IV. Von anno 1849 bis 1850.
Gegen Ende April 1849 fuhr ich von Straßburg per Eiſen⸗ bahn durch Baden über Heidelberg, zunächſt nach Darmſtadt, um dort bei einem befreundeten, übrigens durchaus nicht demokratiſchen, ſondern fanatiſch conſtitutionellen jungen Beamten für einige Tage „die Hacke unterzuſtellen.“ Wie ich ſchoͤn in Heidelberg bei meinen gerade dort ſtudirenden Gießener juriſtiſchen Commilitonen erfuhr, deren einige bereits zur bewaffneten Theilnahme gerüſtet waren, bereitete ſich der badiſch⸗pfälziſche Reichsverfaſſungs⸗Aufſtand zum nahen Ausbruche vor. Man ſuchte mich dieſerhalb von der Weiter⸗ reiſe abzuhalten, aber ich hatte zu der ganzen Sache kein rechtes Vertrauen. Nach nur eintägigem, in alter Studentenweiſe fröh⸗ lich verkneiptem Aufenthalt fuhr ich, um endlich heimathliche Luft zu athmen, unaufhaltſam nach unſrer heſſiſchen Darm⸗Reſidenz, wo mich mein Freund S. trotz ſeiner bis dahin noch widerruflichen ſtaatsdienſtlichen Stellung mit offnen Armen aufnahm. Als ich ihn nicht gleich daheim traf, ſuchte ich ihn nach Anweiſung ſeiner Hauswirthin im benachbarten Bierhauſe zum„Hanauer Hofe“ auf. Da fand ich ihn denn an der Seite eines damaligen Collegen, des jetzigen Directors der Darmſtädter Rentenanſtalt, W., der mich mit gleich rückhaltloſer Herzlichkeit, wie S., als oberheſſiſcher Lands⸗ mann begrüßte. In dem großen Bierſaale ſaßen gar viele Gie⸗ ßener Studenten, die mich erkannten und ganz erſtaunt fixirten. Aber Das genirte mich gar nicht, obgleich mein Steckbrief noch in Kraft war und ich das erbetene, indeß erſt nach meiner Abreiſe von Straßburg dort eingetroffene Geleitſchreiben des Miniſteriums Jaup gar nicht erhalten hatte. Die Gewitterſchwüle der immer näher rückenden ſüddeutſchen Volkserhebung lag eben ſchon in der Luft und da ging die löbliche Polizei mit ihren ſonſt ſo ſchnell bereiten Verhaftungen ſchon etwas zurückhaltend zu Werke. Am folgenden


