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mehr, sans façon todtgeſchoſſen zu werden! In Mainz ſpät Abends angelangt, nahm ich mein Abſteigequartier wieder bei meinem jovialen Freunde von früher, Gaſtwirth W. Kempf zur Stadt Cöln, und wurde ſowohl von ihm, als auch von ſeiner liebenswürdigen Schweſter Charlotte auf das Herzlichſte bewillkommt. Am andern Tage traf ich zu unſrer beiderſeitigen Ueberraſchung mit meinem Landsmann Otto L. zuſammen, der gerade in Mainz Geſchäfte hatte. Wir kneipten natürlich ganz fidel mit einander und erzählten uns Krähwinkeleien aus der gemeinſamen Heimath, über die wir uns vor Lachen ausſchütteten. Am Freitag machte ich ſogar mit ihm eine Geſchäftsreiſe nach Biebrich und Wiesbaden, wo wir ziemlich viel in Hoſenzeug für das Haus Wentig in Zittau ver⸗ kauſten. Von Wiesbaden fuhr ich gegen Abend, da wir uns in Folge allerlei widerwärtiger Reiſehinderniſſe allzu ſehr verſpätet hatten, um noch zu rechter Zeit in Mainz einzutreffen, und ich überdies auf Grund von Warnungen, die mir ſchon am erſten Tage meines Dortſeins zugekommen waren, bei weiterem Aufent⸗ halt in polizeiliche Ungelegenheiten zu kommen fürchtete, gleich direkt nach Frankfurt, wo mich Freund Wolff pünktlich in Empfang nahm und bis dato nach altem Herkommen brüderlich beherbergte.
„Was meine Abſichten fün die nächſte Zeit betrifft, ſo warte ich nur einen Brief von L. L. vermummt, incognito mit dem Abends 9 Uhr abfahrenden, Mor⸗ gens 3 Uhr anlangenden Poſtwagen nach Gießen zu kutſchiren, wo mich L. abholen und ſicher unterbringen wird. Ich bleibe dort etwa zwei Tage, um mit meinem Advokaten zu ſprechen und nach dem Reſultate dieſer Erkundigung ſofort einen definitiven Entſchluß zu faſſen, d. h. entweder Präſentation vor dem Gericht oder als⸗ baldige Wiederabreiſe nach Straßburg, um von dort in 2—3 Mo⸗ naten, wenn zu günſtiger Jahreszeit, als bei dem mir befreundeten dortigen Buchdrucker Dambach zuvor einigermaßen eingeübter Zei⸗ tungsſetzer nach Nordamerika überzuſegeln. In beiden Fällen aber werde ich euch zuvor noch einmal heimlich beſuchen.“
Und ſo geſchah es auch. Ich wählte die erſte Seite obiger Alternative, d. h. nachdem ich zuvor noch in dem Heimathsſtädtchen incognito der Hochzeit meiner einen Schweſter beigewohnt, ſiſtirte ich mich, ſtatt in's„irdiſche Jenſeits“ überzugehen, auf dem Gießener Pro⸗ vinzialarreſthauſe, wo nach erfolgter vorheriger Anmeldung meine Zelle mit eignem Bettwerk ſchon für mich hergerichtet war.
Nach langen Vorverhören durch den Criminalrichter Höpfner, der unſer nachmärzliches Wiederzuſammentreffen an dem gleichen Orte, wie vor März, aufrichtigſt bedauerte und mir unverändert das alte Wohlwollen bewies,— ſobald ich noch einmal nach Gießen komme, habe ich mir feſt vorgenommen, das Grab dieſes Ehren⸗
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Zab, um ſodann, in eine Capuze r


