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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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aus Laube's Poeten*)Gerade, daß man die Religion, wie die meiſten Wiſſenſchaften, zur Zunft gemacht, gerade das hat die zünftigen Theologen jeder Confeſſion, gerade das hat die Hand⸗ werker derſelben geſchaffen, und jedes Handwerk will einen goldnen Boden haben. Nun thut das Volk, als ſei es abonnirt in die Vorleſungen, die der liebe Herrgott alle Sonntag Morgen lieſ't. Das hat die aufgeblähten Pfaffen hervorgebracht, die mit ihrem Katechismus alle Welt auslachen und ſich über allem Verſtande dünken; dennwir haben in ihm, ſagen ſie,den göttlichen Ver⸗ ſtand,(derhöher iſt, denn aller Menſchen Vernunft, wie Carl Vogt ſpöttelt) und weil der eifrige fromme Paulus einmal, durch⸗ drungen von der menſchlichen Schwäche, von der engen Begrenzung unſres Vermögens geſagt hat:All unſer Wiſſen iſt Stückwerk da ſchreien ſie nun:Betet und ſinget, denn ihr ſeid verworfene Creaturen, die nicht werth ſind, daß ſie die Sonne beſcheint. Bei uns allein iſt Wahrheit und Leben, außerhalb der Kirchthüre, auf der grünen Erde, Finſterniß und Schatten des Todes. Es muß die poſitive Religion vervollkommnet werden können, wenn ſie

*) Ich entnehme dieſe und die folgenden ſchlagenden Citate meinem da⸗ mals in der correctionellen Schuſterſtube gelegentlich fortgeführten Tagebuche. Sie waren dem kleinen, überwiegend religionsphiloſophiſch⸗ketzeriſchen Reſte meiner weiland theologiſchen Studentenbibliothek entlehnt, der nebſt andern literariſchen und ſonſtigen Privatgeheimniſſen in einem beſonderen Behälter jenes meines improviſirtenBureau's verborgen lag. Nach der obligaten Sonntags⸗ predigt pflegte ich daſelbſt, manchmal unter Vorleſung und Beſprechung der einen oder andern Stelle, mit den mir befreundeten weilandWeinbergs⸗Mitarbeitern und nunmehrigen Correctionshaus⸗Feldkaplanen förmliche vertrauliche Colloquien über die Hauptſätze der chriſtlichen Dogmatik zu halten, welche freilich, da die Andern officiell das S. 160 erwähnteor¹ Luther's nachſprachen, gerade ſo reſultatlos zu enden pflegten, wie ſ. Zt. das Religionsgeſpräch zu Marburg. Ich war eben einApoſtata, d. h. ein in das mehr oder minder philoſophiſche Heidenthum zurückverfallenerHumaniſt, und alle, ob auch noch ſo wohlge⸗ meinten nachträglichen Bekehrungsverſuche prallten an mir ab. Jedenfalls waren dieſe sine ira et studio in der Schuſterſtube des Darmſtädter Corrections⸗ hauſes geführten modernenReligionsgeſpräche zwiſchen einem abgefallenen und einem officiell bußpredigenden Theologen über den Inhalt der meiſten oben folgenden Sätze in ihrer Art eine pikante Unterhaltung, wobei manchmal der

rnat meines Gegners mit wirklichemPech behaftet wurde. Hin und wieder, wenn wir uns beiderſeits etwas in Eifer geredet hatten und uns dann, einge⸗ denk der vielen fröhlichen Schoppen, die wir als Studenten ſelbander gekneipt, von der Seite anſahen, flog wohl auch jenes ſprüchwörtliche Lächeln der alten römiſchenVogelſchauer über unſre Mienen nnd mein verſöhnliches Schlußwort blieb dann meiſt jene klaſſiſche Aeußerung eines gemüthlichen öſterreichiſchen Hauptmanns:Mir iſt Alles einerlei, ob Einer deutſchkatholiſch iſt oder römiſch⸗ katholiſch, lutheriſch, reformirt oder Heide, wenn der Menſch(ich verſtand das geiſtig, wie körperlich) halt nur geſund iſt! Undglaubt, was ihr wollt, thut, was ihr(moraliſch) ſollt! pflegte ja ſtets mein inzwiſchen ver⸗ ſtorbener Oheim zu ſagen. D. V.

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