wurde vom Pontius zum Pilatus geſchickt, ſodaß man kaum wußte, wer Koch„der Kellner war. Unſer in der geſchilderten Weiſe aus⸗ gefüllter Aufenthalt in Karlsruhe dauerte im Ganzen 3 Wochen. Den letzten Abend noch traf ich im Pariſer Hofe Dr. Heldmann aus Selters, der als Arzt bei unſrer Armee eintreten wollte, von dem ich aber ſeitdem Nichts wieder gehört habe. Auch den wackren alten Schlöffel, der über den Tod ſeines auch mir befreundeten Sohnes, des unmittelbar zuvor bei Waghäuſel im Vorführen ſeiner Compagnie gefallenen Guſtav Adolf, noch ganz untröſtlich war. Er zeigte mir ſeine mit Blut überſtrömte Brieftaſche, die ſich der unglückliche Vater als letztes Andenken vom Schlachtfelde mitge⸗ nommen. Der Anblick ergriff mich bei meinen intimen Beziehungen zu dem ebenſo talentvollen, als braven Jungen ſo unbeſchreiblich, daß mir die Thränen in die Augen traten.
Nach jener letzten unglücklichen Affaire, die durch offenbare Verrätherei in unſerm eignen Lager, insbeſondere durch die, wie es ſcheint, vorher abgekartete Flucht der Dragoner verloren ging, und dem unmittelbar darauf folgenden Vorrücken der Preußen nach dem 1 Sunde unterhalb liegenden Durlach, wo ihnen der alte polniſche Eſel Sznayda nur einen ſchlechten und allzu ſpäten Wider⸗ ſtand entgegenſetzte, übernahm Doll das Commando des linken Flügels, der mehrere Bataillone Volkswehr und Infanterie von der Linie, 1 Schwadron badiſcher und 1 incomplete pfälziſcher Dragoner nebſt 10 Geſchützen zählte, und ging unmittelbar nach der Murg ab, wo wir in Steinmauern Quartier nahmen. Nach dem Feldzugsplane Mieroslawsky's, der wohl ein genialer Theoretiker auf der Karte, im Felde aber ein ziemlich ſchlechter Practiker und, wie es ſcheint, vom Verhängniſſe ein für allemal zu einem Pechvogel prädeſtinirt war, ſollte nun, Angeſichts der verlorenen Neckar⸗Poſition, die als unüberwindlich gerühmte, durch Freund Ohly aber ſo energiſch desavouirte MNurg⸗Poſition von der geſammten noch disponiblen Armee behauptet werden. Obſchon die ganze Sache ſowohl durch die vorangegangene Halbheit der politiſchen, als die Plan⸗ und Tactloſigkeit der militäriſchen Adminiſtration total verpfuſcht war, ſo hofften wir doch, daß wir uns hier, unterſtützt durch unſre zahlreiche und tüchtige Artillerie, zur Ehrenrettung der ganzen Bewegung eine gewiſſe Zeit lang mit bedeutendem Verluſt für den Feind halten und ſo eine mögliche günſtige Eventualität in der Nähe abwarten könnten. Aber die Demoraliſation und Deſertion unter den Truppen, insbeſondere von der Volkswehr, hatte bereits begonnen und das Vertrauen fehlte bei Führern und Soldaten. Nachdem wir zuvor in der Nacht ein kleines Vorpoſtengefecht mit den Preußen bei Oetigheim beſtanden, wobei auf beiden Seiten etliche Todte blieben und von


