— 144—
und Waffen lagen zerſtreut umher. Die Verwundeten und Todten wurden regelmäßig und ſorgfältig von den Preußen hinter die Linie geſchleppt. Die zwei Tage über mögen die Preußen wohl mindeſtens 20— 30 Todte(?) und wer weiß, wie viele Verwundete gehabt haben.(Dieſe Ziffer iſt übrigens, wie ich nachträglich gerne bekenne, durchaus nicht zuverläſſig, ebenſo wenig aber ver⸗ mag ich der höchſt geringfügigen Angabe des preußiſchen General⸗ ſtabsberichts vollen Glauben zu ſchenken.) Wir ſelbſt, durch unſre Artillerie und den Damm geſchützt, hatten nur 5 leicht, 1 ſchwer Verwundeten und, ſoviel ich weiß, 1 Todten. Die Nacht über bivouakirten wir auf dem Felde, wobei wir, nebenbei bemerkt, keinen beſonders„tiefen Schlaf thaten“, zudem bei der damals ſchneidend friſchen Nachtluft. Ich wickelte mich in einen, von einem Bauern⸗ knecht gegen gutes Douceur entliehenen Mantel und lag, ſchlappernd vor Froſt, theils auf dem Raſen, theils unmittelbar am Wachtfeuer. Des andern Morgens braute ich mit nicht verlernter Studenten⸗ Virtuoſität in einem alten Topf einen famoſen Kaffee, der dem Ge⸗ neralſtab vortrefflich mundete und deſſen Satz ſich unſre Soldaten nachträglich noch zweimal abkochten.„Schöne Gegend, das!“ Das Gefecht wurde dann bis nach Nittag fortgeſetzt, ohne daß die Preußen die Murg hätten paſſiren können. An dieſem Tage ſchien es übrigens mehr ein bloßer Scheinkampf zu ſein und ſich die Hauptmacht anderswohin gezogen zu haben. Mittags erfuhren wir denn auch, daß ein Treffen am rechten Flügel bei Gernsbach und Kuppenheim begonnen habe, und ſpäter, daß daſſelbe durch das unvorhergeſehene in den Rücken Fallen der Preußen und Würt⸗ temberger(Dank der zweideutigen Haltung des„liberalen“ Miniſte⸗ riums Römer!) über die ſchwäbiſche Grenze verloren ſei. Alles löſe ſich, ſo berichtete man uns, in wilder Flucht auf.(Bei dieſer Gelegenheit wurde, wenn ich recht berichtet bin, Gottfried Kinkel gefangen genommen.) Damit war denn auch die Murglinie ver⸗ loren mit einziger Ausnahme Raſtatts, das eine iſolirte und frucht⸗ loſe Vertheidigung als Galgenfriſt des ganzen Kampfes, eine Art Inſel mitten im eroberten Meer, noch eine Zeit lang fortführen konnte. Doll gab unſre Stellung nach einer Ordre Mieroslawsky'’s auf und ging mit der größeren Hälfte unſrer Mannſchaft gegen Raſtatt vor, um von dort aus, je nach Befund der Umſtände, nach dem Oberlande ſich zurückzuziehen. Ich ſelbſt wurde den Mittag, in Geſellſchaft von Wüſt aus Darmſtadt, mit Ordres nebſt Waffen und Gepäck über Stollhofen nach Kehl vorausgeſchickt, wo denn Doll, eine Zeit lang erfolglos von den preußiſchen Huſaren verfolgt, mit den Trümmern ſeiner Colonne am folgenden Früh⸗ morgen eintraf. Von da marſchirten wir nach Freiburg, dem vor⸗ läufigen Sammelplatze der in buntem Durcheinander nach und nach


