſt bekam ich die
Herren in der Regel gar nicht mehr zu Geſichte. Nur ein einziges
Mal brach ich unter dem Eindruck des plötzlichen Aufeinander⸗
prallens unwillkürlich mein gewohntes Schweigen und erregte damit
unter meinen Mitgefangenen eine beiſpielloſe Senſation. Als ich,
mein Geſangbuch unter'’m Arm, in Geſellſchaft der Uebrigen gerade
auf dem Gange nach unſrem improviſirten Betſaale war, trat mir
auf einmal, als Paſtor du jour durch die Außenthüre herein einer
meiner vertrauteren Univerſitätsfreunde unmittelbar gegenüber: ein,
ſehr talentvoller, ehedem meinen eigenen ketzeriſchen Anſichten ent⸗
ſchieden zugeneigter junger Mann, der ſich inzwiſchen als Volks⸗ 2
ſchriftſteller einen Namen gemacht, leider! aber auch(„aus Gründe u
der Verwaltung?“) den üblichen orthodoxen Anſtrich angenommen hat. Wir hatten uns ſeit dem Jahre 1848 nicht mehr geſehen,
und da, als wir ſo gänzlich unvorbereitet und unter ſo veränderten
Verhältniſſen einander Aug' in Auge ſtanden, platzte ich, ohne
momentan an meine Umgebung zu denken, mit dem höchſt burſchi⸗
koſen Rufe heraus:„Donerwetter, 3... lich 85 te ſeinen
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