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abgeriſſenen Haltung„Baſſermänniſcher Geſtalten.“ Von unſern Bekannten ſind Viele hier, u. A.: C. Ohly, Th. Götz, der eine Zeit lang als Kanonier der badiſchen Artillerie angehörte, Th. Böhm, der in der Willich'ſchen Freiſchaar diente. Auch Metternich aus Mainz, G. Sigel, unſer badiſcher Obercommandant, u. A. ſind noch hier, indeſſen wird ſich die erſte Fluth bald verlaufen. Ich ſelbſt ge⸗ denke mich vorerſt noch ſo lange hier aufzuhalten, bis eure Briefe und Gelder hier eintreffen, dann will ich einen Ausflug nach dem Rigi und in die Urkantone machen.(Das geſchah bald darauf, und ich gedenke heute noch mit wahrem Entzücken an die präch⸗ tigen Fahrten über den Vierwaldſtätter⸗ und den lieblich idylliſchen Zuger See. Die oft düſter hochaufſteigenden ſteilen Felſen des erſteren und die flachen Ufer des zweiten bilden einen gar eigen⸗ thümlichen Gegenſatz. Von letzterem aus erſtiegen wir über Goldau den Rigi. Unſer Reiſegeräthe war höchſt einfach und gerade darum ſehr praktiſch. Natürlich trugen wir, ſchon der Erleichterung bei der heißen Temperatur halber, unſre blauen Freiſchärler⸗Blouſen mit Strohhüten, Jeder in ſeinem leichten Ränzchen ein Paar Strümpfe und ſpeciell für den Rigi zum Umwechſeln nach der An⸗ kunft ein friſches Hemde.„Federleicht war mein Gepäcke“ und leicht waren auch unſre Herzen. Wir waren im Grunde alle froh, aus dem Wirrwarr des ſchon wegen ſeiner Iſolirung hoffnungsloſen, durch die Coterie Brentano noch obendrein im Sinne der Bour⸗ geoiſie verpfuſchten badiſchen Reichsverfaſſungsaufſtandes gerade zu rechter Zeit mit heiler Haut davongekommen zu ſein, während bald darauf Dortü, Trützſchler, Streuber, Tiedemann u. A. ſtand⸗ rechtlich bluten mußten, und hofften immer wieder auf eine baldige neue, diesmal ſiegreiche Revolution, welche deren Manen ſühnen ſollte. Inzwiſchen jubelten wir in friſcher Alpenluft mit Schiller: „Auf den Bergen iſt Freiheit. Der Hauch der Grüfte Steigt nicht herauf in das Reich der Lüfte.“
Unterwegs nach dem Rigi wurde in dem bekannten„Klöſterli“ Halt gemacht und da labten wir uns denn zur Abkühlung an dem treff⸗ lichen Bier und Wein con amore. In tüchtigem Schweiße oben ange⸗ kommen, ſtiegen wir natürlich nicht in dem prächtigen großen Hotel, ſondern in dem weiter unten bei Seite ſtehenden beſcheidnen„Rößli“ ab, wo wir, ſoweit Vorrath reichte, die Garderobe wechſelten und, nachdem wir uns weiterhin reſtaurirt, bei vollkommen klarem Himmel durch das Fernrohr oder auch unbewaffneten Auges die prächtige Rund⸗ ſicht mit wahrer Wolluſt genoſſen. In unſrer nächſten Nähe hörten wir mit inſtinctiver Antipathie wohlbekannte ſchnarrende Laute. Es waren preußiſche Officiere in Eivil, welche von Baden aus, nachdem ſie„die verdammten Republikaner zuſammenjehauen,“ zu


