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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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des Volkes, die ſie urſprünglich allein ſein ſollte, zu einer Sache der Fürſten, aus dem kirchlichen Selbſtzweck zu einem Mittel dynaſtiſcher Politik machen. Das war ſein großer Fehler, an dem wir in unſern heutigen proteſtaniſchen Landeskirchen mit den jewei⸗ ligen Fürſten alsoberſten Biſchöfen, dieſer unglückſeligen Ver⸗ quickung desGeiſtlichen mit demWeltlichen, heute noch kranken. Während der gleichzeitige ſchweizeriſche Reformator Ulrich Zwingli, wie ſeine Gegner klagten,die geiſtige Freiheit auf das Fleiſch anwandte und die Reformation zur Durchführung wohlthätiger politiſcher Reformen klug zu benutzen verſtand, hatte Luther im Gegentheil eine wahrhaſt bibliſche Ehrfurcht vor denGeſalbten des Herrn, Kaiſern, Königen und Fürſten, und hoffte zunächſt allein durch ſie die Reformation der Kirche am Sicherſten durchzuſetzen. Das war der verhängnißvolle Unterſchied. Zwingli war zugleich ſchweizeriſcher Republikaner, Luther aber blieb immer deutſcher Unterthan; in dieſem weſentlichen Punkte gingen Beide aus ein⸗ ander. Auf dem bekannten Bilde des Darmſtädter Hofmalers Noack, das Religionsgeſpräch zu Marburg, wo der mild ſchlichte Zwingli das bekannteeor: bei der erſten Feier des Abendmahls durch Chriſtus ſehr richtig und vernünftig mitDas bedeutet meinen Leib und Blut überſetzt, während der ſtarre Luther an dem mit Kreide auf den Tiſch geſchriebenen Wortlaut:Das iſt mein (wirklicher) Leib in unbegreiflicher Hartnäckigkeit unbekehrbar feſt⸗ hält, hat meine Sympathie ſtets dem ſchweizeriſchen Reformator ſich zugewandt. Zwingli's Lehre war freilich dem einſeitigen kirch⸗ lichen Agitator Luther, der die eigentliche Heimath des Chriſten bloß im himmliſchen Jenſeits ſah, entſchieden antipathiſch, da ſie die ſ. g. chriſtliche Freiheit und brüderliche Gleichheit nicht bloß geiſtig auffaßte, d. h. bloß in Anwendung auf das Verhältniß des Menſchen zu Gott, ſondern auch auf das irdiſch⸗ſtaatsbürgerliche politiſche Leben bezog. Zwingli war eben ein Republikaner, der neben dem Himmelscandidaten des Jenſeits zugleich den freien Bürger des Diesſeits im Auge hatte, als ſolcher auch, mit Speer und Helm bewaffnet, in der Schlacht bei Kappel gegen die Katho⸗

liken ritterlich fiel, während Luther mehr ein für politiſche Re⸗

formen gleichgültigerHofprediger der Fürſten war und in den ſchweizeriſchenSacramentirern nur eine Fortſetzung der wieder⸗ täuferiſchenSchwarmgeiſter erblickte. Dieſen weſentlichen Unter⸗ ſchied zwiſchen beiden Reformatoren wußte ich meinen überwiegend bäuerlichen Geſchworenen unter geziemendem Reſpecte für den Deutſchen, wie den Schweizer, ſo gründlich klar zu machen, daß ſie mir Zeichen ihres ſtillen Beifalls gaben und dieſe für mich ſehr gefährliche Klippe meiner oberheſſiſchen Bauernkriegsrede, trotz der ſtaatsanwaltlichen Inſinuationen, für mich keinerlei Stachel in ihnen