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iſt dieſe Erklärung ſchöner, gemüthlicher, leichter, faßlicher und den Kindern Gottes einleuchtender, als die natürliche, die nur allmälig durch unzählige Hinderniſſe hindurch aus dem Dunkel zum Lichte empordringt. Aber auch die Erklärung unſrer frommen Väter von Hagelſchlag, Viehſeuchen, Dürre und Donnerwettern durch Wetter⸗ macher, Zauberer, Heren iſt weit„poetiſcher“, leichter und noch heute ungebildeten Menſchen einleuchtender, als die Erklärung dieſer Erſcheinungen aus natürlichen Urſachen.“(Erläuterungen ꝛc. S. 431.)
Ferner Seite 477, pos. 52:„Die Wunder unter dem Vor⸗ wande verwerfen, daß ſie ſich nicht für die Würde und Weisheit Gottes ſchicken, kraft welcher er von Anfang an Alles ſo, wie es am Beſten ſei, für ewige Zeiten feſtgeſetzt und vorausbeſtimmt habe, das heißt der Natur den Menſchen, dem Verſtand die Reli⸗ gion aufopfern, das heißt im Namen Gottes den Atheismus predigen. Ein Gott, der nur ſolche Bitten und Wünſche des Menſchen erfüllt, die ſich auch ohne ihn erfüllen laſſen, deren Erfüllung innerhalb der Grenzen und Bedingungen der natürlichen Urſachen liegt, der alſo nur ſo lange hilft, als die Kunſt und Natur helfen, aber aufhört zu helfen, ſowie die materia medica zu Ende iſt, ein ſolcher Gott iſt nichts Anderes, als die hinter den Namen Gottes verſteckte, perſonificirte Naturnothwendigkeit.“
Zum Schluſſe(S. 251— 253) ſpricht ſich Feuerbach über den unlöslichen Widerſpruch zwiſchen„religiöſem Gefühl und Glauben“ und der modernen Philoſophie und Naturwiſſenſchaft ebenſo klar, als entſchieden aus.„Wollt ihr ein Radikalmittel gegen das immer tiefer und weiter um ſich greifende Uebel der Vernunft anwenden, ſo bleibt euch kein andres Mittel, als ſämmtlichen Ungläubigen die Köpfe abzuſchlagen. Welch ein lächerlicher Wahn, daß nur mit den Bedürfniſſen des Magens, nicht mit denen des Kopfes die Macht der Nothwendigkeit, das Schickſal der Dinge im Bunde ſtehe! Welch ein thörichtes Beſtreben, die Dampfmaſchinen und Runkelrübenzuckerfabriken in Bewegung, aber die große Denkmaſchine, den Kopf, in ewigen Stillſtand verſetzen zu wollen! Welch ein Ein⸗ fall, die religiöſen Wirren dadurch ſchlichten zu wollen, daß man über die Religion plötzlich nicht mehr denkt, d. h. daß man ſich zum Beſten der deutſchen Nationalintereſſen, der Dampfmaſchinen und Runkelrübenzuckerfabriken u. ſ. w., in religiöſen Dingen stante pede zur Beſtie degradirt! Und welch ein verwerflicher Gedanke, daß man die Religion, weil ſie Sache des Gefühls ſei, nicht vor das Forum der philoſophiſchen Kritik ziehen ſolle! Gerade das Gegentheil. Soweit unſer Verſtand reicht, ſoweit geht unſer Beruf, unſer Recht, unſre Pflicht. Was wir erkennen können, das ſollen wir erkennen! Die theoretiſche Aufgabe


