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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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der angeblichen Störer. Ueber meine, Freitag, den 13. September, zwei Datum's ſchlimmen Omens! pflegte meine für ſolche Dinge gar empfindliche liebe Schwiegermutter, die mir trotzdem ihre Tochter ſpäter unbedenklich anvertraute, zu ſagen gehaltene Schluß⸗Ver⸗ theidigungsrede, in deren Verlauf mir zuletzt vor lauter Irritation einigermaßendie Pferde durchgingen, berichtete u. A. das Frank⸗ furter Journal vom 14. September 1850:Am Schluſſe meines geſtrigen Abendartikels habe ich noch kurz der in beredten, mit vielen geiſtreichen Schilderungen durchwebten Worten gehaltenen Vertheidigungsrede des Angeklagten F. gedacht. Ich muß etwas genauer darauf eingehen. Es beſtand dieſelbe, die in ihrer Art ein Meiſterſtück genannt zu werden verdient, wiewohl ſie eigentlich nur im erſten Theil eine logiſche Gedankenfolge zeigte, aus einem wundervollen Gemiſch von derben, bittren Wahrheiten, blühenden Gedanken, lachenden Bildern und geiſtreichen ſcherzenden Ausfällen. F. ſprach an zwei Stunden lang, und als ihm endlich das Wort entzogen wurde, ſah man noch kein Ende ſeiner ſprudelnden Be⸗ redtſamkeit. Manchmal faſt chaotiſch wild rollte dieſe dahin, ohne einen eigentlich leitenden Gedanken zu zeigen, und ſie ſchwebte oft auf den äußerſten Grenzen einer begeiſterten Poeſie, vermiſcht mit den ertremſten Schwärmereien und ſelbſt manche Wiederholungen nicht achtend. Als er in kurzen kräftigen Zügen und raſcher Aufeinander⸗ folge mit hochpoetiſchem Schwunge die Märzrevolution ſchilderte, ſchien es, als wolle er mit Pindar wetteifern. Als er weiter ſprach von demMeſſias der Volksſouveränetät, den man im Jahre 1848 durch die Straße getragen und dem das Volk ſeine begeiſterten Hoſiannah's zugerufen, und dieſem gegenüberſtellte denſelben Meſ⸗ ſias,der im Jahre 1850 unter den Fäuſten der Schergen, die Dornenkrone auf dem Haupte, nach dem Golgatha des Zuchthauſes wandle; als er ſprachvon jener Zeit, wo die Jünglinge Ge⸗ ſichte geſehen und die Jungfrauen Träume gehabt, von den Feuer⸗ zungen nationaler Begeiſterung, in denen man damals geredet, da mochte man ſich faſt die Verſe eines Jeſaias vergegenwärtigen. Die unvergänglichen Tage des März traten bei dieſer Schilderung Jedem lebhaft vor die Augen: Wie kunterbunt die Wirthſchaft tollert, Der Ameishauf' durcheinander kollert;

und es war gewiß Niemand in dem vollgedrängten Saale, auf den Gallerien oder in den Gängen, der es dem Jünglinge nicht verziehen hätte, daßer ſich in ſeiner überſchäumenden Begeiſterung über die Convenienzen des modernen Staatslebens hinaus geſetzt

hatte. Und ſelbſt als er mit ſichtlichem Wohlgefallen von ſeinem hllich

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politiſchen Märtyrthum, von den zweien in der Verbannung oder