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„Wie muß des Denkers ſcharfes Schwert In eure Haaſenſeelen fahren!
Hört' doch! Das Beſte iſt nicht werth, In Ewigkeit es auſzuſparen;
Was Einmal die Natur erſchuf,
Kann ſie auch noch einmal erſchaffen.“ Allein vergebens iſt ſein Ruf
An Kinder und an Laſſen.“
„Es ſtellt vergebens ihr Symbol
Der kühne Adler an den Pranger; Jedwede Puppe, noch ſo hohl,
Fühlt ſich mit einem Falter ſchwanger. Vergebens läuft der Genius Sturm,
Die Burg des Unſinns zu bezwingen:
Es will's nun einmal jeder Wurm Zum Schmetterlinge bringen!“
Nachdem ſchon das D. Strauß'ſche„Leben Jeſu“, ſowie die „chriſtliche Glaubenslehre“ deſſelben Verfaſſers meinen ketzeriſchen Zweifeln bezüglich der neuteſtamentlichen Wundergeſchichten und Dogmen Nahrung und Halt gegeben, ſchlug L. Feuerbach mit ſeinem„Weſen des Chriſtenthums“ und den kleineren damit zu⸗ ſammenhängenden Abhandlungen,„Grundſätze der Philoſophie der Zukunft“ u. ſ. w., dem bei mir ſchon ohnehin ſtark lecken Faße der Theologie vollends den Boden aus. Das mit Geiſt und Conſe⸗ quenz durchgeführte Syſtem L. Feuerbach's, die bisherige Theologie in die Anthropologie, die ſog. Religionsphiloſophie in die Pſycho⸗ logie, den„abſoluten Geiſt“ in den ſubjectiven endlichen aufzu⸗ löſen, erregte damals mit Recht allgemeinſte Senſation. Alle alten Perrücken wackelten ob dieſer pietätloſen Ketzerei, die ſo furchtlos über die alten Glaubensſätze der von F. ſogenannten chriſtlichen Mythologie zu Gerichte ſaß, und Wolken von Staub wirbelten von allen theologiſchen Kathedern.„Ein Atheiſt!“ zeterten die Magiſter der hergebrachten ofſiciellen Gotiesgelahrtheit, und auch die übrigen philoſophiſchen Richtungen ſchrieen ihr„Anathema sit!“ wider den kecken Neuerer, der den ganzen bisherigen Katechismus rückſichtslos auf den Secirtiſch der geſunden Vernunſt warf. Ich ſelbſt be⸗ ſaß unter etwa 100 Studenten der Theologie auf unſrer alma mater Ludoviciana das einzige Exemplar der neueſten Feuerbach⸗ ſchen Werke und verſchlang ſie mehrmals nach einander mit wahrer Gier. In einem Briefe an einen damaligen Mitſtudenten der Theologie, der inzwiſchen glücklicher Weiſe in die Pädagogik über⸗ getreten iſt, ſchrieb ich ſchon unterm 30. October 1846 u. A.:
„Wie wahr iſt doch, was L. Börne ſagt:„Es iſt zu traurig! Keine Hoffnung, daß Deutſchland frei werde, ehe man ſeine beſten lebenden Philoſophen und Theologen aufknüpft!“ Und Laube:


