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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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145 anlangenden Trümmer der Armee, wo wir etwa zwei Tage aus⸗ ruhten. Mehrere meiner Freunde, darunter Th. Götz u. A., die ich dort wieder traf, gingen gleich am folgenden Tag in die Schweiz weiter; wir beſchloſſen indeſſen, obſchon offenbar gar Nichts mehr zu hoffen war, bei Doll bis zu Ende auszuharren. Nun wurde über Das, was zu thun ſei, hin- und herberathen und, nachdem Mieroslawsky abgedankt hatte, Brentano aber entflohen war, der gänzlich unfruchtbare Beſchluß gefaßt, den Krieg noch weiter fortzu⸗ ſetzen(). Demzufolge übernahm Doll, obſchon er ſich feſt vorge⸗ nommen, von da aus ſchon nach Straßburg zurückzukehren, wieder das Commando des linken Flügels und ging mit 6 Geſchützen, etwas Infanterie, Volkswehr(darunter auch die Reſte der famoſen Hanauer Turner unter meinem Freunde Schärtner) ns Oberland ab, mit ihm Oberſt Merſy, der frühere Kriegsminiſter, Diepenbrock und natürlich auch wir. Wir machten zuerſt in Mühlheim Quar⸗ tier und kamen am folgenden Tage über Efringen(das Gerücht im Frankfurter Journal, daß Doll von dort aus mit der Kriegs⸗ kaſſe durchgebrannt ſei, iſt eine meinerſeits ſpäter von Muttenz ab öffentlich gebrandmarkte plumpe Lüge) nach Lörrach, dem bekannten badiſchen Grenzſtädtchen, wo Struve im vorjährigen September vom Rathhauſe herab die Republik proklamirte. Hier trafen des Abends die Blenker'ſchen Freiſchaaren, die in der ganzen Umgegend wie Kroaten brandſchatzend umhermarodirten, mit uns zuſammen, und in Folge der heftigen Reibereien, die wir ſofort mit ihnen hatten, marſchirten wir andern Tags nach dem unmittelbar am Rheinufer gelegenen Grenzach, wo wir eine von mir redigirte, ihnen unſrerſeits Schutz verheißende Proclamation an die Bewohner der Umgegend gegen die Exceſſe der Blenkerianer erließen. Die Hanauer Turner traten gleich von Lörrach aus nach Baſel über.(F. Bopp, der noch bei Gernsbach unter ihnen war, wird ſeitdem vermißt und iſt wahrſcheinlich entweder gefallen oder gefangen. Daſſelbe gilt von Carl Hillebrand aus Gießen, der mich in den letzten Tagen von Karlsruhe verließ und bei Raſtatt in der Mannheimer Arbeiter⸗Compagnie gedient haben ſoll.) Von Lörrach gingen wir über Warrenbach, wo ſchon die Blenkerianer, die denſelben Tag noch bei Rheinfelden übergingen, in unſrer Nähe lagerten, nach Säckingen. Unterwegs beſtändig Meutereien und Ausreißereien. Es war mit den Leuten durchaus Nichts mehr anzufangen. Alles war durch die permanente Rktirade ermüdet und deprimirt, und überhaupt war der ganze Zug von Freiburg ab nur eine völlig zweckloſe reine promenade militaire, die mich zuletzt von vorn bis hinten anekelte. Bei Säckingen, wo wir 1 ½ Tage hielten, gingen wir denn endlich, in Ermangelung ſicherer Nachrichten über die Stellung und Abſichten des Feindes und unſrer eignen übrigen 19